Hier soll ein Kreisverkehr entstehen. Mancher Stadtrat befürchtet dadurch eine erhöhte Gefahr für die Fußgänger. Foto: Cools

Kürzere Wartezeiten und eine bessere Verkehrslenkung verspricht der geplante Kreisverkehr, der an der Kreuzung L  409/L  424 (ehemalige B 14) entstehen soll. Mancher Stadtrat sieht darin aber eine erhöhte Gefahr für die Fußgänger.

Sulz - 1329 Autos passieren zur abendlichen Spitzenstunde die Kreuzung. Der Verkehr wird per Ampel geregelt. Durchschnittlich warten die Fahrer sechs Sekunden, ehe sie weiterfahren dürfen. Mit einem Kreisverkehr soll sich die Zeit verringern.

Die Planungen dazu wurden bereits im Oktober 2020 im Technischen Ausschuss vorgestellt. Im Frühjahr 2022 will man mit dem Bau beginnen. Da das Regierungspräsidium Freiburg als Straßenbaulastträger die Fahrbahndeckenerneuerung ohnehin vornehmen will – bei der Herabstufung der Bundesstraße zur Landesstraße 2015 war die Kreuzung mit Ampelanlage nicht saniert worden – könnte der Kreisverkehr gleich mit realisiert werden.

Im Vorfeld dazu sind umfangreiche Planungs- und Ingenieurleistungen erforderlich, um deren Vergabe es am Montag in der Gemeinderatssitzung ging. Die Gesamtkosten für die Maßnahme belaufen sich laut Schätzung auf rund 450.000 Euro.

Kleiner Durchmesser

Das RP will sich mit maximal 200.000 Euro am Vorhaben beteiligen. Jochen Steinwand vom Tiefbauamt der Stadt erklärte dem Gemeinderat, dass durch den Wegfall der Ampelanlage aber Unterhaltungskosten eingespart würden. Das könnte eventuell bewirken, dass die Beteiligung des Regierungspräsidiums doch noch höher ausfällt.

Im städtischen Haushaltsplan 2021 sind 40.000 Euro für die Planung der Maßnahme eingestellt. Hinzu kommen Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 360.000 Euro im Jahr 2022 und 50.000 Euro in 2023.

Ein kritischer Punkt beim Umbau ist der Durchmesser des Kreisverkehrs. Dieser werde bei 29 Metern liegen, erklärte Steinwand. Zum Vergleich: Der Kreisverkehr bei der Aral-Tankstelle hat einen Durchmesser von 34 Metern, der am Friedhof Richtung Holzhausen 35 Meter, dafür jedoch eine geringere Fahrbahnbreite von rund sechs Metern. Es wird sich also am Knotenpunkt L 409/L 424 um einen eher kleinen Kreisverkehr handeln. Die Fahrbahnbreite soll sechs Meter betragen mit zusätzlichen zwei Metern überfahrbarer Fläche im Innenring. 29 Meter reichten jedoch für einen Sattelzug mit Auflieger aus, so Steinwand.

Für den Kreisverkehr wird die Treppe zum Stockenbergweg ein Stück Richtung Oberndorf versetzt werden müssen, kündigte der Tiefbauamtsmitarbeiter an. Für die Fußgänger ist an der Kreuzung eine Querungshilfe eingeplant, ähnlich wie am Friedhof.

Helmut Pfister (FWV) hatte bereits im Oktober deshalb Vorbehalte geäußert. Seine Befürchtung: Bewohner des Hauses der Betreuung und Pflege am Stockenberg könnten beim Überqueren der Straße verletzt werden. Bei einer Straße mit derartigem Verkehrsaufkommen seien eher ein Zebrastreifen oder eine Ampel nötig, fand er.

Nur eine Scheinsicherheit

"Das ist wirklich eine Schwachstelle", fand auch Gaby Brucker (GAL), während Heinrich von Stromberg meinte, ein Kreisverkehr sei seiner Meinung nach an dieser Stelle nicht angebracht.

Jochen Steinwand wies darauf hin, dass eine Ampel nur eine Scheinsicherheit biete, da die Autofahrer dort manchmal noch mit 70 Stundenkilometern durchrauschten, auch wenn der Fußgänger bereits Grün habe. Einen Kreisverkehr könnten Verkehrsteilnehmer nicht mit einer so hohen Geschwindigkeit anfahren.

Thomas Mutschler (FWV) meinte, man könne insbesondere den Bewohnern des Glatttals nach dem Brückenneubau in Hopfau nicht gleich noch einmal so eine große Verkehrseinschränkung mit Umleitung zumuten. Steinwand konnte diese Sorge nehmen. Er gehe nicht davon aus, dass es beim Kreisverkehrbau zu einer Vollsperrung kommen werde.

André Amon (SPD) fragte, inwieweit sich die Baumaßnahme mit einem Radweg auf die Schillerhöhe vereinbaren lässt. Bürgermeister Gerd Hieber sagte zu, man werde das Kreisverkehr- und Radwegekonzept übereinanderlegen und prüfen, wie es zusammenpassen könne.

Letztlich wurde die Vergabe des Ingenieurhonorars bei zwei Gegenstimmen beschlossen.

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