Die Wild Wings wollen in der Viertelfinal-Serie gegen Straubing vier Siege bejubeln. Foto: Jonas Brockmann/Eibner

Die ersten sieben Saisonmonate sind beim DEL-Viertelfinalisten von vielen positiven Aspekten geprägt. Kyle Platzer ist der Topscorer. Die noch vorhandenen Baustellen: Powerplay und Bullyspiel. Interessant sind auch die Vergleiche mit den Straubing Tigers.

Die Wild Wings haben ihre bislang erfolgreichste Hauptrunde in der DEL seit ihrem Comeback in 2013 absolviert. Vor dem Start der Play-off-Viertelfinalserie am Samstag in Straubing gibt es den Rückblick auf die vergangenen sieben Monate in dieser Saison.

 

A wie Auswärtsbilanz. Wenn es an dieser bislang hervorragenden Saison der Wild Wings etwas zu kritisieren gibt, dann sind es die Auswärtsauftritte. In der Auswärtstabelle der Hauptrunde rangieren die Wild Wings mit nur 26 Punkten (1,0 Zähler im Schnitt pro Spiel) auf dem 12. Tabellenplatz. Zum Vergleich: Im Vorjahr holten die Schwenninger in fremden Stadien 1,50 Punkte im Schnitt und waren auswärts das fünftbeste Team.

B wie Bullystatistik. Auch hier haben die Wild Wings in den Play-offs Luft nach oben. In der Hauptrunde lag die Erfolgsquote bei den Bullys nur bei 46,91 Prozent – vorletzter Platz. Bremerhaven war in der Face-off-Statistik mit 54,34 Prozent führend.

C wie Captain. Der aus Mannheim vor der Saison neu gekommene Verteidiger Thomas Larkin wurde vom Trainerstab als neuer Mannschaftskapitän bestimmt. Schwenningens Nummer 37 füllt die Rolle hervorragend aus.

„Wir sind nicht nur eine Mannschaft, sondern ich sehe uns sogar auch als eine Familie. Dies habe ich bisher noch nie so erlebt“, sagt Thomas Larkin.

D wie Defensive. Mit 145 Gegentoren (im Schnitt 2,78 pro Spiel) rangieren die Wild Wings nach 52 Hauptrundenspielen hier auf dem sechsten Platz in der DEL. Interessant: Viertelfinal-Gegner Straubing weist mit 137 Gegentreffern – zusammen mit München – hinter Bremerhaven die zweitbeste Defensive auf.

E wie Einsätze. Kyle Platzer und Daniel Pfaffengut absolvierten jeweils alle 52 Hauptrundenspiele. Dahinter folgen mit jeweils 51 Einsätzen: Zach Senyshyn, Alex Karachun, Ben Marshall, Alex Trivellato und Daryl Boyle.

Bei den Einsätzen im Schnitt pro Spiel auf dem Eis führt Thomas Larkin (20:59 Minuten) vor Alex Trivellato (19:06) und Benjamin Marshall (18:56).

F wie Fairplay. In dieser Tabelle rangieren die Wild Wings mit 527 Gesamtstrafminuten auf Platz neun. Im Schnitt kassierten die Neckarstädter pro Spiel 10:13 Minuten. Fairstes Team in der Hauptrunde war Iserlohn (417 Strafminuten).

Der Rückhalt

G wie Goalies. Joacim Eriksson verzeichnete 41 Einsätze. Mit einer Fangquote von 91,8 Prozent ist Schwenningens Nummer 1 bei den DEL-Torhütern Dritter – hinter Hannibal Weitzmann (Wolfsburg/93,79) und dem Straubinger Florian Bugl (91,89). Mit drei Shutouts ist Eriksson in dieser Rangliste Vierter.

Backup Cody Brenner stand 13 Mal in der Hauptrunde zwischen den Pfosten mit einer Gegentorquote von 3,71 im Schnitt pro Spiel.

H wie Heimbilanz. Das Prunkstück der Wild Wings in den ersten 52 Saisonspielen. Mit 59 Punkten (20 Siege in 26 Partien) steht Schwenningen an erster Stelle. Knapp dahinter folgt Viertelfinal-Gegner Straubing mit 58 Punkten.

Die Heimstärke beider Teams wird sicherlich ab Samstag auch diese Play-off-Serie prägen.

I wie Input. Erstmals seit dieser Saison haben die Wild Wings mit dem früheren Spieler Kevin Richter einen Techniktrainer. Er arbeitet individuell mit den Spielern zusätzlich an den technischen Basics. Nicht nur Top-Stürmer Alex Karachun lobt Richters Arbeit: „Die Übungen bringen dich sehr gut weiter.“

Kyle Platzer war in der Hauptrunde der Topscorer der Wild Wings. Foto: Eibner

J wie Jaakko Valkama. Auch der neue Torwarttrainer begeistert. Selbst ein Klassetorhüter wie Joacim Eriksson lernt beim Finnen Neues: „Jaakko coacht uns auf und neben dem Eis hervorragend.“

K wie Konstanz. Dieser Aspekt war auch der große Unterschied der Wild Wings im Vergleich mit den Schwenninger Teams in den vergangenen Jahren.

Die Mannschaft von Coach Steve Walker erlebte in den ersten sieben Saisonmonaten leistungsmäßig keinen großen Einbruch. Nur die vier Niederlagen in Serie am Ende der Hauptrunde bedeuteten im Gesamtbild einen kleinen negativen Ausreißer.

L wie Liebe und Leidenschaft. Das ist der Slogan der Schwenninger Fans seit Jahren. Einige Enttäuschungen mussten sie in den ersten zehn DEL-Jahren verdauen. Aber sie blieben treu. Eine Treue, die in dieser Saison belohnt wird. Nicht zu vergessen: Herzblut!

