Designerin Oksana Schlee-Keil mit einem der von ihr entworfenen Kleider. Foto: Cornelia Hellweg

Mit Kreativität und Fleiß macht sich Oksana Schlee-Keil aus Villingen-Schwenningen national und international einen Namen als Designerin.

Die Kleider fallen ins Auge, sind voluminös, farbenfroh, oft besetzt mit Perlen und glitzernden Steinen, Federn oder künstlichen Blumen - auf jeden Fall etwas für den großen Auftritt.

 

Oksana Klee-Keil erschafft diese Modelle und macht sich zunehmend auch auf nationalem und internationalem Parkett einen Namen als Designerin.

Kleider für Barbies

„Schon als kleines Mädchen habe ich versucht, meinen Barbies Kleider zu machen“, erinnert sie sich. Als Achtjährige startete sie die ersten Nähversuche, um die Puppen einzukleiden. „Ich war schon immer kreativ, habe gerne getanzt und Tänze erfunden sowie Bilder gemalt.“ Mit 13 Jahren siedelte sie mit der Familie von Russland nach Deutschland über zu den Großeltern, die in Villingen-Schwenningen leben.

Foto: Nadja Schitow

Sie ist am Schulzentrum Deutenberg in Schwenningen zur Schule gegangen und später dann in Brigachtal. Dort stellte sie ihre erste eigene Kollektion vor, für die sie Gelbe Säcke als Material verwendete. Damals gab’s für Idee und Umsetzung schon viel Lob á la „Wie hast du das denn gemacht?“.

Die private Leidenschaft zum Beruf zu machen, traute sie sich nach dem Schulabschluss noch nicht zu. Sie entschloss sich zu einer Ausbildung als Kosmetikerin und war später im Einzelhandel tätig. Mit Mitte 20 fing sie an, nebenberuflich als Model zu arbeiten. Sie ließ sich in eine entsprechende Kartei aufnehmen. „Fotografen suchen Models quasi zum ‚Üben’ oder andersherum. Dafür habe ich darauf bestanden, von mir gemachte Kleider zu tragen.“

Mit der Klebepistole

Die ersten Kreationen entstanden mittel Heißklebepistole, weil sie sich nicht ans Schneidern mit einer Nähmaschine herantraute. Als die Kleider dann zunehmend professioneller entstanden, wagte sie sich an die Nähmaschine der Mutter und hat inzwischen selber eine. Beigebracht hat sie sich alles selber. Zuletzt sogar, wie man eine Korsage in ein Kleid einarbeitet, damit es besser sitzt. „Zuerst musste mein Mann meine Entwürfe zusammenschneidern“, sagt die Mutter von inzwischen drei Kindern. Dann wurde es ihm zuviel, nach der Arbeit Kleider an der Nähmaschine zu fertigen. Oksana Schlee-Keil musste raus aus der Komfortzone. Andere wurden zunehmend auf ihre ausgefallenen Kreationen aufmerksam. Sie nahm die Herausforderung an, kündigte ihre Anstellung und machte sich selbstständig. Keine leichte Entscheidung, aber eine, die sie nicht bereut. Und: Ihr Mann steht voll hinter ihrer Entscheidung und ist eine wichtige Stütze.

80 Stunden für ein Kleid

Bis zu 80 Stunden braucht sie für die Fertigstellung eines Kleides. Weil ihr wichtig ist, dass sich auch Frauen mit kleinerem Budget mal besonders präsentieren können, muss man die Kleider nicht kaufen sondern kann sie sich auch leihen. Es gibt auch was für größere Größen oder für Schwangere. Sogar Hochzeitskleider hat sie entworfen aufgrund von Anfragen. „Ich liebe bunte Kleider, ich lasse mich von der Natur inspirieren.“ Vor rund einem Jahr erhielt sie das erste Mal eine Einladung zu einer Modenschau in Paris. „Da durfte ich rund ein Dutzend verschiedene Kleider präsentieren, und die Präsentation war gleich am Anfang.“ Mit ihrem Mann und einer Assistentin ist sie mit dem Kleider in einem Sprinter nach Paris gefahren.

Der Stress hat sich gelohnt. Danach folgten Einladungen zur Präsentationen ihrer Kleider in Krakau und in Nürnberg. Höhepunkt war bisher, dass die Kandidatinnen für die Wahl der Miss Europa Continental in Neapel auch von ihr entworfene Kleider trugen. „Die Gewinnerin aus der Ukraine hatte mein Kleid an bei der Siegerehrung sowie die Frauen auf den weiteren vier Plätzen.“

Beim Filmfestival in Cannes

Bekannte Persönlichkeiten trugen ihre Kleider beim Filmfestival in Cannes im vergangenen Jahr. Für ein Foto-Shooting habe die Schauspielerin und Influencerin Yvonne Pferrer ein Kleid von Schlee-Keil getragen. Für 2025 hat sie bereits eine Einladung zu einer Modenschau in Rom.

Davon allein könnte sie sich allerdings nicht ausreichend finanzieren. Als weiteres Standbein organisiert sie Foto-Shooting-Reisen. Teilnehmen und buchen kann jede Frau, die sich in einem professionellem Umfeld als Model fotografieren lassen möchte. Zuletzt beispielsweise nach Amsterdam. Da ist ein Fototermin in einem Tulpenfeld quasi Pflicht. Aktuell plant sie eine siebentägige Reise nach Island. Mit dabei ein Profi-Fotograf, ein Videograf, und als Kosmetikerin ist sie für das passende Make-up zuständig. „Bei einer dieser Reisen war eine Frau dabei, die sich das zum 55. Geburtstag gewünscht und jetzt besondere Erinnerungsfotos hat.“ Auf solchen Reisen seien 70 Prozent Teilnehmerinnen ohne Modelerfahrung dabei.

Zur Marke werden

Außerdem steht in diesem Jahr Mallorca auf dem Programm, diesmal organisiert von einem Fotografen, „der unter anderem mit Daniela Katzenberger gearbeitet hat“. Das Besondere bei diesem Mal: Es wird auch unter Wasser fotografiert. „Wenn wir als Familie im Urlaub sind, ist der professionelle Blick immer dabei: Wo sind schöne Orte für entsprechende Aufnahmen?“, erzählt sie. Offen zu sein für vieles hat sich aus ihrer Sicht bisher ausgezahlt. Dinge umzusetzen, die man nicht geplant hat. Ihr großer Wunsch ist, dass „Oksana Schlee-Keil“ zur Marke wird. Am wichtigsten ist für sie: Kreativität und Spaß an der Umsetzung ausleben zu können.