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Starzach Selbst die Privatsphäre wird neu definiert

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Die Uferpromenade in Vancouver mit Aussicht auf North VancouverFotos: Steinmetz Foto: Schwarzwälder Bote

Es sollte eine spannende Reise nach Kanada werden, die unsere Mitarbeiterin mit einer Freundin nach dem bestandenen Abitur unternehmen wollte. Nun berichtet sie von ihren Erfahrungen, die sie dort gemacht hat, wie das Coronavirus dem Ganzen einen frühen Schluss setzte – und wie man lernt, mit rationiertem Toilettenpapier zu leben.

Starzach/Kanada. "Auslandsreisen erweitern den Horizont" lautet eine allgemein verbreitete Ansicht. Darum beschlossen meine beste Freundin und ich nach dem Abitur in jenes Land zu gehen, das sowohl für seine Immigrationsfreundlichkeit als auch für seine multikulturelle Vielfalt weltbekannt ist: nach Kanada. Als wir uns im September 2019 ins Flugzeug setzten, war ich hochmotiviert, neue Erfahrungen zu sammeln. Doch wie hätte ich mit all den ungeahnten Herausforderungen rechnen sollen?

Wir landeten in Vancouver an der Westküste, wo wir uns sogleich in einer Ferien-Wohnung einquartierten. Entsprach diese Art des Wohnens doch am ehesten unseren Vorstellungen von Gemütlichkeit und ja, auch von Privatsphäre. Doch bereits nach einem Monat mussten wir feststellen, dass von dieser in unserem 1,50 Meter breiten Bett nicht sehr viel übrig blieb. So hieß es für uns, dass wir langfristig zu zweit auf engstem Raum auskommen mussten. Und wir gewöhnten uns sogar irgendwann daran.

Zur selben Zeit, in der wir damit beschäftigt waren, unsere Privatsphäre neu zu definieren, mussten wir auch lernen, immer wieder kreative Lösungen für diverse Alltagsprobleme zu finden. Sei es, weil die gängigste Nahrung zum Frühstück in Kanada Toast ist, zur Küchenausstattung allerdings kein Toaster zählte oder weil wir unbändige Lust auf Pancakes hatten, jedoch kein Mehl. Doch am meisten hatten wir wohl mit dem Ressourcenmanagement zu kämpfen. Um zu verdeutlichen wovon ich spreche, ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Haushalt mit vier weiteren erwachsenen Personen und Ihnen stehen für die nächsten sieben Tage exakt zwei Rollen Toilettenpapier zur Verfügung. Zu allem Überfluss handelt es sich dabei um hauchdünnes Öko­Toilettenpapier. Spüren Sie es schon, dieses nervöse Kribbeln? Ich möchte den Rat meiner damaligen Vermieterin weitergeben, die für die Toilettenpapierversorgung zuständig gewesen ist: "Zur Not finden Sie auf dem Esstisch noch eine Rolle Küchenpapier."

Sicherlich hätten wir auch noch weitere Fähigkeiten erlernt, wäre unsere Reise nicht Mitte März überstürzt abgebrochen worden.

Zu dieser Zeit lebten wir in Toronto. Lachten wir am Sonntag noch über die leergekauften Supermarktregale, so erreichten uns am Montag bereits die ersten besorgten Anrufe von zu Hause, in denen Freunde uns baten, doch bitte zurück nach Deutschland zu kommen. Einen Tag später, am Dienstag, buchten wir rasch einen Flug für Freitag, und ehe ich mich versah, stand ich auch schon mit meinem großen Wanderrucksack am Münchner Flughafen. Kaum begreifend, dass die Reise tatsächlich vorbei war.

Nun sind einige Wochen vergangen, seit ich wieder zu Hause wohne. Rückblickend fällt mir auf, dass Hamster­einkäufe in den Supermärkten, besonders Mehl und ­Toilettenpapier betreffend, sowie das große heimische "Aufeinanderhocken" auf engstem Raum, nichts sind, was ich in den letzten Monaten nicht bereits erlebt hätte. Wenn ich also eine Lebensweisheit aus Kanada mitgenommen habe, dann ist es diese: "Ärgere dich nicht über vermeintlich unnütze Erfahrungen." Man weiß nie, wofür man diese einmal noch gebrauchen kann. Etwa, um hervorragend auf eine weltweite Pandemie vorbereitet zu sein.

Lilia M. Steinmetz war Praktikantin in der Redaktion Horb des Schwarzwälder Boten und ist seither als freie Mitarbeiterin für unsere Zeitung tätig.

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