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Schramberg "Mit brachialer Gewalt durch den Wald"

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Die Arbeiter verlegen Stromkabel für die Windkraftanlage auf der Falkenhöhe. Foto: Privat

Schramberg-Tennenbronn/Lauterbach - Die Verlegung der Stromkabel für die Windkraftanlagen auf der Falkenhöhe belasten die Natur. Ein Waldbesitzer bereitet eine Schadensersatzklage vor.

Zur Zeit werden die Stromleitungen für den Anschluss der drei Windkraftanlagen auf der Falkenhöhe an das Umspannwerk in der Schiltachstraße verlegt, um dort an das Stromnetz der Netze-BW GmbH (EnBW) angeschlossen zu werden. Den größten Teil der Trasse verlegt die RES Deutschland entlang bestehender Wege mittels Kabelpflug oder in offener Bauweise. Wo es technisch nicht anders möglich ist, werden die Kabel mittels Bohrung mit Spezialmaschinen verlegt. Das geschieht zur Zeit im Lauterbachtal auf der Höhe des Sammelweihers. Dort wird es unter der Landstraße L 108 durchgeführt.

"Mit brachialer Gewalt wurde eine Schneise durch den Mooswald geschlagen"

Dass für den Anschluss des Windparks Stromkabel verlegt werden, war natürlich auch einem betroffenen LAuterbacher Waldeigentümer bekannt. Etwa 300 Meter der Trasse führen nach seinen Angaben genau an der Grenze seines Waldstücks im Mooswald entlang. Als er kürzlich seinen regelmäßigen Kontrollgang im Wald machte, musste er feststellen, dass ohne Ankündigung und Absprache die Arbeiten bei seinem Waldstück bereits in vollem Gange waren. Auch dass vor der Verlegung der Kabel ein unberührter zugewachsener Waldweg auf seinem Grundstück ohne Absprache gemulcht worden war, damit die Maschinen entlang fahren konnten. Dabei waren auch größere Schäden an Bäumen und Wurzeln auf seinem Grundstück entstanden.

"Gnadenlos mit brachialer Gewalt wurde mit großem Gerät eine breite Schneise durch den unberührten Mooswald geschlagen", berichtete er unserer Zeitung über die Verlegung der Kabel. Auch die Wurzelstöcke der Bäume und der Jungbewuchs seien einfach herausgerissen worden. Durch den geringen Abstand zu seiner Grenze hätten die Maschinen viele Wurzeln seiner Bäume beschädigt. "Man sieht die Folgen nicht gleich, die Bäume sind immer noch grün, aber es besteht die Gefahr, dass sie in den kommenden Jahren erkranken und absterben".

Auf seine Beschwerde hin wurde ihm von der Windkraft Schonach erklärt, das sei alles so genehmigt, weil außerhalb seines Grundstück gearbeitet werde, müsse er nicht informiert werden. Die Schäden hat er umgehend fotografisch dokumentiert und sich bei der Windkraft Schonach beziehungsweise RES Deutschland beschwert, zudem Schadensersatz verlangt. Mündlich sei ihm eine viel zu geringe Summe angeboten worden.

Schneise aus "ökologischen Gründen" durch Mooswald

Ursprünglich hätten die Windkraft Schonach/RES Deutschland die Kabel über sein Grünland führen wollen. Dafür habe er nie eine schriftliche Anfrage erhalten, nur ein mündliches Angebot mit einem für ihn viel zu niedrigen Betrag. "Ich wollte mich nicht mit ein paar Euro abspeisen lassen, vor allem auch keine dauerhafte Grunddienstbarkeit auf meinem Grundstücke eintragen lassen müssen", erläutert der Waldbesitzer.

Die Windkraft Schonach/RES Deutschland teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: "Wir haben einen Abstand von mindestens einem Meter zu dieser Grundstücksgrenze eingeplant und entsprechend markiert. Wurzelwerk des besagten Waldbesitzers, welches wir bei diesen Verlegearbeiten beschädigt haben, werden wir selbstverständlich angemessen entschädigen. Am Tage der Verlegearbeiten hat die ökologische Baubegleitung den Eingriff aufgenommen und entsprechend dokumentiert", erklärte Philip Thiemann von der ALM Construction der RES Deutschland in Vörstetten. Von einem gemulchten Waldweg sei allerdings nichts bekannt. "Wenn wir genauere Informationen dazu bekommen, überprüfen wir das gerne und übernehmen gegebenenfalls die Verantwortung", versicherte Thiemann.

Auf die Frage, warum die Trasse mitten durch den unberührten Mooswald geführt wurde, antwortet er ausführlich: "Aus ökologischen Gründen sind wir angehalten, die Netztrasse entlang von Waldwegen oder Rückgassen umzusetzen. Dass die Trasse durch das Gebiet des Mooswaldes führt und nicht am Waldrand entlang liegt daran, dass der oben genannte Waldbesitzer nicht bereit war, die Netzleitung über sein Grundstück entlang zu führen. Dadurch waren wir gezwungen, die deutliche aufwendigere und längere Passage durch den Mooswald in Kauf zu nehmen. Mit der zuständigen Behörde haben wir die Situation allerdings lösen können und es liegt eine naturschutzfachliche Genehmigung für den aktuellen Trassenverlauf vor."

Betroffene Waldbesitzer bekommen Angebot

Und was die Entschädigung betreffe, habe die ökologische Baubegleitung die betroffenen Bäume sowie Beschädigungen einzelner Wurzelstränge am Tage der Verlegearbeiten aufgenommen und dokumentiert. "Zur Höhe der Entschädigung stimmen wir uns mit den örtlichen Revierförstern ab und unterbreiten dem betroffenen Waldeigentümer ein entsprechendes Angebot."

Jüngst habe der Waldeigner, wie er uns mitteilt, zum strittigen Thema einen Anruf von Thiemann erhalten, das Telefonat habe aber auch nicht weitergeführt. Er hat nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der eine Schadensersatzklage vorbereiten soll. "Ich sehe ein vorsätzliches Handeln darin und ich möchte, dass der Schaden von neutralen Gutachtern festgestellt wird, nicht von Gutachtern, die im Auftrag der Windkraft Schonach arbeiten und von diesen bezahlt werden", verlangt er.

Der Windpark Falkenhöhe besteht aus drei Windenergieanlagen des Typs Vestas V 136 mit einer Nabenhöhe von 149 Metern, die sich an den Gemarkungsgrenzen zwischen Lauterbach, Tennenbronn und Hornberg-Reichenbach befinden. Die Bauleitung und -koordination des Windparks erfolgt durch die RES Deutschland GmbH als Generalunternehmen. Seit 2015 ist die Windkraft Schonach GmbH, die das Projekt gestartet hat, ein Tochterunternehmen der RES Deutschland.

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