Bei Empfingen wurden die Traktoren von der Autobahn geleitet. Foto: Baiker

Rund 200 Traktoren sind am Dienstagmorgen auf die A 81 gefahren und haben die Autobahn dadurch mehr als zwei Stunden lang verstopft. Das sorgt bei Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner für Unverständnis. Dabei ist Truffner eigentlich ein Befürworter der Bauernproteste. Doch die jüngste Aktion geht auch ihm zu weit.

Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner hatte klargemacht, wo seine Sympathien liegen. Er unterstütze die Proteste der Landwirte und habe dafür „vollstes Verständnis“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Anfang Januar war das, vor den großen Traktorprotesten rund um die Autobahnzufahrten in Horb und Empfingen.

 

Die Gemeinde Empfingen hatte eine Traktor-Demo rund um die nahe Autobahnzufahrt genehmigt. Doch schon damals hatte Truffner gemahnt: „Die Traktoren dürfen nicht auf die Autobahn fahren, sonst ist das eine Straftat.“

Doch genau das ist nun am Dienstagmorgen passiert. Rund 200 Traktoren sind bei Rottweil unerlaubt auf die A 81 gefahren und sorgten auf der Autobahn für stundenlange Verzögerungen. Auf Anfrage unserer Redaktion verurteilte Truffner nun diese Aktion. Zwar sei es in Ordnung, Autobahnzufahrten zu blockieren. Mit dem Traktor auf die Autobahn zu fahren, sei aber eine Straftat. Damit bleibt Truffner bei seiner klaren Linie vom Jahresbeginn.

Plötzlich bricht in Empfingen das Chaos aus

Für Unverständnis sorgt bei Truffner auch, dass die beteiligten Landwirte durch die Fahrt auf der Autobahn gegen die Auflagen des Landratsamts Rottweil verstoßen haben. Dort war die Protestfahrt nach Bad Cannstatt angemeldet worden. „Wenn etwas besprochen wurde, dann soll man sich auch daran halten“, meint Truffner.

Dadurch dass Empfingen direkt an der Autobahn gelegen ist, war plötzlich Truffners Gemeinde direkt von der illegalen Aktion betroffen. Denn wie die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt, gelang es den Beamten gegen 10 Uhr alle Traktoren bei Empfingen von der Autobahn abzuleiten.

Schweres Gerät musste die Polizei dabei laut eigenen Angaben nicht einsetzen. Die Beamten stellten sich demnach mit einem Streifenwagen den Traktoren in den Weg und winkten sie von der Autobahn runter. Dabei legten die Polizisten zwar auch Nagelbänder aus, allerdings nur auf den Grünstreifen. Laut einem Polizeisprecher sollten dadurch Schäden an der Begrünung verhindert werden.

„Die sind dann in Empfingen im Industriegebiet gestrandet“, berichtet eine Sprecherin der Stadt Horb. Dort sorgten die 200 Traktoren offenbar für einige Verkehrsbehinderungen. „Die haben das ganze Industriegebiet zugemacht und den ganzen Verkehr dort blockiert“, berichtet Truffner. Doch kritisieren will Truffner das nicht: „Das gehört zu den Protesten dazu.“

Doch natürlich konnten die Bauern nicht im Empfinger Industriegebiet bleiben. Sie meldeten daher bei der Stadt Horb eine Spontan-Versammlung an, wie die Sprecherin der Stadt bestätigt. Faktisch wurde ihnen dadurch ermöglicht, auf die ursprünglich angemeldete Route zurückzukehren und ganz legal bis nach Bad Canstatt zu fahren. Gegen 12.30 Uhr hatten bereits die letzten Traktoren die Gemarkung Horb verlassen, wie die Stadt berichtet. Die Fahrt nach Bad Canstatt verlief dann offenbar ruhig. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt die Polizei, dass es in der Region keine weiteren Zwischenfälle gab.