Mit heftigen Regenfällen und starken Böen ist das Gewitter am Donnerstagabend über den Zollernalbkreis gezogen. Die Einsatzkräfte hatten eine sehr kurze Nacht.
Zwischen 20 und 21 Uhr verdunkelte sich am Donnerstagabend der Himmel über dem Zollernalbkreis, dann ging es los. Ein heftiges Unwetter mit Gewitter, Sturm und Starkregen zog über die Region hinweg.
Bei einem tragischen Unglücksfall während des Unwetters hat ein Mann in der Nähe der Burg Hohenzollern sein Leben verloren. Nahezu alle Feuerwehren des Kreises, die Rettungskräfte des DRK, Straßenmeistereien und kommunale Bauhöfe waren laut Angaben des Landratsamts die Nacht durchweg im Einsatz.
„Ab 20.45 Uhr gingen die ersten Notrufe in der Leitstelle ein. Insgesamt wurden im Kreis knapp 240 über die Leitstelle gemeldete Einsätze abgearbeitet. Die meisten in Balingen, Hechingen, Burladingen und Bisingen“, sagt Joachim Rebholz, stellvertretender Kreisbrandmeister. Es dürften jedoch deutlich mehr sein, da viele Meldungen direkt bei den Feuerwehren vor Ort eingingen. Kurzzeitig war die Zahl der Anrufe so hoch, dass der Notruf 112 überlastet war.
EnBW rechnet mit 50 Störungen im Zollernalbkreis
Das Unwetter richtete im ganzen Kreisgebiet Schäden an. Nachdem zwei 20 kV-Leitungen von umstürzenden Bäumen getroffen worden waren, kam es stellenweise zu Stromausfällen. Einige Dächer wurden abgedeckt, in mehrere Gebäude schlugen Blitze ein. Der Starkregen ließ Keller volllaufen.
Bei der EnBW rechnet man damit, dass es allein im Zollernalbkreis am Abend des Unwetters etwa 50 einzelne Störungen gegeben hat.
Auch der Bahnverkehr war aufgrund des Unwetters am Donnerstagabend und teils noch bis Freitagmittag eingeschränkt. „An verschiedenen Stellen lagen herabgefallene Äste und weiteres Blattwerk im Gleisbett“, berichtete eine Bahnsprecherin unserer Redaktion. Betroffen war etwa die Bahnstrecke Tübingen–Albstadt, die nach dem heftigen Gewitter gesperrt werden musste. Am Morgen danach lief der Bahnverkehr hier laut Bahn jedoch wieder normal.
Wie die einzelnen Kommunen vom Unwetter betroffen waren, haben wir hier aufgeführt.
Albstadt
Den Raichberg in Onstmettingen hat der Sturm besonders schwer getroffen: Bäume sind abgebrochen und zersplittert, am Rand des Wegs zum Nägelehaus sieht es aus wie nach einer misslungenen Rodungsaktion.
Die erste Alarmierung erreichte Stadtbrandmeister Michael Adam um 21.21 Uhr. Von dieser Minute an ging es Schlag auf Schlag: In der Hechinger Straße in Tailfingen musste die Feuerwehr ein Gerüst sichern, das umzukippen drohte.
Am Zitterhof oberhalb von Pfeffingen lag ein Baum quer über die Straße, in der Philipp-Gottfried-Schaudt-Straße in Onstmettingen ein weiterer. Das Areal rund um Nägelehaus und Fuchsfarm wurde besonders schwer getroffen. Dort findet seit zwei Wochen ein Zeltlager der Albvereinsjugend statt.
Glück im Unglück: Die 55 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren waren nicht vor Ort, als der Sturm tobte.
Balingen
Es war kurz vor 21 Uhr, als die Unwetterfront über Balingen fegte. Das Gewitter wütete aus drei Himmelsrichtungen, der Regen wurde von den Starkböen waagrecht durch die Straßen gepeitscht. Eine gute Viertelstunde dauerte der Spuk.
In Heselwangen schlug der Blitz in eine 40 Jahre alte Kiefer ein. Der mächtige Baum krachte auf einen Feldweg. Markisen wurden abgerissen, Bäume umgeknickt wie Streichhölzer. Kurz nach 21 Uhr schlug ein Blitz in ein Haus in der Zillhauser Straße ein. Das Dach wurde beschädigt, gebrannt hat es nicht.
Nicht ganz ohne Schäden ist die Gartenschau davongekommen. Das Wichtigste: „Zum Glück wurde niemand verletzt“, sagt Annette Stiehle vom Gartenschauteam. Die Veranstaltung auf der Hauptbühne war lange vor dem Sturm zu Ende, das Gelände musste nicht evakuiert werden. Kaputt gegangen sind einige Sonnenschirme. Stühle wurden über das Gelände gewirbelt.
Knapp 100 Einsätze kamen in der Nacht für die 185 ausgerückten Einsatzkräfte der Balinger Feuerwehren laut Mitteilung der Stadt zusammen. Herabstürzende Äste und Bäume sorgten auch bei den Stadtwerken für eine unruhige Nacht. Über Stunden waren alle verfügbaren Kräfte im Einsatz, um das Stromnetz wieder zum Laufen zu bringen, das durch Baumschäden an Freileitungen in Teilen stark beeinträchtigt war. Einzelne Straßenzüge und Häuser waren auch am Freitagmorgen noch ohne Strom.
