Drei verletzte Jugendliche – einer davon schwerer: Das ist die Bilanz eines Streits am Freitagmittag in Lahr. Die Polizei war mit großem Aufgebot im Einsatz. Gefahr für die Bevölkerung bestand wohl nicht.
Freitagmittag, kurz vor 12 Uhr: In der Schwarzwaldstraße fahren zwei Krankenwagen und der Notarzt mit Blaulicht und hoher Geschwindigkeit in Richtung Klinikum, dahinter ein Zivilauto der Kriminalpolizei. Die Fahrzeuge kommen aus dem Kanadaring, wo es gegen 11 Uhr zu einer Messerstecherei mit insgesamt drei Verletzten gekommen ist.
Vor Ort sind etwa 20 Polizeibeamte im Einsatz, darunter auch Kräfte einer mobilen Einheit. Der Platz vor dem Hauseingang ist abgesperrt, hinter dem rot-weißen Flatterband und auf Balkonen der umliegenden Wohnungen beobachten Nachbarn das Geschehen. Doch viel zu sehen gibt es um 12 Uhr nicht mehr, die Lage scheint entspannt, vereinzelt kommen Polizisten aus dem Haus und gehen wieder hinein.
Für etwas Aufregung sorgt kurzzeitig die Ankunft von zwei Angehörigen der Verletzten, die zu diesem Zeitpunkt bereits längst in ärztlicher Behandlung sind. Die Schwester eines der Beteiligten ist sichtlich aufgelöst und weint, später sitzt sie hinter der Absperrung im Gras und wirkt gefasster.
Die Polizisten befragen vor Ort Zeugen
Derweil befragen Beamte die ersten Zeugen, um sich ein Bild vom Geschehen zu machen. Später teilt die Polizei mit, dass es sich bei den Beteiligten um drei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren handele, die untereinander bekannt seien. Es habe Streit gegeben – und Messerstiche. Alle drei trugen Schnittverletzungen davon, bei zweien blieb es bei oberflächlichen Blessuren, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Wie schwer die Verletzungen des Dritten sind, war zunächst noch unklar. „Es besteht aber keine Lebensgefahr“, hieß es am Freitagnachmittag.
Nachbarn haben Schreie gehört
Ereignet haben soll sich der Vorfall laut Zeugenaussagen direkt vor der Eingangstür des Mehrfamilienhauses. Es sollen Schreie zu hören gewesen sein, berichteten Nachbarn. Nach der Auseinandersetzung sollen zwei der drei Jugendlichen auf einem Baumarkt-Einkaufswagen neben der Haustür gesessen haben. Einer habe stark aus dem Bein geblutet, der andere sei am Kopf blutverschmiert gewesen, sagte eine Zeugin unserer Redaktion. Kurz später sei dann die Polizei vor Ort gewesen und habe den Platz abgesperrt.
Diebstahl könnte Auslöser gewesen sein
Warum genau es zum Streit zwischen den Jugendlichen gekommen ist, konnte die Polizei nicht mit Gewissheit sagen. Möglicherweise sei ein vorausgegangener Diebstahl Auslöser gewesen. Schon früher seien die drei polizeilich in Erscheinung getreten, so die Polizei. Gegen die drei Jugendlichen wurden Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Es soll auch geklärt werden, ob es weitere Beteiligte gab. „Möglicherweise waren noch mehr Jugendliche am Tatort, die Reißaus genommen haben, als der Streit eskalierte“, so der Polizeisprecher. Das Gerücht, das vor Ort die Runde machte, ein Verdächtiger sei auf der Flucht, bewahrheitete sich nicht: „Wir suchen nach möglichen weiteren Zeugen.“
Info – Der Kanadaring
Der Kanadaring – früher Glockengumpen – diente erst französischen und später kanadischen Soldaten als Wohnquartier. Nach dem Abzug der Kanadier Anfang der 1990er-Jahre lebten hauptsächlich Deutsche aus Russland dort. Das Gebiet galt einige Zeit als sozialer Brennpunkt in Lahr. Die Situation hat sich aber spätestens mit zahlreichen städtebaulichen Verbesserungen deutlich entspannt.