Auch in Baiersbronn wird mit dem Logo der Gartenschau geworben. Foto: Haier

Das Rätselraten um die "Tag X"-Plakataktion hat dem offiziellen Logo der Gartenschau viel Aufmerksamkeit beschert. Doch die Begeisterung der Bürger hält sich in Grenzen.

Freudenstadt/Baiersbronn - Als am vergangenen Donnerstag in der Mehrzweckhalle in Friedrichstal das offizielle Logo der Gartenschau enthüllt wurde, war die Begeisterung unter den versammelten Vertretern von Verwaltung und Gemeinderäten groß. "Ich finde es einfach geil", freute sich Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald.

 

Und auch bei den Bürgern war das Interesse ungewöhnlich groß. Denn über Wochen hatten rätselhafte Plakate einen "Tag X" für den 19. Januar angekündigt, ohne Hinweis darauf, was an dem Tag passieren würde. Der Plan der Verantwortlichen, für maximales Aufsehen zu sorgen, ist also aufgegangen.

Im Internet kocht die Wut hoch

Doch die Zustimmung bei den Bürgern scheint sich in Grenzen zu halten – zumindest wenn man nach den Beiträgen in den sozialen Medien geht. Denn während sich noch bei Kaffee und Häppchen die Würdenträger von Stadt und Gemeinde gegenseitig auf die Schulter klopften, kochte im Internet schon die Wut hoch.

"Sowas Dämliches", schimpfte Gianna W. auf Facebook. "Ehrlich, dafür wird Geld ausgegeben, woanders würde es eher gebraucht werden." Auch Stephan D. kritisierte die Kosten der Aktion und stelle einen Vergleich zu einer anderen PR-Kampagne her, die ebenfalls vor allem für Spott sorgte: "Sinnloser Schwachsinn wieder mal. Kann sich der Aktion ›The Länd‹ anschließen. Beides sinnlos und Steuergeldverschwendung." Und auch Tommy L. meinte: "Genau so geistig wie ›The Länd‹."

Manche fühlen sich an die Reichsbürger erinnert

Auch der Überraschungs-Effekt durch die "Tag X"-Ankündigung sorgte für Kritik. "Auf jeden Fall haben sich die Stadtväter mal wieder keinen Gefallen getan mit ihrer Geheimniskrämerei", postete ein Nutzer auf Facebook. "›Tag X‹ ist ja meist mit negativen Dingen verbunden", gab Thomas K. zu bedenken. "Also wer sich sowas ausdenkt, sollte über sich selber nachdenken."

Ebenfalls auf Instagram fühlte sich mancher an negative Themen erinnert. Unter dem Beitrag von Julian Osswald kommentierte ein Nutzer: "Der ›Tag X‹ bezeichnet für systemfeindliche Rechtsextremisten den von ihnen herbeigesehnten Zeitpunkt des Zusammenbruchs der verfassungsmäßigen demokratischen Ordnung." Andere Nutzer nahmen es mit Humor und posteten Bilder von "Akte X" und "X-Men". Und Beate S. spottete "Satz mit X – war wohl nix."

Viele behalten ihre Meinung für sich

Doch das Internet ist die eine Sache, die Meinung der Bürger auf der Straße manchmal eine andere. Also was sagen die Bürger, die in der Freudenstädter Innenstadt unterwegs sind?

Vor allem nichts, wie sich herausstellt. Fast niemand will etwas zu dem Gartenschau-Logo sagen, als sich unsere Redaktion auf dem Freudenstädter Marktplatz umhört. Nur ein Mann äußert sich. Wie ihm das Logo gefällt? "Gut", sagt der Mann. "Da gehe ich auch hin. Ist ja schön, dass die Gartenschau hier in Freudenstadt ist."

Gartenschau-Team erreichten auch positive Reaktionen

Beim Gartenschau-Team sieht man auf Anfrage unserer Redaktion die ganze Debatte gelassen. "Natürlich gibt es bei solchen Dingen ein gemischtes Feedback", meint Heiko Klumpp, der bei der Gartenschau für das Marketing zuständig ist. "Ich glaube aber, dass wir einen guten Entwurf gemacht haben."

Dass die Stimmung im Internet überwiegend negativ ist, lässt Klumpp nicht gelten. So seien solche Diskussionen in sozialen Medien häufig recht einseitig. "Ich habe auch schon gutes Feedback von den Bürgern bekommen – per E-Mail oder im Gespräch."

Logo von Agentur entwickelt

Dass die "Tag X"-Kampagne mit den Razzien gegen die Reichsbürger zusammengefallen ist und dadurch unerwünschte Assoziationen weckte, sieht auch Klumpp als ungünstigen Zufall. "Sowas ist immer unschön", stellt Klumpp klar. "Aber wenn eine Kampagne erstmal läuft, kann man sie nicht mehr abändern."

Den Vorwurf der Geldverschwendung weist Klumpp zurück. Das Gartenschau-Team habe sogar selbst mit angepackt beim Anbringen der Banner und größeren Plakate. Nur für die Plakate an den Laternen sei eine Firma beauftragt worden. Und auch das Logo sei selbstverständlich bei einer professionellen Agentur in Auftrag gegeben worden. "Das haben wir natürlich nicht selbst gemalt."

Wie viel genau das Ganze gekostet hat, war allerdings bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen.