Das Museum „Kultur im Schloß“ zeigt eine Sonderausstellung zum 40-jährigen Bestehen der Wolfacher Kinzigflößer. Ein Teil der Schau ist eingebettet in die Dauerausstellung der Wolfacher Geschichte im großen Saal.
Außerdem bietet in der Flößerstube eine Diapräsentation viel Wissenswertes über das Handwerk des Kulturerbes Flößerei. Weiterhin zeigt ein Film von Edgar Baur Höhepunkte aus den vergangenen 40 Jahren über die Kinzigflößerei. Baur, Fotograf und Mitglied des Vereins stellte den Streifen für die Ausstellung zur Verfügung. Ins rechte Licht gerückt in der Vitrine wurde auch das Floßmodell von „Metzgerpeter“ Albert Peter, der es um 1900 als Spielzeugfloß herstellen ließ. Es sollte mehr als 80 Jahre später als Vorlage für das Floß der Wolfacher dienen, bei dem 47 Stämme verbaut wurden.
„Vor 40 Jahren gab es keine digitalen Aufnahmen und wir haben die meisten Bilder aus dem Bestand der Flößer während vieler Stunden eingescannt“, schilderte Sylvia Reiser vom Verein „Kultur im Schloss“ beim Pressegespräch die zeitaufwendigen Vorbereitungen. An mehreren Multimedia-Stationen können die Besucher auf Zeitreise gehen mit den Flößern, die an internationalen Teffen teilgenommen haben. Bei der von Martin Seger konstruierten Europakarte können die Besucher auf Knopfdruck Fotos abrufen, die bei den Zusammenkünften der Flößer entstanden sind.
Ein besonderes Stück Zeitgeschichte dokumentieren die Aufnahmen von der Teilnahme am „Wasserkorso“ in Berlin 1987 anlässlich des 750-jährigen Bestehens der damals noch in Ost und West geteilten Stadt. Seinerzeit waren zu dem Festzug auf unter anderem der Spree historische Wasserfahrzeuge aus ganz (West-)Europa eingeladen. Wolfacher Fans hatten einen Bus gechartert, um an dem Großereignis teilzunehmen.
Akribisch hat Seger die Besuche der Flößer in unter anderem Spanien, Tschechien bis nach Finnland und Bosnien-Herzegowina aufgelistet und auf der Karte abgebildet – es fehlt nur das Übersee-Treffen in Kanada. Einige der Fotos wurden großformatig aufgezogen, wie die Porträts der Gründungsmitglieder Ewald Fritsch und Eugen Dieterle. Das Credo der Ausstellung ist laut Reiser: „Weniger ist mehr.“ Den Exponaten sollte Raum gewährt werden, um zu wirken. Manfred Schafheutle, Mitglied der Kinzigflößer, ergänzte, dass einige kleinformatige Artefakte zum „Anfassen“ aus verschiedenen Holzarten das Wirken der Flößer veranschaulichen.
Erstes Interesse an der Ausstellung wurde laut Reiser schon gezeigt: zwei Waldorfschulen möchten während ihres Aufenthaltes in Wolfach möglichst viel über die Flößerei erfahren und auch die Schau besuchen. Am 11. Juni wird Historiker Hans Harter über den Wolfacher Oberschiffer Johan Armbruster „Mit Holz nach Holland“ referieren.
Öffnungszeiten
Das Museum im Schloss ist dienstags, donnerstags, samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.