Weiran Guo (Klavier) und Birgit Kruckenberg-Link (Text) haben Werke jüdischer Künstlerinnen in der ehemaligen Synagoge vorgetragen. Foto: Ude

Einen literarischen und kurzweiligen Abend, untermalt mit Klaviermusik, erlebten mehr als 40 Besucher, die den abendlichen Weg in die Hechinger Synagoge zur Veranstaltung „Geschirmt sind die Liebenden“ fanden.

Der Name des Programms ist gleichzeitig Titel eines Gedichts der Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin für Literatur, Nelly Sachs, mit welchem der Abend eröffnet wurde.

 

Die Kabarettistin Birgit Kruckenberg-Link präsentierte mit angenehm sympathischer Stimme schöne und eindrucksvolle Gedichte und Erzählungen der jüdischen Schriftstellerinnen Nelly Sachs, Selma Meerbaum-Eisinger, Claire Goll, Else Lasker-Schüler, Gertrud Kolmar, Ruth Klüger sowie Irmgard Keun und Maschha Kaleko. Darüber hinaus erfuhren die Zuhörer noch Näheres zum Werdegang und Schicksalsweg jeder einzelnen Künstlerin.

Sie alle mussten Deutschland in der NS-Zeit verlassen, das von Antisemitismus und Judenverfolgung geprägt war, um eine neue Heimat zu finden. Ferner hatten sie in dieser Zeit Schreib- respektive Komponierverbot und ihre Werke wurden nicht mehr aufgeführt.

Erstaunlicherweise auch humorvolle Texte

Nur dem Umstand ist es zu verdanken, dass im Frankfurter Frauenarchiv noch Kopien der Werke vorhanden sind, sodass an diesem Abend einige besondere Stücke vorgetragen werden konnten. In den literarischen Werken spiegelte sich nicht nur Trauer der Verfasserinnen über diese Zeit wider, sondern man hörte erstaunlicherweise auch liebevolle, melancholische Verse sowie humorvolle und groteske Texte.

Begleitet wurde Kruckenberg-Link von Weiran Guo, die gekonnt die Kompositionen von Verdina Shlonsky, Landa Alexandra Landowska, Ruth Schonthal sowie Annemarie Hase spielte. Letztere zählte zu einer der etabliertesten deutschen Kabarettistinnen mit jüdischen Wurzeln.

Sie trat auf vielen bekannten Kabarettbühnen auf und sang unter anderem das Lied „Die Juden sind an allem schuld“, welches von dem bedeutenden Vertreter der politisch-satirischen Revue, Friedrich Hollaender, geschrieben wurde. Zum Programmabschluss hatte Kruckenberg-Link dieses Lied genial neu interpretiert und aktualisiert vorgetragen.

Wechselseitige Darbietung von Lyrik und Musik

Durch die wechselseitigen Darbietungen von Lyrik, Musik und Gesang war es den Zuhörern möglich, das Gehörte nachwirken zu lassen und waren im Fazit von den Darbietungen des Duos Kruckenberg-Link und Guo sehr begeistert.

Weitere Veranstaltungen und Vorträge finden Interessierte auf: www.synagogehe chingen.jimdofree.com