Hechingen
150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK und THW waren im Einsatz. Auch in und um Hechingen hat am Donnerstagabend der Sturm schwer gewütet. Besonders tragisch: Während des Unwetters kam laut Polizei ein Mann ums Leben.
Der 62-Jährige zeltete demnach alleine an einem frei stehenden Baum zwischen Hechingen und dem Stadtteil Stetten. Während des Gewitters wurde durch den Sturm ein Teil des Baumes entwurzelt und stürzte auf das Zelt. Eine Fußgängerin fand am Freitagmorgen den Leichnam und verständigte die Polizei.
Am Bulachweg musste ein Holzrückefahrzeug ran, um die Straße von umgestürzten Bäumen wieder freizukriegen. Es gab Löcher in Dächern, umgerissene Kamine, Hausgiebel stürzten ein. Dazu kam, dass an vielen Orten der Strom ausfiel. Weitgehend verschont blieben Haigerloch und Rangendingen vom schweren Unwetter.
Bisingen
Bisingen war einer der Hotspots im Zollernalbkreis: Die Gesamtwehr Bisingen wurde zu rund 75 Einsätzen wie vollgelaufene Keller, umgefallene Bäume und heruntergekrachte Äste gerufen. Auch am Freitag waren die rund 80 Einsatzkräfte noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Burg Hohenzollern bleibt am Freitag und Samstag, 25. und 26. August, aufgrund des Unwetters geschlossen. Das Baumbruchrisiko ist zu hoch.
Geislingen
„Uns hat es mit voller Wucht getroffen“, sagt Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid. Das Unwetter habe die ganze Stadt erwischt und teils schwere Schäden an Dächern, Bäumen und Gärten angerichtet.
Viele Dächer seien offen, und der starke Regen am Freitagvormittag drohte weitere Schäden anzurichten. Am schlimmsten getroffen hat es das betreute Wohnen in der Froschstraße: Das Metalldach wurde komplett abgerissen, in der Luft zerfetzt und in umliegende Häuser geschleudert. Vermutlich sei ein kleiner Tornado durch die Kernstadt gezogen, sagt der Bürgermeister: Die Schneise habe von Westen über das Wohngebiet Hung, Freibad, Rathaus, Altenheim und Fischerhütte geführt. Glücklicherweise wurde in Geislingen niemand verletzt: „Das hätte viel schlimmer kommen können“, sagt Schmid.
Rosenfeld
Auch in Rosenfeld war die Feuerwehr „schwer im Einsatz“, wie Bürgermeister Thomas Miller beschreibt. Überall in der Stadt habe es Stromausfälle gegeben. Besonders hat es Täbingen getroffen, wo bis Freitagmittag noch immer gut ein Drittel des Orts vom Netz war. Der Grund dafür waren Schäden an der oberirdischen Stromleitung im Lindenbühlweg: Mehrere Kabel wurden abgerissen, ein Mast beschädigt – beides nichts, was auf die Schnelle zu beheben wäre. Drei Dachträger knickten um. Bei einem Haus in der Brühlstraße wurde teilweise das Dach abgedeckt, Bäume vom Sturm regelrecht „abgedreht“. Wie in Geislingen war wohl auch in Täbingen eine Windhose dafür verantwortlich. Der Rosenfelder Feuerwehrkommandant Edgar Bukenberger sprach von zahlreichen Einsatzorten in vier Stadtteilen: „Wir hatten viel zu tun.“ Trotzdem sei man noch glimpflich davon gekommen.
Schömberg
Das Unwetter ist auch an Schömberg nicht spurlos vorbei gezogen. So war die Einsatzabteilung Schömberg, wie sie auf ihrer Facebook-Seite meldet, nach dem Unwetter bei insgesamt 17 Einsatzstellen gefordert. Die Feuerwehr Gosheim war mit der Drehleiter gekommen, um die Hilfsarbeiten an einem abgedeckten Dach in der Rottweiler Straße zu unterstützen. Zudem war der städtische Bauhof im Einsatz.
Schömbergs Abteilungskommandant Lucas Mager, der auch bei der Führungsgruppe Oberes Schlichemtal engagiert ist, betonte: „Es war die befürchtet kurze Nacht.“ Denn nur knapp drei Stunden nachdem die Aktiven vom letzten Einsatz gekommen war, ertönten um 4.46 Uhr erneut die Meldeempfänger. Ein großer Ast lag auf einem Auto und blockierte eine Ausfahrt. Laut Mager hat das Unwetter im Oberen Schlichemtal vor allem die Stadt Schömberg getroffen. Aber auch die Feuerwehren aus Schörzingen, Dotternhausen, Ratshausen und Hausen am Tann seien im Einsatz gewesen.
Burladingen
In Burladingen hat das Unwetter vor allem das Killertal und die Obere Alb mit den Gemeinden Salmendingen und Melchingen hart erwischt. Die Feuerwehren und der Bauhof waren die ganze Nacht und teils noch den ganzen Freitag im Einsatz. „Es sah schlimm aus“, berichtet Salmendingens Ortsvorsteher Erwin Straubinger. Keller und Garagen mussten ausgepumpt werden, und der Stromausfall erschwerte das Ganze zusätzlich. In Killer hat es zu den Schäden an Dächern und in Kellern einen mächtigen, über 250 Jahre alten Baum erwischt, von dem Anlieger gedacht hätten, dass er solchen Wetterunbill trotzen könnte. „Das war heftig“, sagt eine Anwohnerin.