Die meisten Experten raten Eltern dazu, Computerspiele und Apps nicht generell zu verteufeln, sondern Kinder behutsam heranzuführen und sie bei der Nutzung zu begleiten. Foto: imago/Westend61/Robijn Page

Computerspiele müssen nicht immer stumpfsinnig sein. Die Initiative „Schau hin“ empfiehlt in ihrem aktuellen Newsletter vier Apps für Mädchen und Jungen. Wir haben sie uns angeschaut und getestet.

Computerspiele faszinieren schon die Kleinsten. Viele können als Apps kostenlos im Internet heruntergeladen werden. Unabhängig von den psychischen und physischen Auswirkungen von zu viel Bildschirmzeit warnen Experten vor Datenmissbrauch, Schadsoftware, Werbung und Kostenfallen. Vor diesem Hintergrund hat die Initiative „Schau hin“ eine kleine Auswahl an Apps zusammengestellt, die sicher und – bei wohl dosiertem Gebrauch – kindgeeignet sind.

 

Eine halbtote Katze als Protagonistin

In der kostenlosen App „Katze Q“ ist eine halbtote Katze die Protagonistin. Sie befindet sich in einem Paket, das plötzlich vor der Tür steht. Das klingt ein bisschen nach Horror, ist aber ein wissenschaftlicher Ansatz. Er geht zurück auf ein Gedankenexperiment von Erwin Schrödinger. Der Physiker und Nobelpreisträger versuchte damit grob gesagt, die Überlagerung verschiedener möglicher Zustände in der Quantenmechanik zu verdeutlichen. Das genauer auszuführen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Einen Einblick bekommt aber, wer die App nutzt. Die Spielerinnen und Spieler müssen verschiedene Knobelaufgaben lösen, um die Katze aus der Kiste zu befreien, und lernen dabei so einiges über Erwin Schrödinger und die Quantentheorie. Zudem kann sich jeder seinen eigenen Avatar gestalten – so, wie man es auch von anderen Computerspielen kennt.

Die App ist laut der Initiative „Schau hin“ für Kinder ab acht Jahren geeignet. Entwickelt wurde sie von der Universität Würzburg und der Technischen Universität Dresden im Rahmen des Exzellenzclusters ct.qmat. Schirmherrin ist Anna Braunizer, die echte Ur-Enkelin von Erwin Schrödinger. Auch im Spiel gibt es eine „Anna“. Sie ist aber ausdrücklich nur eine Figur und gibt über ein eingeblendetes Handy Tipps, wenn man selbst nicht weiterkommt. Die „echte Anna“ – das verrät die App – ist Ergotherapeutin und lebt in Kanada. Das Spiel wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative „Research in Germany“. Es ist kostenlos, ohne Werbung und ohne In-App-Käufe.

Das Eichhörnchen hortet Nüsse wie Geld

Das Spiel „Investnuts“ handelt von einem Eichhörnchen. Sein Ziel ist es, genügend Vorräte für die kalten Wintermonate und den Ruhestand anzulegen. Dazu sammelt das possierliche Tierchen die Früchte verschiedener Bäume und pflanzt sie möglichst klug wieder ein. Aus ihnen sollen wieder neue Bäume wachsen. Das sei wie beim Investieren, wird den Kindern in einem virtuellen Lehrbuch in der App erklärt. Denn beim Geld anlegen werde dieses zum Beispiel einem Unternehmen bereitgestellt, das davon eine neue Produktionsanlage kaufe, um etwas zu produzieren und es dann zu verkaufen. „Einen Teil des vom Unternehmen verdienten Geldes erhalten die Anleger für die Bereitstellung ihres Geldes“, heißt es bei „Investnuts“.

Dort erfährt man auch mehr über die Rotbuche, die Rosskastanie und die Stieleiche. Die Baumarten tragen unterschiedlich viele Früchte: Die Rotbuche nur sehr wenige, dafür aber jedes Jahr ungefähr gleich viele. Die Stieleiche hat manches Jahr sehr viele Eicheln, in anderen Jahren dafür fast überhaupt keine. In dem Spiel werden diese Ertragsschwankungen mit den Renditen von unterschiedlichen Geldanlagen verglichen: Die einen bringen nur wenig, dafür aber gleichmäßig Gewinn. Andere werfen potenziell viel Rendite ab, unterliegen dafür aber großen Schwankungen. Und dann ist da noch der Frost, der einer Wirtschaftskrise gleich kommt, und alles zerstören kann.

