So sieht der Widerstand aus. die IG Erbhöfe. Foto: Eva-Maria Huber

Statt landwirtschaftliche Flächen „zu vernichten“ und ein Naherholungsgebiet „zuzuklatschen“ schlagen die Anwohner Alternativen vor: Wenn Module, dann nicht auf Äckern oder Wiesen, sondern auf den vielen, noch von Photovoltaik freien Dächern.

Der kalte Wind, der hoch über der Stadt nahe dem Huberhof blies, widerspiegelte die Stimmung all derer, die sich vor einer großen Schautafel am Donnerstagabend versammelten: Knapp 20 Eigentümer, Pächter. Darunter auch ehemalige Besitzer, die längst nicht mehr auf den Bertholdshöfen zwischen Villingen und Schwenningen leben, wie Bernd Hirt, sich aber für den „Landschaftserhalt Bertholdshöfe“ stark machen.

 

Nach gut einer Stunde war klar: Der starke Gegenwind mit Blick auf den von Stadt und Stadtwerke geplanten Solarpark bleibt. „Wir müssen zusammenhalten“, so das Credo.

Mit ihrem Widerstand gegen das Großprojekt stehen die Bertholdshöfler nicht alleine da. Weit über 300 Kommentare in den sozialen Netzwerken machen deutlich, dass viele Bürger aus VS sich mit den betroffenen Anwohnern solidarisieren. Eindeutige Botschaft: Bleibt standhaft.

24 Familien betroffen

Ursula Glunk, von der Interessengemeinschaft (IG) Erbhöfe, stellte das Positionspapier der IG vor. Zahlen spielten beim Donnerstagstermin eine zentrale Rolle, verbriefte aber auch Zahlen, die hinterfragt werden. 24 Familien sind von den Plänen betroffen, vier Landwirte. Das Planungsgebiet für den Solarpark umfasst 80 Hektar, auf etwa 50 Hektar sollen Module installiert werden.

60 Prozent der Fläche sind in städtischem Besitz, die restlichen 40 Prozent im Eigentum von Privatleuten. Andere Angaben dagegen sorgen auch bei der IG für Diskussionen und Spekulation. Wie viele Eigentümer seien denn dazu bereit, ihr Land für Solarmodule herzugeben? 15, 5, 2 oder doch nur einer? Von den zuletzt ins Spiel gebrachten fünf Unterschriften, sei gerade mal noch eine übrig, so der Tenor der Erbhöfler. Von einem zweiten Anwohner weiß die IG, dass dieser wieder zurückgezogen hat. „Die Lebensmittelproduktion ist eben wichtiger als die Stromproduktion“, so eine weitere Stimme.

In bester Gesellschaft mit dem Ökoinstitut Freiburg

Die zentrale Aussage im umfangreichen Positionspapier machte Dietmar Wildi, Pächter und Gemeinderatsmitglied, noch einmal deutlich: „Wir sind nicht gegen PV-Anlagen, im Gegenteil, nur gegen Freiflächenanlagen.“ Und mit dieser Bewertung befinden sich die Bertholdshöfler in bester Gesellschaft mit dem Ökoinstitut Freiburg, das zu dem Fazit kommt: „Um Nutzungskonflikte zu vermeiden, sollte zum einen weiterhin ein großer Anteil des PV-Ausbaus auf Dachflächen erfolgen und Freiflächenanlagen vorrangig auf vorbelasteten oder versiegelten Flächen erfolgen.“

Und noch ein weiteres längst bekanntes Gegenargument holen Ursula Glunk und Bernd Hirt aus dem Köcher. Der Netzausbau lahme hinterher, Speichermöglichkeiten fehlen. Allein von 2010 bis zum Jahr 2022 wurden 8.1 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien abgeregelt, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Eben dann, wenn die Netzkapazitäten nicht ausreichen, um den insgesamt erzeugten Strom abzutransportieren. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. Die Kosten für diese „Redispatch“-Maßnahmen beliefen sich 2022 auf 2,69 Milliarden Euro.

Eine Tafel informiert über das Projekt Solarpark und Alternativen. Foto: Eva-Maria Huber

„Wenn PV, dann sollten wir auf die Dächer gehen“, regt die Initiative an. Was bereits Bernhard Bolkart, Präsident des Badisch Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) kritisiert hatte, rügen auch die betroffenen Landwirte (und nicht nur sie): Durch den groß dimensionierten Park gehe weitere und zudem als wertvoll eingestufte Agrarfläche verloren. „Hier sind die besten Böden“, entnimmt Dietmar Wildi einer behördlichen Expertise.

„Uns blutet das Herz“

Ein Unding, auch für Wolfgang Schwörer und Daniela Althaus, „weil immer mehr Verbraucher doch regionale Produkte kaufen möchten“. Vom „massiven Eingriff“ in die Natur und der „Zerstörung eines beliebten Naherholungsgebietes“ ganz abgesehen, „unserem Central Park“, wie Glunk das weitläufige wie exponierte Terrain bezeichnet. „Uns blutet das Herz“, fasst sie die Stimmung zusammen. „Wir möchten ins Grüne und nicht auf Module schauen“, ergänzt Althaus.

Alternative Dach

Ideen für Standorte
  Weg von den Bertholdshöfen und hin zu den Dächern oder anderen Flächen in VS: Die Interessengemeinschaft Erbhöfe hat sich Gedanken über Alternativen zum Solarpark auf den Bertholdshöfen gemacht und diese in ihrem Positionspapier und ihrer Schautafel dargestellt: Eine PV-Fläche von 33 Hektar wäre möglich, wenn Module unter anderem in der Erddeponie Bärenthal, Messegelände (Parkplätze), Brachfläche an Zollhäusleweg, Kopsbühl und Gaskugel installiert werden. Zudem seien im Gewerbegebiet Salzgrube manche Dachflächen noch ohne Photovoltaikanlagen, Potenzial, so die Schätzungen der IG, gut fünf Hektar. Addiere man die Fläche freier Hallendächer dazu, etwa zwei Hektar, komme man auf rund 70 000 Quadratmeter, also sieben Hektar. Zusammen rund 40 Hektar.