Schüler steigen in einen Bus in Horb ein. Doch im kommenden Schuljahr könnte es zu Problemen bei der Schülerbeförderung kommen. Foto: Maria Hopp

VGF-Geschäftsführer Franz Schweizer ist besorgt: Die Lage beim Schülerverkehr ist so dramatisch wie noch nie. Ausfälle drohen. Der Chef des Nahverkehrsbunds erklärt, warum das der Fall ist und wie die Perspektive aussieht.

In ein paar Tagen startet die Schule. Die meisten Schüler fahren mit dem Bus. Und schon in der Vergangenheit waren manche Busse proppenvoll. Beschwerden von Eltern waren keine Seltenheit. Doch die Lage könnte sich jetzt verschärfen.

 

Der Grund: Durch den Fachkräftemangel könnte es so eng wie nie werden. Franz Schweizer, Geschäftsführer des Nahverkehrsverbunds VGF befürchtet: „Es könnten Busse ausfallen.“ Ein Problem, das es auch in anderen Regionen gibt, beispielsweise auch in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Der Fachkräftemangel – überall ein Thema, auch bei den Busunternehmen

Schweizer: „Wir Busunternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand. Stand heute gehen dieses und nächstes Jahr allein in meinem Betrieb 20 Prozent der Busfahrer in Ruhestand. Es wird richtig schwer, die zu ersetzen.“

Schon jetzt sind die Busfahrer-Kapazitäten im Landkreis auf Kante genäht. „Wenn Sie mich vor einem Jahr gefragt hätten, ob wir einen Schulbus ausfallen lassen, hätte ich das verneint. Jetzt bin ich ruhig. Bei uns fährt alles, was fahren kann. So eng und durchgängig war die Personalsituation noch nie.“

Wenn Busfahrer krank werden, droht das Worst-Case-Szenario

Das könnte dazu führen, dass Schulbusse gestrichen werden müssen. Schweizer: „Wenn nur zwei Busfahrerkollegen auf einmal krank sind, dann wäre es so weit. Wir würden dann die Verstärkerbusse als erstes streichen.“

Allerdings, so der VGF-Geschäftsführer: „Busstreichungen sind für uns wirklich nur das allerletzte Mittel. Rechtlich haben wir ‚Beförderungspflicht‘ und sind dieser – im Gegensatz zur Deutschen Bahn – die letzten 90 Jahre immer nachgekommen. Es gab meines Wissens im Landkreis bisher noch nie einen Fahrplanausfall – außer aus technischen oder unfallbedingten Folgen.“

Werden Schulbusse so voll wie nie, weil die Verstärker fehlen?

Schweizer: „Wir waren im Verbund mit seinen privaten Strukturen immer sehr gut bedient. Ich bin guter Hoffnung, dass dies auch so bleibt. In jedem Fall werden die ansässigen Unternehmen alles unternehmen, Fahrtausfälle oder überfüllte Busse zu vermeiden.“

In anderen Verkehrsverbünden gibt es das schon. Schweizer: „In Stuttgart (VVS) und Karlsruhe (KVV) fallen Strassenbahnfahrten wegen Fahrermangel aus – das gab es im Landkreis FDS noch nie!“

Sind Leih-Busfahrer eine Möglichkeit?

VGF-Geschäftsführer Schweizer sagt dazu: „Wir bekommen wöchentlich Angebote von Personalagenturen aus ganz Europa. Den Weg sind wir noch nicht gegangen. Für uns gehört zur Beförderung, dass der Fahrer sich mit den Fahrgästen verständigen kann und nicht nach Navi fährt.“

Sind unterschiedliche Anfangszeiten in den Schulen die Lösung?

Seit Jahren kämpft die VGF für unterschiedliche Schulanfangszeiten. Eine Debatte, die es auch deutschlandweit gibt. Schweizer: „Seit Jahren versuchen wir, verschiedene Schulanfangszeiten im Einvernehmen mit den Lehrern und Elternvertretern zu erreichen. Da tut sich nichts. Wenn man in einem Bereich die Anfangszeiten nur um 30 Minuten verschieben könnte, dann könnten wir allen Schülern eine tolle Beförderung im Sitzen anbieten!“