Drogenhandel, Gewaltexzesse, Razzien: Der Stühlinger Kirchplatz in Freiburg macht wieder mit negativen Schlagzeilen von sich reden. Stadt und Polizei arbeiten derzeit an einem Konzept, um den Platz wieder sicherer und attraktiver zu machen.
Eine Messerstecherei mit lebensgefährlichem Ausgang und ein polizeibekannter Nordafrikaner in U-Haft waren zuletzt die traurigen Höhepunkte einer ohnehin schon traurigen Episode in der jüngeren Freiburger Stadtgeschichte. Der Stühlinger Kirchplatz, westlich vom Hauptbahnhof gelegen, sei „nur schön, wenn man Drogen kaufen will“, schreibt ein Nutzer im Internet über seine Eindrücke aus Freiburg. Nun arbeitet die Stadt an einer Nutzungskonzeption, die den Platz wieder zum Treffpunkt für alle machen soll.
Auch Ruhestörung ist ein Problem am Kirchplatz
Was genau im Rathaus ausgeheckt wird, weiß noch keiner. Und auch der Bürgerverein Stühlinger erfuhr Anfang März nach einem Gespräch mit dem zuständigen Freiburger Bürgermeister Stefan Breiter (CDU) noch keine Details. Trotzdem zeigte sich die Vereinsvorsitzende Daniela Ullrich nach dem Gespräch nicht unzufrieden: Stadt und Polizei täten ja, was sie können, um den Platz sicherer zu machen. Aus der Erfahrung der Vergangenheit wisse man, dass die Zahl der Straftaten dort wie in einer Wellenbewegung steigen und fallen würde. Derzeit, so Ullrich, gebe es zudem vermehrt Ruhestörungen zu beklagen.
Diese Störungen haben viel zu tun mit Gruppen junger Nordafrikaner, die derzeit auf dem Platz verstärkt anzutreffen sind und die der Polizei in ganz Freiburg viel Arbeit machen, so Pressesprecher Özkan Cira: „Wir verzeichnen tendenziell steigende Zahlen im Bereich der Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum. Das betrifft die gesamte Innenstadt.“
Verdeckte Ermittlungen führen um Erfolg
Auf dem Platz habe man es mit vielen verschiedenen Personengruppen zu tun. „Hierunter sind unter anderem gambische und deutsche Staatsangehörige, zuletzt aber auch vermehrt Gruppen mit algerischer, tunesischer und marokkanischer Staatsangehörigkeit“, so Cira. Allein im vergangenen November und Dezember habe die Polizei dort nach „konzentrierten Maßnahmen“ rund 100 Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Arzneimittelgesetz eingeleitet. Meist seien verdeckte Ermittlungen dem Fahndungserfolg vorausgegangen, weshalb in dieser Zeit die sichtbare Polizeipräsenz reduziert wurde. Alleine mit polizeilichen Maßnahmen lasse sich das Problem nicht lösen, weshalb man froh über die Vorstöße der Stadt sei.
Wildpinkler und Drogendealer
Für Daniela Ullrich sind vor allem zwei Dinge wichtig: „Wir haben lange gefordert, dass die öffentliche Toilette unter der Stadtbahnbrücke, die auf den Platz führt, von der Stadt geöffnet wird, damit die ,Wildpinkelei’ ein Ende hat.“ Es sei gut, dass die Stadt hier reagiert habe. „Und was halt überhaupt nicht geht, sind ,Dealereien’, bei denen noch dazu Kinder angesprochen werden.“ Dagegen tut die Freiburger Polizei das, was sie schon seit Jahren auf und rund um den Platz tut: Sie hält den Kontrolldruck hoch und führt Aktionen gegen die Drogenszene durch, die von der linken Szene in Freiburg jedoch wiederholt als rassistisch motiviert kritisiert worden sind.
Platz soll ’Wohnzimmer für alle“ werden
Flüchtlinge und Obdachlose auf dem Platz müssten stattdessen von der Stadt in „einem geeigneten Format“ in die künftigen Konzepte als „Wohnzimmer für alle“ eingebunden werden, fordert Stadtrat Simon Waldenspuhl von der linksgerichteten JUPI-Fraktion.
Ob das mit dem „Wohnzimmer“ irgendwann Realität wird, ist für Ullrich ungewiss: „Der Stühlinger Kirchplatz ist zuletzt zu einer Art ,Lost Place’ geworden, den sich dann andere Gruppierungen angeeignet haben“, so die Vereinsvorsitzende.