Könnte auf einige Windräder verzichtet werden, wenn mehr Photovoltaik genutzt werden würde? (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Potenziale sind riesig, meint unser Autor – doch die Kosten-Nutzen-Rechnungen verhageln die Bilanz. Der Verbrauch von Natur sei einfacher – deshalb streiten Bürger und Parlamente.

Wieder einmal wird in Horb über Windkraftstandorte gestritten. Vor allem das Waldgebiet „Großer Hau“ ist wieder ein großes Thema. Was ist eigentlich mit der Photovoltaik? Auf Bundesländerebene erreicht Baden-Württemberg mit 21 Prozent Ausschöpfung des Potenzials den Spitzenwert.

 

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung vermutet, dass Dächer und Fassaden ein technisches Potenzial von bis zu 1000 Gigawatt Solarenergie bieten. Das würde weit über die Klimaziele der Regierung hinausschießen – ohne weitere Freiflächen zu opfern.

Photovoltaik auf Flachdachflächen – Fehlanzeige

Es reicht schon, durchs Neckartal zwischen Oberndorf und Rottenburg zu fahren, um zu sehen: Auf den meisten riesigen industriellen Flachdachflächen gibt’s keine Photovoltaikanlage.

Warum eigentlich nicht? Wegen der hohen Leistung der Anlagen gibt es weniger Fördergelder wie für Privathäusern. Andererseits sind die Erträge nicht so hoch wie bei PV-Anlagen auf freien Flächen. Dann kommen hohe Kosten: Netzanschluss, Bau der Transformatorenstation sowie die Verlegung der Anschlusskabel.

Kein Wunder, dass Leuten der Kragen platzt

Für Naturschützer läuft es aus ihrer Sicht wie immer: Zerstörter Wald und zugebauter kosten nichts – alles andere ist der Kosten-Nutzen-Rechnung unterworfen. Deshalb bleiben viele Flachdächer ungenutzt, und seien sie noch so groß. Es darf sich also niemand wundern, wenn den Leuten in machen Bürgersprechstunden der Kragen platzt. Wer immer wieder in die Klimasünder-Ecke gestellt wird, nur weil er kein Windrad vor der Tür haben will, wird irgendwann den Glauben an die Politik verlieren.

Der Vorwurf der „Klimadiktatur“ wird bei machen Menschen neue Nahrung bekommen. Einige Besitzer von Holzöfen befürchten jetzt schon, dass der Staat diese Art zu heizen irgendwann verbieten wird – wegen der Feinstaubwerte. Genauso, wie manche auch Tabak und Alkohol lieber heute als morgen verbieten würden.

Die bürokratisch-planerischen Hürden sind hoch

Aber zurück zur Photovoltaik. Es fällt schon auf, dass sich niemand mehr traut, das Thema anzupacken. Wahrscheinlich sind inzwischen die bürokratisch-planerischen Hürden so hoch, dass kein Investor Zeit, Lust, Geld und Nerven hat. Das wird bei der Windkraft wohl auch passieren. Kürzlich sagte ein Kommunalpolitiker: Früher passte ein Windpark-Planungsverfahren auf ein paar Dutzend A4-Seiten. Heute sind es 27 volle Aktenordner.

Wie viele Investoren stehen für Windkraftprojekte bereit? In Starzach ist die Windpark-Planung schon weit gediehen, aber auch dort gibt es Widerstand bis 11. April können Bürger noch Einwendungen erheben. Auch in Horb wirbt der Nabu großangelegt und muntert die Einwohner auf, Einspruch zu erheben. Hier gibt es nicht einmal einen möglichen Windkraft-Interessenten, der sich öffentlich gemeldet hätte. Die Stadtverwaltung wird sich das wohl nicht mehr antun. Der „Große Hau“ wirkt noch nach. Damals dachte OB Rosenberger, er tue der Stadt etwas Gutes, als er gleich einen Investor mit konkreten Plänen präsentierte. Der Schuss ging nach hinten los. Die Windkraft wird in der Region auf lange Zeit nicht das Zukunftsthema.