Knut Maier von Baldauf Architekten und Stadtplaner ist sich mit allen Kollegen einig: Der Wald am Nordstetter Hang muss bleiben. Foto: Jürgen Lück

Terrassenwohnungen, Kreisverkehr und die Abholz-Frage: Planer und Architekten stellten ihre besten Ideen im Wettbewerb „Stadteingang Süd“ in Horb vor.

Der „Gier-frisst-Hirn“-Zoff im Gemeinderat war notwendig. Doch das Ergebnis der Überplanung des Stadteingang Süd zeigt: Die Angst, dass der Wald an der Nordstetter Steige fallen könnte, führt zu exzellenten Ideen.

 

Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP): „Das Ergebnis zeigt, wie wichtig es war, dass wir uns Zeit genommen haben. Dass die zwei Investoren, die Projekte entwickeln wollen, nicht einfach bauen, sondern sich die Immobilien in einen Gesamtrahmen einpassen.“

Die Analyse Knut Maier von Baldauf Architekten und Stadtplaner war der erste, der seinen Entwurf vorstellte. Die Analyse – knallhart. Maier: „Bei der derzeitigen Stadteinfahrt (Höhe Autowerkstatt Dettling, Anm. d. Red.) fragt man sich: Sind wir schon da?“

Kurve rum, Blick auf die Brücke und die Activ-Arkaden. Maier gibt zu erkennen: kein schöner Anblick. Das sollte durch höhere Gebäude rund um Bossert und das Sonnenstudio verdeckt werden.

Die Verschattungsanalyse. Die sagt, so Maier: Entlang der Nordstetter Steige und der jetzigen B 28 sollten nur die bisherigen Freiflächen bebaut werden. Der Rest liegt im Schatten. Dazu kommt: Der Hang an der Nordstetter Steige ist viel zu steil für eine vernünftige, zusätzliche Wohnbebauung.

So sonnig ist der Hang: Die Verschattungsanalyse von Baldauf Foto: Baldauf Architekten und Stadtplaner

Die spektakulärsten Ideen vom Büro Baldauf Idee 1 „Parkhaus am Bahnhof“ – Maier: „Das Parkhaus am Bahnhof sollte zentraler Teil der Wegeführung von den Ziegelgärten und Nordstetten werden. Man könnte es begrünen, eine Aussichtsterrasse bauen. Dazu Rad-Abstellplätze. Wir haben viele befragt, die es benutzen.“

Eine Idee: Das Park & Ride Parkhaus soll begrünt werden. Mit Aussichtsplattform und Radabstellplätzen Foto: Baldauf Architekten und Stadtplaner

Idee 2 „Brücke und Aussichtsplattform“: „Entlang der Hornaustraße sollten langgestreckte Mehrfamilien-Gebäude entstehen. Das schützt vor Lärm. Dazu sollten wir dort einen Aussichtsturm am Neckarufer bauen – mit Brücke zum anderen Ufer. Das würde die Lebensqualität in diesem neuen Wohnviertel deutlich erhöhen!“

Idee 3 „Satteldach auf Ziegelgärten“: „Statt Terrassenwohnungen sollte man Punktbauten mit riesigen Fenstern nach Süden und Satteldächer bauen. Das würde von der Form her die Altstadt gegenüber aufnehmen. Wenn man die Gebäude versetzt aufstellt, hat jeder südliche Sonne und einen Blick auf die Altstadt.“ Das schafft sogar noch mehr Bruttogeschossfläche als bisher von den Investoren geplant.

Die neuen Gebäude des Wohnviertels Ziegelgärten sollen Satteldächer bekommen. Foto: Baldauf Architekten und Stadtplaner

Idee 4 „Kreisverkehr“: „Isenburger Straße, Hornau-Straße und Weiterfahrt in die Stadt sollten durch einen Kreisverkehr verknüpft werden. Als grüne Visitenkarte der Stadt.“ Der grüne Hügel in der Mitte und die Horb-Fahnen an der Bahnbrücke mildern den Blick auf die Fassade der Activ-Arkaden ab.

Kreisverkehr, Bäume und Horb-Fahnen – schon fällt die Fassade der Activ-Arkaden gar nicht mehr auf. Foto: Baldauf Architekten und Stadtplaner

Die spektakulärsten Ideen vom Büro „berchtholdkrass“Idee 1 „Stadteingang“ – Markus Kaltenbach: „Wir brauchen klare Raumkanten, damit hier gleich ein Platz entsteht.“ Heißt: Polizeirevier, ein großes Gebäude vor Fahrzeugteile Bossert, über dem jetzigen Sonnenstudio auf der Höhe der Straße, auch rechts – wo jetzt das Ex-Büro des Ritterspielvereins war. Gleichzeitig breite Gehwege mit Bäumen und Fußgängerampeln – alles verkehrsberuhigt.

Große, hohe Gebäude, Bäume und Platz für Fußgänger – so stellt sich Berchtholdkrass den Stadteingang vor. Foto: berchholfkrass

Idee 2 „Fußgänger first: Vom Ende der Bebauung an der Nordstetter Steige werden jede Menge Brücke und Schneisen für Fußgänger geschlagen. Gleich oben gibt es einen spektakulären Aussichtspunkt. Weiter unten gibts eine Brücke über die Hornauer Straße, unten ab der Ziegelburgstraße Brücke und Aussichtsplattform nebst Brücke über den Neckar.