M wie Marshall. Der Verteidiger, ein technisch sehr guter Skater, verbuchte sechs Tore und 19 Assists. Er gilt als einer der besten Neuverpflichtungen bei den Wild Wings in den vergangenen Jahren.

Der Naturliebhaber fühlt sich auch privat wohl in Schwenningen. Seinen Vertrag hat er inzwischen verlängert.

N wie Niederlagen. Klare Pleiten waren eine Rarität. Die beiden Schwenninger Negativ-Höhepunkte in der Hauptrunde: Am 22. September ein 2:7 in Ingolstadt und am 1. Oktober ein 0:6 in Bremerhaven.

O wie Overtime. Viermal fiel für das Walker-Team jeweils in der Verlängerung eine Entscheidung. Die Bilanz fiel mit 3:1-Siegen positiv aus.

Überzahl

P wie Powerplay. Doch eine der größeren Baustellen bisher im Schwenninger Team. Mit Verteidiger Ville Lajunen und Miks Indrasis waren zwei hervorragende Powerplay-Spieler der vergangenen Runde in dieser Saison nicht mehr dabei. In der Überzahl-Tabelle rangiert Schwenningen mit einer Erfolgsquote von nur 15,3 Prozent an vorletzter Stelle. Zum Vergleich: Viertelfinal-Gegner Straubing ist mit 21,77 Prozent zweitbestes Powerplay-Team in der Hauptrunde gewesen. Schwenningens Sport-Geschäftsführer Stefan Wagner und Coach Steve Walker wissen schon jetzt: Unter den kommenden Verpflichtungen soll auch wieder ein Spieler zu finden sein, der überdurchschnittlich gut im Powerplay agiert.

Q wie Qualität des Kaders. Bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft vor dieser Saison verdienten sich Stefan Wagner und Steve Walker Bestnoten. Besonders bemerkenswert: Jeder Spieler füllt seine Rolle sehr gut aus.

Auch Benjamin Marshall ist ein Erfolgsgarant der Wild Wings. Foto: Eibner/Häsler

Die Verantwortung im Spiel sowie die Torausbeute ist – im Vergleich zu den Vorjahren – nun auf viele Schultern verteilt. Auch charakterlich ist das Team 2023/24 top. Der Zusammenhalt ist sehr groß.

R wie Routiniers. Bei einer erfolgreichen Mannschaft macht es auch die Mischung zwischen Erfahrung und Talent aus. Diese stimmt ebenfalls bei den Wild Wings. Neuzugänge wie Thomas Larkin, Ben Marshall oder Daryl Boyle gelten als Macher und Siegertypen, die im Eishockey schon sehr viel erlebt haben – vor allem auch Titel holten.

S wie Spielsystem. Vieles auf dem Eis wurde neu unter Steve Walker – vor allem auch die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in den Heimspielen präsentiert.

Jürgen Klopp, auch ein Verfechter des aggressiven Offensivstils, würde dazu sagen: „Die Wild Wings spielen in der Helios Arena Vollgas-Eishockey.“ Exakt so eine Spielweise lieben die Schwenninger Anhänger und honorierten dies mit bereits acht ausverkauften Heimspielen.

T wie Topscorer und Tore: Mit 159 erzielten Treffern waren die Wild Wings offensiv das viertbeste Team der Hauptrunde. Topscorer der Wild Wings war Kyle Platzer mit 44 Punkten (17 Tore/27 Assists). Auf Platz zwei folgt Alex Karachun mit 43 Punkten (20/23). Dritter ist Daniel Pfaffengut mit 34 Zählern (20/14). Die beiden besten Torschützen sind somit Karachun und Pfaffengut im Schwenninger Team. Beide spielen – allein statistisch gesehen – ihre bisher beste DEL-Saison.

U wie Unterzahl. Mit einer Erfolgsquote von 84, 36 Prozent sind die Wild Wings guter Sechster in der Liga. Viertelfinal-Gegner Straubing verzeichnet hier nach der Hauptrunde mit 88,27 Prozent das erfolgreichste Penalty-killing.

V wie Verletzte. Die Wild Wings hatten in der Hauptrunde nicht das große Verletzungspech, doch einige punktuelle Ausfälle wie von Tyson Spink (knapp acht Wochen wegen einer Armverletzung) oder von Sebastian Uvira (sechs Wochen Pause aufgrund einer Fuß-Fraktur) wogen schwer.

W wie Walker. Der beste Trainer bei den Wild Wings seit Jahren. Am Montag wurde er in München zum „Coach des Jahres“ in dieser DEL-Saison gekürt. Der einstige Top-Torjäger bleibt bescheiden: „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, aber verdient haben diese auch die Mannschaft, mein Trainerstab und der Club.“

X wie XL. Mit Spannung wird das Jubiläumstrikot des SERC im Sommer erwartet. Das Schwenninger Eishockey feiert dann seinen 120. Geburtstag.

Y wie Youngster. Daniel Neumann, Philip Feist oder auch Boaz Bassen gelang der nächste große Schritt in ihrer Entwicklung.

Sie sind wichtige Faktoren im Team. Überraschend stark präsentiert sich das von Mannheim nachverpflichtete Verteidiger-Talent Arkadiusz Dziambor, der sich sofort im Kampf um die Stammplätze in der Defensive durchsetzte.

Z wie Zuschauer. Die DEL ist gefragt wie nie in dieser Saison. Die Wild Wings verzeichneten in 26 Heimspielen einen Schnitt von 4700 Zuschauern, stehen aber dennoch „nur“ an neunter Stelle. Zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr lag der Schnitt in der Helios Arena bei 3852 Besuchern. In dieser Hauptrunde sind die Kölner Haie mit 16 993 Zuschauern im Schnitt Spitzenreiter.