In Empfingen sind die Täter bei ihrer versuchten Geldautomatensprengung dieses Mal an der Alarmanlage gescheitert. Foto: Daniel Begemann

In Empfingen ist die Sprengung eines Geldautomaten erstmals gescheitert. Könnte der Empfinger Fall der Beginn einer Trendwende bei Automatensprengungen sein? Wir haben mit dem Tübinger Kriminologen Jörg Kinzig darüber gesprochen, wie organisierte Kriminalität agiert.

Jörg Kinzig ist Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen. Unserer Redaktion beantwortet er Fragen, die sich nach der gescheiterten Sprengung eines Geldautomaten in Empfingen stellen.

 

Könnte der fehlgeschlagene Versuch der Geldautomatensprengung in Empfingen wie erhofft eine Trendwende zu weniger oder keinen weiteren Sprengungen in Empfingen oder gar in der Region sein?

Wissenschaftlich ist das relativ neue Phänomen der Geldautomatensprengungen noch kaum erforscht. Daher ist man in diesem Bereich mehr oder weniger auf Spekulationen angewiesen. Zu vermuten ist, dass diese Täter diese Volksbank nicht mehr aufsuchen werden. Ob dies darüber hinaus eine Trendwende bedeutet, bleibt abzuwarten.

Wie reagieren organisierte kriminelle Banden in der Regel auf neue Hürden wie eine verbesserte Sicherheit?

Erfolgreiche organisierte Kriminalität agiert rational. Das heißt vor der jeweiligen Tat erfolgt eine Kosten-Nutzen-Analyse. Werden die Kosten für eine Straftat, dazu zählen die Erfolgsaussichten und die Entdeckungswahrscheinlichkeit, zu hoch, werden Kriminelle von derartigen Vorgehensweisen absehen.

Werden sich die Geldautomatensprengungen eher räumlich in andere Regionen verlagern oder werden die Täter sich an die neuen technischen Sicherungen anpassen, um diese zu überwinden?

Verstärkte Präventionsmaßnahmen, wie sie zum Beispiel vermehrt in den Niederlanden praktiziert werden und die zum Teil auch in Empfingen verwendet wurden, können zu einem Rückgang der Sprengungen beitragen. Wie die Täter darauf reagieren, bleibt abzuwarten. Anzunehmen ist, dass sie sich andere Tatgelegenheiten suchen werden.

Was empfehlen Sie Banken, um ihre Automaten dauerhaft besser zu schützen? Reichen die bisherigen Schutzmaßnahmen aus?

Wiederum aus den Niederlanden wird berichtet, dass unter anderem nächtliche Schließungen und der Einsatz einer Technik, bei der Geldscheine im Fall einer Explosion unbrauchbar werden, zu einer Reduktion der Fallzahlen geführt haben. Hier scheint mir das Bankgewerbe in Deutschland bisher zu zögerlich. Möglich wären auch konkrete Vorgaben durch die Politik, zumal durch derartige Sprengungen nicht selten auch Wohnhäuser in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der klassische Banküberfall scheint nahezu ausgedient zu haben. Könnte es wieder mehr dieser Überfälle bei Tag geben, wenn die Sprengungen bei Nacht nicht mehr funktionieren?

Das würde ich nicht annehmen. Gerade die Präventionsmaßnahmen der Banken gegen eine solche „Old-School“-Kriminalität haben gezeigt, dass man dadurch sehr erfolgreich sein kann.