Die spektakulärsten Ideen von der Planungsgruppe SSW Andreas Weber ist noch als „City-Schleifle“ und „Sperrung Bildechinger-Steige“ Verkehrs-Experte für Horb Aktiv im Gemeinderat in Erinnerung. Mit seinem Kollegen Christof Helbig beweist er, dass er auch Stadtplanung kann.

Teil der Brücken und Treppen runter von der Nordstetter Steige: Die Aussichtsplattform dort, wo jetzt die Bebauung an der Nordstetter Steige endet. Foto: berchtholdkrass

Idee 1 „Landschaftsachse und Aussichtsterrasse“ – Helbig: „Von ungefähr dort, wo der Höhenweg über dem Eiskeller an der Nordstetter Steige endet, machen wir eine Landschaftsachse. Mit Bäumen und großen, terrassenartigen Stufen. Die geht bis über die Brücke. Auf der Brücke nehmen wir eine Fahrspur weg. Das wird der Brücken-Boulevard. Mit einer Spur für Radfahrer und Fußgänger. Bäumen in Kübeln. Von dort aus hat man einen Blick Richtung Neckar und Horb.“

Die Aussichtsterrasse mit Blick über die Altstadt wäre dann oben an der Nordstetter Steige. Das gute an dieser Idee: Sie nimmt vieles von den Brücken und Aussichtstürmen der Kollegen auf. Durch die Landschaftsachse bis über die Brücke braucht man aber keine neuen Brücken und Aussichtstürme bauen.

Die Landschaftsachse von SSW: Die Aussichtsplattform ist oben, die Brücke wird zum Boulevard. Foto: Planungsgruppe SSW

Idee 2 „Terrassen-Wohnungen“: Richtung Nordstetten auf der Steige entstehen neben dieser Landschaftsachse Terrassen-Wohnungen – mit riesigen Fenstern Richtung Norden, die die Sonne vom Aufgang im Osten Richtung Mühlen bis zum Untergang im Westen Richtung Sulz einfängt.

So kann die Landschaftsachse aussehen: In der Mitte kommen noch Bäume dazu. Links und rechts gibt es Terrassenwohnungen am Hang. Foto: Planungsgruppe SSW

Darin sind sich alle drei Büros einig Es darf kein weiterer Wald am Nordstetter Hang gefällt werden. Helbig (SSW): „Wir können nicht weiter in den Wald reingehen.“ Maier (Baldauf): „Der bewaldete Neckarhang ist ein Landschaftsmerkmal. Da darf man nicht eingreifen.“ Weber (berchtoldkrass): „Ein Kahlschlag wäre fatal.“

Die Ziegelburger Straße am Neckar neben der Bahnlinie sollte bis zum jetzigen Aussichtspunkt (jetzt: Einbuchtung an der B28 rechts) verlängert werden. Der Aussichtspunkt dort sollte ausgebaut werden.

Das sagen Experten und Kritiker zu den Ideen zum Stadteingang Süd

Dieter Pfrommer
Er ist Landschaftsarchitekt und Fachpreisrichter: „Die Stadtplaner können sich die Frechheit erlauben und sagen: Das Gebäude muss weg. Und schauen weit in die Zukunft. Wir Architekten vertreten die Interessenslage des Bestands und schauen, wie es damit in die Zukunft gehen kann.“ Bei der Landschaftsachse gefallen ihm nicht die kleinen Häuser um den eigentlichen Platz: „Da muss Volumen her.“ Den Kreisverkehr und die vielen Brücken und Treppen von Berchtholdkrass kritisiert Pfrommer: „Niemand denkt an Radfahrer und Fußgänger. Die haben enorme Probleme im Kreisverkehr. Und auch, viele Treppen zu überwinden.“ Zum Walderhalt findet Pfrommer deutliche Worte: „Wenn es um Wald geht, gibt es nicht so hohe Widerstände, als wenn eine Kirche fallen soll. Die Ideen der Schonung des Waldes sind gut – denn wenn in die kritischen Hangbereiche drei Monate keine Sonne einfällt, darf da keiner wohnen.“

Ute Michaelsen
Sie ist Architektin und Fachpreisrichterin im Ideenwettbewerb: „In den Ziegelgärten sind Terrassenhäuser nicht die richtige Antwort. Auch Giebeldächer nicht – das wirkt eher wie eine Ferienwohnung-Siedlung im Chalet-Charakter.“ Sie bezweifelt, ob der Kreisverkehr die richtige Antwort für den Stadteingang ist: „Der Entwurf von berchtoldkrass mit den klaren Gebäudekanten war der, der beim Platz am meisten überzeugt hat.“

Thomas Bauer
Der BiM-Stadtrat hat den „Gier-frisst-Hirn-Zoff“ ausgelöst . Bauer hatte sich mit knalligen Worten gegen die Ausweitung des Ideen-Wettbewerbs zum Stadteingang Süd auf die Waldgebiet gewehrt. Jetzt sagt er: „Ich glaube, das hat sich gelohnt. Allein aus fachlichen Gründen hatte ich davor gewarnt, dass sich die steilen und schattigen Stellen des bewaldeten Nordstetter Hangs ohnehin nicht für Bebauung eignen. Das haben die Planer jetzt bestätigt. In sofern bin ich mit allen drei Vorschlägen sehr zufrieden.“