Das Konzept zum kommunalen Starkregenrisikomanagement wurde nun in Talheim präsentiert. Foto: sea and sun - stock.adobe.com

Die Stadt hat Starkregen-Daten für ihr gesamtes Gebiet erheben lassen. Der Auftakt der Präsentationen war in Talheim. Neben einem Ausbau von Kanälen können aber auch höhere Lichtschächte oder abgesicherte Kellerabgänge hilfreich sein.

Das Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner (IWP), vertreten durch den Geologen Joachim Liedl, hat im Auftrag der Stadt Horb ein Konzept zum kommunalen Starkregenrisikomanagement erstellt.

 

Das Konzept In einem Workshop im Juli 2022 wurde die Risikoanalyse und das Handlungs- und Maßnahmenkonzept vorgestellt und diskutiert. Die Risikoanalyse beinhaltete die Analyse der Starkregengefahrenkarten, die Identifizierung kritischer Bereiche und Objekte und die Bewertung lokaler Überflutungsrisiken.

Nun stellten Liedl zusammen mit dem Fachbereichsleiter Technische Betriebe, Thomas Hellener, die ersten Ergebnisse im Talheimer Ortschaftsrat vor.

Prioritäten und Pläne Der Fachbereichsleiter erklärte, dass diese Konzeption der Stadtverwaltung wichtig sei, da in den letzten Jahren Starkregen-Vorfälle zugenommen hätten. „Deshalb haben wir für das ganze Stadtgebiet, unterteilt nach Prioritäten, Erhebungen vorgenommen.“

„Das allererste Ergebnis von den vordringlichen Ortsteilen stellen wir heute Abend in Talheim vor“, so Hellener, der anfügte: „Was wir heute sehen, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtergebnis. Wir sind aber in Talheim so weit, dass wir die Gefährdungsanalyse, die Risikoanalyse und die daraus resultierenden Maßnahmen, die wir jedoch noch nicht sofort umsetzen können, zumindest benennen können.“

Damit wird den Einwohnern ermöglicht, Maßnahmen zum Eigenschutz zu ergreifen.

Bis es jedoch so weit ist, muss zuerst Tiefenplanung, die später dem Gemeinderat vorgestellt wird, erfolgen. „Es gibt auch noch kein Management für die Umsetzung der Maßnahmen, die zukünftig peu à peu erledigt werden. Diese Maßnahmen sollen später in ein gesteuertes Management übergehen, das die Planung nachvollziehbar macht“, so der Leiter der technischen Betriebe der Stadt Horb.

Die Arten von Hochwasser Joachim Liedl ging bei seinen Ausführungen zuerst auf die Differenzierung zwischen Fluss-Hochwasser und Niederschlags-Hochwasser ein, die beide in Hochwassergefahrenkarten erfasst werden. Unterteilt werden Starkregenmengen in drei Klassen. Ab 47 mm/h Niederschlag spricht man von der Kategorie Selten. Außergewöhnlich wird es ab 62 mm/h und Extrem ab 128 mm/h. Umgerechnet bedeuten diese Zahlen, dass jeweils die Menge Wasser in Litern pro Stunde auf einen Quadratmeter Fläche fällt.

Die Gefährdungsanalyse Um die Gefährdungsanalyse durchführen zu können, wurden alle Geländestrukturen im Ort, die in verschiedenen Darstellungen vorliegen, in den Planungsunterlagen aufgenommen. Daraus wurden in Animationen Überflutungsszenarien auf Basis der Fließgeschwindigkeit visualisiert, die bis zum Sturzbach aus den höher gelegenen Ortsteilen runter in die Ortsmitte reichen.

Im zweiten Teil wurde eine Risikoanalyse gemacht, bei der die Elektrischen Umformer und ähnliche Gefahrenpotenziale berücksichtigt wurden.