Das Spiel soll Kindern das Thema Geld näher bringen und dabei ein Gefühl für Chancen und Risiken beim Investieren vermitteln. Es wurde von GonKu Games in Zusammenarbeit mit Finanzexperten des digitalen Vermögensverwalters VisualVest und deren Muttergesellschaft Union Investment entwickelt. Geeignet ist es laut der Initiative „Schau hin“ für Kinder ab fünf Jahren. Für die dürfte das Spiel aber durchaus noch anspruchsvoll sein. Denn man muss schon genau überlegen, wie viele und welche Früchte das Eichhörnchen wieder vergraben, also investieren soll, wenn es seinen Gewinn maximieren will, um in zehn Jahren – so die Idee des Spiels – in den Ruhestand gehen zu können.

Die Klassiker mit der Maus und dem Elefanten

Seit Anfang der 1970er Jahre lernen Kinder in den Lach- und Sachgeschichten von der Maus allerhand. Zum Beispiel, wie die Wurst in die Pelle kommt, warum Zahnpasta oft Streifen hat und warum ein Hubschrauber in der Luft stehen kann. Seit einigen Jahren gibt es die Maus auch als App. Dort sind nicht nur aktuelle Sendungen in voller Länge verfügbar, sondern auch viele weitere Lach- und Sachgeschichten. Wer zusammen mit der Maus ihre Welt – also ihre App entdeckt – findet versteckte Spiele. Zudem können Kinder Selfies machen und diese dann mit Accessoires versehen – also zum Beispiel zu einer Maus umgestalten, mit den typischen Klimperaugen, lustigen Ohren und Schnurrhaaren.

Auch der Elefant hat seine eigene App. Diese richtet sich speziell an Kindergarten- und Vorschulkinder. Auf der digitalen Plattform finden sich die drei aktuellen Sendungen sowie viele Lach- und Sachgeschichten. Dazu gibt es Lieder zum Mitsingen, Experimente zum Ausprobieren und Bastelanleitungen. Garniert ist die App mit ein paar kleinen, einfachen Spielen. Mit dem Elefantenwecker können Eltern einstellen, wie lange ihr Kind am Gerät sein darf.

Die Apps mit der Maus und dem Elefanten sind kostenfrei und enthalten keine Werbung. Die Initiative „Schau hin“ empfiehlt sie für Kinder ab vier Jahren.

Kinder im Internet

Sicherheit
Experten raten Eltern dazu, sich Zeit zu nehmen. Apps sollten ausschließlich von Erwachsenen heruntergeladen und anschließend gemeinsam mit dem Kind getestet werden. Wenn Kinder allein auf dem Tablet oder dem Smartphone unterwegs sind, sollte das Gerät „kindersicher“ sein. Das heißt, die Einstellungen sind so vorzunehmen, dass der Nachwuchs vor ungeeigneten Inhalten geschützt ist. Außerdem geht es darum, die eigenen Daten vor Missbrauch zu sichern. Von Kindern genutzte Apps sollten darüber hinaus keine Werbung, Verlinkungen zu anderen Internetseiten oder so genannte In-App-Käufe enthalten. Bei In-App-Käufen werden dem Nutzer kostenpflichtig zusätzliche Dienste und Inhalte angeboten, die es einem zum Beispiel ermöglichen, in einem Spiel schneller voranzukommen.

Bildschirmzeit
Mediziner und Medienexperten sind sich weitgehend einig, dass Mädchen und Jungen unter drei Jahren noch nicht am Bildschirm sein sollten. Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sollten maximal 30 Minuten, Kinder bis etwa neun Jahren maximal eine Stunde Medienzeit zur Verfügung haben. Kinder ab zehn Jahren können sich ein Wochenkontingent von etwa neun Stunden meist schon selbst einteilen. Besonders am Anfang sollten Eltern ihr Kind beim Medienkonsum beobachten: Wie reagiert es auf das interaktive Geschehen? Wirkt es überfordert oder verhält es sich nach dem Spielen ungewohnt?

Die Initiative
„Schau hin“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesfamilienministerium, der Sender ARD und ZDF sowie der Krankenkasse AOK.