Bundesweit protestieren Landwirte mit Korsos gegen die Pläne, Agrarsubventionen zu streichen oder zu senken. Auch in Horb und der Umgebung haben die heimischen Bauern und ihre Unterstützer den Verkehr gründlich ausgebremst. Wie der Protest lief, wer dabei war und warum zwei Traktoren nicht auf der B28 im Stau stecken blieben.
Der Weg zur Autobahn ist am Montag für Autofahrer eine Geduldsprobe. Von der Horber Innenstadt aus bis hoch zur Auffahrt ziehen Traktoren auch in Horb am Protesttag ihre Kreise. Begleitet von einem Hupkonzert und einem Meer aus blinkenden Warnleuchten ziehen sie lange Schlangen hinter sich her. Auch in die Horber Innenstadt hinein drosseln die Traktoren das Tempo. Früh morgens müssen sich Teilnehmer im Berufs- und Schulbusverkehr in Geduld üben.
40, 50 Kilometer pro Stunde steht als Maximalgeschwindigkeit auf den Traktoren. Schneller als 15 Kilometer pro Stunde fahren Autofahrer auf der Strecke eher nicht. Einige der Landwirte haben Protestschilder an ihren Fahrzeugen angebracht. „Ampel ruiniert Landwirtschaft – Nicht mit uns!“, „Landwirtschaft ist die Kunst, andere gut zu ernähren, ohne selbst zu verhungern“ oder „Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber sie wissen alles besser“, oder einfach „Die Ampel muss weg“ oder „Jetzt ist’s genug“ steht auf den Schildern.
Auch in Umgebung wird fleißig protestiert. Nicht nur in Horb protestieren die Bauern, auch die Umgebung wird im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst.
In Empfingen geht es an der Autobahnauffahrt ebenfalls schleppend voran. Geschätzte 100 Traktoren, Speditionsunternehmen und Handwerksbetriebe – unter ihnen auch Fahrzeuge des Empfinger Unternehmens Schotterwerk Gfrörer – pendeln zwischen dem Innovationscampus und dem Empfinger Hof.
In Rottenburg geht’s nicht voran In Horb und Empfingen werden Autofahrer nicht komplett ausgebremst – es geht „nur“ zäh voran. Bei Rottenburg kommt der Verkehr zeitweise komplett zum Stehen.
Um halb zehn am Morgen ist die B 28, Zubringer für den Autobahnanschluss Rottenburg, bereits dicht. Der Stau zieht sich fast bis zur Abfahrt Richtung Seebronner Straße. Dem einen oder anderen geht entweder Zeit oder Geduld aus. Mehrere Autos wenden und verlassen den Stau. Auch Traktoren geraten in die Schlange. Die machen kehrt und biegen auf den Feldweg nebenan ein, wo sie an den wartenden Auto- und Lastwagenfahrern vorbeiziehen. Genauso macht es auch ein Krankenwagen. Während alles still steht, steigt eine Frau aus ihrem Auto aus und kratzt das restliche Eis von der Windschutzscheibe.
Was die Bauern und ihre Unterstützer stört
Am Parkplatz bei der Autobahnauffahrt in Horb wenden die Bauern oder machen bei Minusgraden eine Pause. Der Unmut ist spürbar. „Das ist nicht mehr tragbar“, erklärt Christian Teufel, der in Eutingen Landwirtschaft betreibt. Auf dem internationalen Markt seien die Bauern immer weniger konkurrenzfähig, eine individuelle Preisgestaltung sei nicht möglich. Es gebe zu viele Vorschriften, die machten außerdem die Ausbildung von Nachwuchs schwierig und die Kosten für die Landwirtschaft machen das Geschäft unrentabel. „Da wird es irgendwann eng, dass man überhaupt existieren kann.“ Für Teufel ist die Landwirtschaft ein Nebenerwerb, hauptsächlich verdient er sein Geld als Caterer.
Auch Handwerker unterstützen die Demonstrationen Und es sind nicht nur Landwirte beim Protest dabei: Auch der Horber Heizungsbauer Jochen Thomaier hat sich angeschlossen. „Das geht nicht mehr, was unsere Regierung macht“, erklärt er und nennt Steuererhöhungen und Ausgaben der Regierung als Gründe. Die Landwirte protestieren jetzt – und das unterstützt er.
„Die Bundesregierung belastet uns über Gebühr“, meint Gerhard Fassnacht, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordschwarzwald-Gäu-Enz und Landwirt aus Horb, im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Zuschuss zu den Sozialabgaben sei halbiert worden, Auflagen machen das Geschäft schwierig, auch für EU-Förderungen gebe immer mehr Voraussetzungen, nennt Fassnacht, der für die CDU auch Mitglied im Horber Gemeinderat ist, beispielhaft.
Für ihn ist die Ermäßigung beim Agrardiesel keine „Subvention“. Es handle sich um eine Steuerrückerstattung. Die sei auch notwendig, um die Bauern wettbewerbsfähig zu halten. Die Mehrkosten hängen natürlich von der Betriebsgröße ab. Fassnacht meint, dass der Wegfall der Dieselsubvention und das Anfallen der KFZ-Steuer für ihn einen Schaden von 30 000 Euro im Jahr ausmache.
Ein Vielfaches an erwartenten Teilnehmern
Fassnacht freut sich über den regen Zulauf beim Protest: 185 Teilnehmer wurden am Vormittag gezählt, berichtet, angekündigt waren 50 bis 60 Traktoren. Mit dabei sind auch Handwerker und Spediteure mit ihren Fahrzeugen. Später stoßen auch die Landwirte aus Freudenstadt hinzu: Nach ersten Schätzungen der Polizei sind hier 200 Teilnehmer mit dabei. Am Nachmittag meldet das Präsidium: Schätzungen zufolge seien in Freudenstadt, Horb und Empfingen etwa 400 Teilnehmer gegen die Agrarpläne auf die Straße gegangen.