Krystyna Laskowski mit Pferd Nesko und Hündin Lilli. Foto: Hezel

Ob Mensch oder Tier – bei Pferdeflüsterin Krystyna Laskowski bekommt jeder Hilfe. Doch ist auch für die 73-Jährige Unterstützung essenziell wichtig.

Schon mehrfach hat unsere Redaktion über die beeindruckende Geschichte und die wichtige Arbeit von Krystyna Laskowski berichtet. Auch der SWR hat der Pferdezüchterin und -therapeutin schon einmal eine Dokumentation gewidmet, deren Leben von zahlreichen Schicksalsschlägen begleitet gewesen ist. Etwa, als vor einigen Jahren ihr Pachtvertrag für ihre Araber-Reitschule im Staffelbachtal in Fluorn-Winzeln gekündigt wurde. Auf dem Eschenhof in Dornhan fand die heute 73-Jährige eine neue Heimat. Dort ereilte sie vor zwei Jahren erneut ein Rückschlag.

 

Erneute Rückschläge

Durch einen Unfall habe sie einen Oberschenkelhalsbruch erlitten, berichtet die Pferdeflüsterin im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus diesem Grund habe sie mehrfach Operationen über sich ergehen lassen müssen und sei zeitweise auf einen Rollstuhl, später auf einen Rollator angewiesen gewesen. Nach wie vor sei sie aus diesem Grund „gesundheitlich nicht ganz fit“ und benötige eine Krücke. Auch die Spenden für den Verein „Pferdeglück-Reittherapie“, durch den sie Unterstützung erhält, seien seit der Corona-Pandemie gering. Spenden würden dringend benötigt.

Allerdings lässt sich die Pferdenärrin nicht unterkriegen. Das Therapiereiten leite sie noch an, auch wenn sie selbst aktiv nichts mehr machen könne. Entsprechend erhalte sie Unterstützung von Helfern und FSJ-lern. Doch da diese über keine Lizenz verfügten, sei aus versicherungsrechtlichen Gründen ihr Anweisen erforderlich. Vom Boden aus könne sie viel machen, da die Tiere auf Stimme gingen.

Dabei scheint ihr positiver Einfluss auf die Tiere nicht unerheblich zu sein. Von Helfern bekomme sie regelmäßig gesagt: „Wenn du in der Halle bist, laufen die ganz anders.“ Auch wenn sie bloß da sei. Ihre acht Jahre alte Hündin Lilli, die ihr im Hof auch als Schutz diene, laufe ebenfalls als Therapiehund. Ihre Hündin habe sie aus „ganz schlechter Haltung“ rausgeholt. „Alle haben gesagt: ‚Die kriegst du nie hin‘, aber ich sagte: ‚Lasst mich machen, ich brauch ein bisschen Zeit‘ und habs gepackt.“

Freund und Kamerad statt Sportgegenstand

Warum sie so einen guten Einfluss auf Tiere hat? Die Antwort scheint simpel: „Weil ich sie heg’ und pfleg’ und immer um sie rum bin“. Zum anderen habe sie die Tiere selber großgezogen und selber ausgebildet und sei auch mit ihnen auf Turniere gegangen. Dabei habe sie die Pferde nie als Sport- oder Prestigegegenstand betrachtet, sondern stets als Kamerad und Freund, was sie ihren Reitern und Helfern auch vermittle: „Dass es ein Tier ist, das genauso Leben hat wie wir und auch Empfinden hat und dass man es auch so behandeln muss.“

25 bis 30 Therapiereiter quer durch sämtliche Altersklassen kämen zu ihrem Hof. Immer wieder erlebe sie, wie hilfreich das Angebot für die Reiter ist und wie sich die Menschen durch die Tiere zum Positiven entwickeln. Pferde seien besonders sensible Tiere. Komme man ihnen ruppig, könne es sein, dass die Pferde etwas beißen. Gerade für Kinder oder Jugendliche sei das ein anderes Zeichen, als wenn ein Mensch sagt „Sei nicht so grob!“. Dabei sei jedes Pferd individuell, wie auch jeder Mensch. So entwickle es sich bei jedem anders. „Da lernt man nie aus“, staunt die Pferdeflüsterin, obwohl sie das Therapiereiten seit 50 Jahren betreue.

Hilfe ist zwingend erforderlich

Einen festen Stamm von elf Helfern könne sie verzeichnen. Hinzu kämen gelegentliche Aushilfen. Dies sei im Moment ausreichend – aber zwingend notwendig. Ohne Helfer könne sie das Therapiereiten nicht aufrechterhalten, betont Laskowski nachdrücklich. Die Helfer unterstützen nicht nur das Therapiereiten, sondern misten unter anderem auch den Stall aus und bewegen die Pferde.

Die 73-Jährige kann nicht sagen, wie lange sie die Arbeit noch leisten kann. Dabei komme es nicht nur auf ihren Gesundheitszustand, sondern auch auf den ihrer Pferde an. Schließlich habe sie nur noch alte Pferde im Bestand. Entweder gehe sie in Rente, wenn die Pferde nicht mehr können oder die Pferde, wenn sie aufhören müsse. Aber Laskowski sichert zu: „Solange ich es noch machen kann, gebe ich mein Wissen weiter.“

Einen besonderen Dank richtet Laskowski an die Verpächterfamilie Ruthardt, dafür, dass sie so schnell aufgenommen wurde, was für den landwirtschaftlichen Betrieb eine Umstellung gewesen sei. „Wir arbeiten miteinander, das ist ein Vorteil“, lobt Laskowski.