Die Mannschaft im Jahr 1927. Foto: Vereinsarchiv Foto: Schwarzwälder Bote

Jubiläum: Sportfreunde Bierlingen werden 100 Jahre alt / Planungen für Feier auf Eis gelegt

Die Sportfreunde Bierlingen werden 100: eigentlich ein Grund groß zu feiern. Doch das Jubiläumsfest findet zumindest in diesem Jahr nicht statt. "Wir haben alles auf Eis gelegt", sagt Vorstandsmitglied Monika Grupp.

Starzach-Bierlingen. Corona stellt die ehrenamtliche Arbeit vor eine große Herausforderung. "Beruflich und privat steht mir das Wasser bis zum Hals", gesteht Grupp. In der Situation etwas zu planen, das ohnehin auf der Kippe steht, sei schwierig. So sieht es auch Vorstandskollege Arnold Raudszus. Beide sind sich sicher: Ein Fest ohne Auflagen wäre in diesem Jahr nicht möglich.

2022 soll es zumindest aber einen Ehrungsabend geben, eventuell im Rahmen des jährlichen Vereinsfest am ersten oder zweiten Juniwochenende. Eine Großveranstaltung mit teuren Musikgruppen, wie anlässlich des 75-jährigen Bestehens, käme ohnehin nicht in Frage. Das war, wie sich Grupp erinnert, mit einem hohen finanziellen Minus verbunden.

Momentan ist sie dabei, die Vereinsgeschichte aufzuarbeiten. Die Gründung des Sportvereins hatten die Brüder Franz und Max Thiel angestoßen. Sie waren mit ihren Eltern von Entenhart im Oberland nach Bierlingen, dem Geburtsort ihrer Mutter, gezogen und hatten dabei auch zwei Fußbälle mitgebracht. Damals bestand schon ein Fußballverein in Felldorf. So sprang wohl auch aus der Nachbarschaft der Funke schnell über und führte dazu, dass in der elterlichen Stube des 1970 verstorbenen Elektromonteurs Alois Löffler auch in Bierlingen ein Verein ins Leben gerufen und bei der Gauversammlung in Mühlen 1921 angemeldet wurde.

Mit dem Verkauf von Maulwurfsfallen sind die rot-grünen Trikots angeschafft worden. Nach Löfflers Rücktritt als Vorsitzender ist der Chronik zufolge noch in den 1920er-Jahren eine Neugründung im Bierlinger "Schatten" notwendig geworden. Im Oberholz wurde den Fußballern ein Sportplatz zugewiesen.

Auch wenn sich in den Anfangsjahren die Zahl der Zuschauer bei den Turnieren in Grenzen hielt, etablierte sich der Verein und überstand das dritte Reich. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief das Vereinsleben wieder an. Der damalige Bürgermeister Lorenz Ruggaber initiierte die Wiedergründung mit einer ersten und zweiten Fußballmannschaft.

1971 hatten die Sportfreunde Bierlingen das größte Sportheim in der ganzen Region. Den Bau während der Amtszeit des langjährigen und erfahrenen Vorsitzenden Hans Schäffer ermöglichten als Großsponsoren die Unternehmer Rudolf Dehner und Adolf Faiß. Das Sportheim wurde in den folgenden 20 Jahren zur wichtigsten Einnahmequelle. Auf der Bühne spielten regional bekannte Bands wie Apollo 5, Rhythmen Stars, California oder Atlantis. Bis zu 500 Besucher kamen "zum Schwof", weitaus mehr als im Sportheim bestuhlt werden konnte. Als die Zeit der großen Bands Anfang der 1980er-Jahre vorbei war, sind die Räume für Hochzeiten, andere private Veranstaltungen, Versammlungen und Konzerte genutzt worden.

Die Sportanlage hat der Verein modernisiert. 1977 wurde der Hauptplatz ausgebaut und mit einer Flutlichtanlage ausgestattet. Inzwischen war Günter Grupp Vorsitzender. Anfang 1980 bauten die Sportfreunde den oberen Trainingsplatz.

Sportlich konnte nicht zu Höhenflügen angesetzt werden. "Wir haben immer in der Kreisliga gespielt, aber mit eigenen Spielern", sagt Monika Grupp. Leistungsstarke Fußballer wanderten ab zu anderen Vereinen, Spieler "einkaufen", wollten die Sportfreunde nicht. Der Spielbetrieb konnte dennoch, zumeist mit zwei Mannschaften, aufrecht erhalten werden. Darauf ist Grupp auch stolz. Mit der Gründung der SG Felldorf/Bierlingen, die in der Bezirksliga Nördlicher Schwarzwald mittlerweile eine spielstarke Mannschaft stellt, ist eine neue Ära eingeläutet worden. "Die SG mit Felldorf war ein ganz klarer Gewinn", betont Raudszus.

Geführt wird der Verein heute von einem Vorstandstrio: Monika Grupp ist für die Verwaltung, Arnold Raudszus für die Wirtschaft (Sportheim) und Jürgen Heim für den Sportbetrieb zuständig. Ein Verjüngungsprozess ist gewünscht und schon im Gang. Im Ausschuss seien auch junge und engagierte Frauen, so Raudszus. Seit 2009 hat der Verein eine Abteilung Frauenfußball, die seit einigen Jahren mit dem TSV Trillfingen kooperiert. Weitere Abteilungen sind die Line-Dancer und das Kinderturnen, das, so Monika Grupp, sehr beliebt sei. Durch Corona habe es aber Austritte gegeben. "Im Moment meldet sich niemand an", bedauert sie.

Derzeit lebt der Verein finanziell von seinen Mitgliedsbeiträgen, ist aber schuldenfrei und hat Rücklagen. Von den laufenden Kosten, vor allem fürs Sportheim, abgesehen, halten sich die Ausgaben in Grenzen. Monika Grupp: "Wir kommen noch über die Runden. Die Frage ist nur, wie lange."

Und wie sieht die Zukunft aus? "Wenn man es nüchtern betrachtet, macht ein Fußballverein in Starzach Sinn", meint Monika Grupp. Auch Arnold Raudszus könnte sich vorstellen, dass es irgendwann eine SG Starzach gibt. Die Vorteile: Man bräuchte nur noch einen Vorstand, weniger Sportanlagen und hätte einen größeren Spielerkader.

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