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Überraschung und Unverständnis Reaktionen zu Verhalten von Rangendinger Bürgermeister-Kandidat

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Rangendingens Hauptamtleiterin Annika Wannenmacher hält einen Wahlzettel für die Bürgermeisterwahl am 13. Dezember in den Händen.   Foto: Beiter

Der Rückzug von Peter Baron aus dem Bürgermeister-Wahlkampf kam in Rangendingen für alle überraschend. Entsprechend fallen auch die Einschätzungen der Fraktionen im Gemeinderat aus, wie Sie in unserem (SB+)Artikel nachlesen können.

Rangendingen - "Das kann jetzt nicht sein", sei ihr erster Gedanke gewesen, als sie von der Nachricht über Barons Rückzieher aus dem Wahlkampf gelesen habe, sagt ein Mitglied der Freien Wähler, das namentlich nicht genannt werden möchte. Auch die Fraktion der "Rangendinger Bürger" ist überrascht. Ein "ordentlicher Wahlkampf" wäre ihm lieber gewesen, sagt einer ihrer Vertreter. Jetzt bleibe halt nur noch, dass der Kandidat auf dem Stimmzettel stehe.

Für ein politisches Amt müsse man auch eine gewisse "Standfestigkeit" und Robustheit mitbringen – vor allem als Bürgermeister, heißt es aus den Fraktionen. Da sei es nicht hilfreich, die Reaktionen aus der Bevölkerung persönlich zu nehmen. Entsprechend wird der Rückzug von Peter Baron als "überzogen" angesehen.

"Da gibt’s nicht immer nur Zuckerwatte"

Besonders "schockiert" sind die Räte, dass der Kandidat wegen der Vorkommnisse bei seinen Wahlkampfauftritten Sorge für seine Familie als Grund für seinen Rückzug genannt habe. In beiden Fraktionen fragt man sich, ob es wirklich entsprechende Drohungen gegeben habe. "Ich weiß nicht wie weit die Anfeindungen gegangen sind", sagt ein Mitglied. "Doch als Politiker muss man auch etwas aushalten können. Da gibt’s nicht immer nur Zuckerwatte."

Von den Freien Wählern heißt es: "Wir sind eine offene Gemeinde." Dass bei einer Wahl ein Kandidat einen "Heimvorteil" haben könne, bestreite niemand. Doch in Rangendingen hätte beinahe die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger keine Wurzeln über Generationen hinweg im Ort. "Ich bin sicher, dass man einem fachlich und persönlich qualifizierten Bewerber eine faire Chance gegeben hätte", äußert sich ein Gemeinderatsmitglied.

Dass sich Baron nun aus dem Wahlkampf zurückgezogen habe, schade ihm als Bewerber sicher beträchtlich, so die Meinung. Wer die wenigen Möglichkeiten in einem Corona-Wahlkampf nicht mehr nutze, um sich persönlich vorzustellen, bleibe ein "Fremder". Die Reaktion so hieß es, sei deshalb "völlig unverständlich."

Gute Zusammenarbeit im Ort

Beide Fraktionen bemängeln, dass sich der Kandidat Peter Baron auch schon im Vorfeld des Wahlkampfes nur wenig Mühe gegeben habe, auf die Rangendinger zuzugehen. So habe er zum Beispiel zu keinem Zeitpunkt versucht, mit den Fraktionen in Kontakt oder ins Gespräch zu kommen. "Sich über den Ort und bei den Bürgern und seinen Vertretern zu informieren, das gehört doch eigentlich zur Grundausstattung für jeden Bewerber."

Besonders "bitter aufgestoßen" sei manchem im Ort, dass Baron in seinem Wahlflyer explizit darauf hinweise, dass es unter ihm - "weil ich hier keine Verwandten habe" – keine "Vetternwirtschaft" geben kann und werde. Die Verbitterung und den Ärger über diesen Satz, habe er aus vielen Gesprächen mit Bürgern herausgehört, erzählt ein Gemeinderatsmitglied. Netzwerke zu knüpfen sieht der Kommunalpolitiker eher als eine der zentralsten Aufgaben eines Bürgermeisters an.

Dass es in Rangendingen einen guten Zusammenhalt zwischen der Gemeinde, den Vereinen und auch den Betrieben gebe, werde von auswärts immer wieder als "Pluspunkt für Rangendingen" genannt. Dies in Verbindung mit Mauscheleien zu bringen, entbehre einfach jeder Grundlage.

Wahl am 13. Dezember

Bürgermeisterkandidat Manfred Haug indes konzentriert sich "auf seinen eigenen Wahlkampf", wie er auf Anfrage mitteilt. Bereits am Mittwoch hatte er sein Bedauern zum Rückzug von Peter Baron aus dem aktiven Wahlkampf zum Ausdruck gebracht. Haug möchte am Freitag und Samstag, 4. und 5. Dezember, in allen drei Ortsteilen Rangendingens jeweils in der Ortsmitte Präsenz zeigen und dabei die Inhalte seines Wahlprogramms "Gemeinde miteinander gestalten" erläutern.

Im Rathaus sind die Weichen für die Wahl am 13. Dezember gestellt. Gestern sind die Wahlzettel für die Bürgermeisterwahl eingetroffen, wie Hauptamtsleiterin Annika Wannenmacher sagt. Was bedeutet: Ein kompletter Rückzug von Peter Baron ist also nicht mehr möglich. Beide Bewerber sind entsprechend der Reihenfolge des Bewerbungseingangs auf dem Wahlzettel aufgelistet. Ein Rückzug sei bereits seit der Zulassung beider Kandidaten durch den Gemeindewahlausschuss vor zehn Tagen nicht mehr möglich gewesen, heißt es aus dem Rathaus weiter.

Damit bleibt es also auf jeden Fall dabei: Die Rangendinger können für die Wahl ihres neuen Bürgermeisters unter zwei Bewerbern auswählen.

Kommentar: Nicht verdient

Die Halbwertszeit des Bürgermeister-Kandidaten betrug genau eine Woche. Dann warf Peter Baron aus Höfendorf das Handtuch - zumindest im Wahlkampf. Scheinbar, weil er die Wucht der "Ur-Rangendinger" als Wähler  nicht auszuhalten vermochte. Sind die Rangendinger denn wirklich so schlimm? Das muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Aber vielleicht ist es halt doch etwas anderes, ein Wahlheer von mündigen Bürgern hinter sich zu bringen, als für die Beschäftigten in einer Firma verantwortlich zu sein. Nein. Es geht nicht darum, einen Peter Baron wegen seines Wahlkampf-Rückziehers zu diskreditieren. Vielmehr geht es darum, jetzt Schaden von einer funktionierenden Gemeinde abzuhalten, die wegen eines geplatzten Bürgermeister-Traums niemals den Ruf eines Bürgermeister-Kandidaten-Verweigerers bekommen darf. Das hat Rangendingen gewiss nicht verdien. Eher einen guten Bürgermeister für die nächsten acht Jahre. 

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