Die Risikokarte Als weiteren Parameter des zukünftigen Starkregenrisikomanagements wurde von den Planern aus Stuttgart eine Starkregenrisikokarte erstellt, die auch für die Hilfskräfte sehr wichtig ist, da sie anhand dieser Karte planen können, wie sie an die gefährdeten Ortsteile kommen.

Als Handlungsbausteine empfahl der Planer zum einen die Sensibilisierung der Bevölkerung und dass jeder Hausbesitzer selbst Vorsorge treffen muss. Und zum anderen, dass von städtischer Seite die Informationsverarbeitung sowie eine kommunale Flächenvorsorge mit gut strukturiertem Krisenmanagement und möglichen baulichen Maßnahmen aufgebaut wird. Zur Flächenvorsorge zählen zum Beispiel Rechen in der Kanalisation der Friedenstraße, die den Dreck, den die Wassermassen mit sich führen, direkt abfangen, um so den Kanal leistungsfähig zu halten.

Das Krisenmanagement Als letzten Punkt in diesem Konzept steht dann das Krisenmanagement: „Alarm- und Einsatzplanung zum Schutz neuralgischer Punkte müssen erarbeitet werden“, erläuterte Geologe Liedl dem Talheimer Gremium.

Wie es weitergeht „Was würden Sie uns empfehlen?“ fragte Ortsvorsteher Anton Ade am Ende der Präsentation. „Sie müssen einen Maßnahmenkatalog priorisieren“, erklärte der Experte. Dies bestätigte Hellener, der ergänzte, dass man dann den Mittelbedarf ermitteln, diesen dann im städtischen Budget einbringen und vergeben kann.

Für Talheim bedeutet dies, dass man sich über Aspekt baulicher Maßnahmen Gedanken machen muss.

Eine entsprechende Detailplanung konnten jedoch weder der Stuttgarter Geologe noch Thomas Hellener vorlegen, sondern nur Anregungen geben, was wann wo gemacht werden könnte. Dazu zählen kaskadenartige Dämme oder optimierte Kanäle in der Friedensstraße.

Warnung vor Kostenrisiko Liedl warnte jedoch davor, Kanäle in einer separaten Maßnahme, die recht schnell recht teuer werden kann, zu optimieren. „So etwas lohnt nur in Synergie mit Baumaßnahmen, die sowieso gemacht werden“, so sein Tipp.

Er sieht auch keine Notwendigkeit großen Regenrückstaubecken zu bauen Auch einfache, kleine Maßnahmen bringen schon Erfolg, sagt er und nennt ein Beispiel: Oberhalb vom Erlenweg könnte ein kleines Rückhaltebecken schon vieles bewirken.

Gefahr: Stromleitungen „Man muss den Leuten auch klar machen, dass man nicht nur ertrinken, sondern dass in Verbindung mit Wasser auch ein Stromschlag tödlich sein kann“, mahnte Liedl, der klarstellte, dass präventive Maßnahmen, wie beispielsweise ein hochgesetzter Lichtschacht, abgesicherte Kellerabgänge mit Zäunen oder Rückschlagklappen zudem sehr wichtig seien.

Rat Hermann Walz brachte die Angelegenheit am Schluss dieser Präsentation knackig auf den Punkt: „Letztendlich wird es eine Frage des Geldes sein, wie gut unser Starkregenrisikomanagement aussehen wird“.

Die Unterlagen des Stuttgarter Planungsbüro sollten zu gegebener Zeit im Verwaltungs- und Technischen Ausschuss des Gemeinderats vorgestellt werden und anschließend online einsehbar sein. „Dies wird in diesem Jahr jedoch auf keinen Fall passieren“, relativierte Thomas Hellener allzu große Erwartungshaltungen.

Wer mehr über das Starkregenrisikomanagement erfahren möchte, kann im Internet unter dem Suchbegriff „Regina Stark“ oder dem Link https://reginastark.starkregengefahr.de/ viele nützliche Informationen erhalten.