Wer auf dem Bau arbeitet und wer als Heimwerker Wohnung oder Haus selbst renoviert läuft Gefahr, Lungenkrebs zu bekommen – durch lebensbedrohende Asbestfasern, warnt Nicole Golombek.
Es ist kaum zu glauben, was offenbar immer noch mitschwingt bei Menschen, die mit Arbeit auf dem Bau beschäftigt sind oder sich den Baumarkt-Slogan „Respekt, wer’s selber macht“ zu Herzen nehmen: Dass den starken Mann, die starke Frau ein bisschen Dreck und Staub schon nicht ins Grab bringen wird. Leider doch, sagt die Statistik.
80 Prozent der Menschen, die zum Beispiel Lungenkrebs aufgrund von Asbeststaub bekommen, sterben. Dass Asbest gefährlich ist, dürfte längst bekannt sein, seit Jahrzehnten darf es ja nicht mehr verbaut werden. Dass es auch, wenn man öffentliche Gebäude und Wohnhäuser umbaut, gefährlich bleibt, mit Asbest in Berührung zu kommen, erklärt sich von selbst. Dennoch erkranken immer noch Menschen daran, sterben. Gut also, dass die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Alarm schlägt und eindringlich auf die Gefahren hinweist. Auch darauf, dass man sich ganz einfach, durch Schutzmasken und -anzüge, Vorhänge auf Baustellen und in Wohnungen vor dem Einatmen der winzigen giftigen Fasern schützen kann.
Lebensgefährliche Asbestfasern
Übrigens gilt das auch für Privatleute. Selbst Menschen, die sich nicht für begabte Handwerker halten, dürften bei einer Renovierung schon mal gammlige Böden herausgerissen haben – Asbest findet sich aber auch in Klebstoffen für Teppichböden, Fliesen, Putz, Fenstern. Selbst winzige Mengen Asbeststaub einzuatmen ist gefährlich. In Frankreich existiert eine Nachweispflicht, die dokumentiert, ob ein Gebäude asbesthaltig ist. Daran sollte sich Deutschland ein Beispiel nehmen, auch wenn das zusätzliche Bürokratie im ohnehin regelreichen Bauwesen bedeutet. Dass offenbar auch mehr staatliche Kontrolleure auf dem Bau nötig sind, die prüfen, dass die Arbeitenden sachgemäß geschützt sind, stellt dem Baugewerbe nicht das beste Zeugnis aus. Für sie und alle Heimwerker muss gelten: Respekt, wer’s selber macht – und sich vor Asbest schützt.