Schon früh produziert wurden Grammophonantriebe, wie eine Sonderausstellung im Phonomuseum informiert. Foto: Stephan Hübner

Unter dem Titel „Sie kamen aus dem Stockwald“ zeigt das Deutsche Phonomuseum in St. Georgen derzeit Ausstellungsstücke aus den Unternehmen von fünf im Stockwald geborenen Gründern. Einer davon ist Christian Steidinger.

Christian Steidinger erblickt 1867 im Krumpenloch das Licht der Welt. Zusammen mit seinem Bruder Josef lernt er die Werkzeugmacherei vom Vater, Christian Senior. Das hat System, beschäftigt dieser doch im Stockwald nie fremde Gesellen, sondern nur Familienmitglieder.

 

Christian macht schon früh von sich reden, als er 1892 ein neues Werkzeug erfindet, mit dem Lagerzapfen in einem Sechstel der normalen Zeit hergestellt werden können. Das damit verdiente Geld bildet den Grundstock für das später mit Josef Steidinger gegründete Unternehmen.

Bereits in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts zieht die Familie nach St. Georgen in den Bereich „untere Türkei“ um, wo weiter Spindeln und Uhrenteile entstehen, gemäß der Tradition des Großvaters, genannt „Spindle-Sepp“.

Ins Wohnhaus in der Sommerauer Straße

Zunächst aber muss Christian zum Militär, arbeitet danach bei Tobias Baeuerle, weshalb zeitweise Josef die Geschäfte übernimmt. 1897 heiratet Christian Maria Rosenfelder, mit der er ins Wohnhaus seiner Schwiegermutter in der Sommerauer Straße zieht. Daher stammt die Bezeichnung „hinterer Steidinger“. Laut Klaus Kaiser war das damals eben hinten in der Stadt.

Mit dem Dual-Motor erlangt das Unternehmen „Gebrüder Steidinger“ Weltruhm. Foto: Stephan Hübner

Im Jahr 1900 gründet das Paar eine feinmechanische Werkstatt für Uhrenteile und Werkzeuge, 1906 Christian und Josef das Unternehmen „Gebrüder Steidinger, Fabrik für Feinmechanik“.

Kombination aus Federwerk und Elektromotor

Deren qualitativ hochwertige Produkte sind nicht nur bei Unternehmen in St. Georgen, sondern auch in Schramberg beliebt. Beide Brüder zusammen entwickeln einen Grammophonmotor. 1925 entsteht ein Neubau in der Luisenstraße. Als dann Hermann Papst dazustößt, entsteht 1927 der Dual-Motor als Kombination aus Federwerk und Elektromotor. Den gab es laut Siegbert Hils zwar schon zuvor, aber nur in minderer Qualität.

So ist die bis zu diesem Zeitpunkt verbaute Klinkenkupplung nur in eine Richtung drehbar und wegen des Zahnrads hört man ständig ein Klicken. Der Dual-Motor dagegen läuft dank einer Spiralfeder auf einer Welle geräuschlos. Eine Kuriosität ist aus heutiger Sicht eine Brieftauben-Kontrolluhr, die auf das Hobby von Oskar Steidinger zurückgeht.

Auch eine Brieftauben-Kontrolluhr entwickelt das Unternehmen. Foto: Stephan Hübner

1933 übernehmen die Kinder Christian, Richard, Oskar, Willi, Siegfried und Kurt Anton die Geschäftsführung. Obwohl das Unternehmen seinen Namen nie ändert, wird es ab da im allgemeinen Sprachgebrauch als „Dual“ Bekanntheit erlangen. 1952 beschäftigt das Unternehmen etwa 700 Mitarbeiter. Nach mehreren Änderungen in der Geschäftsleitung übernimmt Dual das Unternehmen Perpetuum-Ebner, das von Christians Bruder Josef gegründet worden war. Dadurch wächst die Mitarbeiterzahl auf 3500. 1981 muss der Konkurs-Antrag gestellt werden, im folgenden Jahr endet mit der Übernahme durch Thomson-Brand das Unternehmen im Familienbesitz.