Mayer & Cie ist Tailfingens größtes Industrieunternehmen. Foto: Mayer & Cie

Die derzeitige Konjunkturkrise macht vor dem Strickmaschinenhersteller, Tailfingens größtem Industrieunternehmen, nicht Halt. Mittlerweile wird kurzgearbeitet; weitere Maßnahmen wurden am Dienstag in einer Betriebsversammlung vorgestellt.

Ähnlich wie vor fünf Jahren, als der Handelskrieg zwischen USA und China der Branche einen schweren Konjunktureinbruch bescherte, reagiert Mayer & Cie. mit Kurzarbeit in der Produktion auf den Nachfragerückgang. Sie hat im Oktober begonnen und wurde im Januar ausgeweitet, so dass mittlerweile rund 90 Prozent der Belegschaft betroffen sind.

 

2019 hatte Mayer & Cie. zudem die Zahl der Arbeitsplätze von rund 380 auf 320 abgebaut – das, so Benjamin Mayer, Mitglied der Geschäftsführung, war eine Konsequenz, die sich nicht wiederholen werde: 40 Leiharbeiter seien mittlerweile gegangen, aber die etwa 310 Köpfe starke Kernbelegschaft werde man auf alle Fälle behalten, weil man sie nicht entbehren könne. „Das ist das Minimum.“

Ihre Aufträge hat Tailfingens Mayer & Cie inzwischen „vervespert“

Die Ursachen der Flaute sind die bekannten: Inflation und Rezession, dazu der Ukrainekrieg und seine unmittelbaren Folgen haben die Verbraucher weltweit gezwungen, den Gürtel enger zu schnallen; die Textilbranche bekommt solche Verwerfungen immer als eine der ersten zu spüren.

In der Folge hat das Interesse der Produzenten in China, Indien und der Türkei an neuen Maschinen stark nachgelassen. Der unerwartete Nachfrageboom, welcher im Herbst 2020 der Schockstarre des ersten Corona-Lockdowns gefolgt war und Mayer & Cie. wieder zu Aufträgen und Arbeit verhalf, ist 2023 verebbt; die Aufträge sind „vervespert“, und die nächste Durststrecke hat begonnen.

Kostspielige Anschaffungen sind vertagt

Ihr Ende ist nicht abzusehen; Mayer & Cie. belässt es deshalb nicht bei Kurzarbeit. Vorrangiges Ziel ist es momentan, liquide zu bleiben; das Unternehmen hat aus diesem Grund diverse Investitionen mit einem Volumen von 200 000 Euro gestrichen, vor allem aber die in diesem Sommer fällige Lieferung zweier großer Produktionsmaschinen im Gesamtwert von 1,2 Millionen Euro aufs kommende Jahr verschoben – samt der Fundamentierung des Terrains für die Kolosse, die mit weiteren 500 000 Euro zu Buche schlägt.

Dritte Maßnahme im Katalog ist eine Finanzspritze der geschäftsführenden Gesellschafter, die das Kapital um eine Million Euro aufstocken. Parallel dazu soll ein Tilgungsmoratorium von KfW-Krediten erwirkt werden; man ist in dieser Sache im Gespräch mit den Hausbanken.

Beim Verzicht auf Zusatzzahlungen hat das letzte Wort die Gewerkschaft

Bleibt der vierte Posten – um ihn ging es am Dienstagnachmittag in der Betriebsversammlung, denn er tangiert die Belegschaft unmittelbar: Sie soll in diesem Jahr auf die tariflichen Zusatzzahlungen, nämlich das Urlaubsgeld und das sogenannte „Trafogeld“, das Ende dieses Monats fällig gewesen wäre, verzichten und ihrem Arbeitgeber dadurch zu zusätzlicher Liquidität in einer Größenordnung von 1,4 Millionen Euro verhelfen.

Indes haben in dieser Sache die Tarifpartner ein Wörtchen mitzureden; aus diesem Grund stimmten die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter über den Wunsch des Unternehmens ab. Das Ergebnis: Es muss noch weiter verhandelt werden; die Gewerkschaftsmitglieder haben die IG Metall Albstadt ermächtigt, das zu tun. Was herauskommt, bleibt abzuwarten.