Auch mit 79 Jahren denkt Peter Renz noch lange nicht an den Ruhestand. Foto: Zeger Foto: Schwarzwälder Bote

Porträt: Der Schramberger Unternehmer Peter Renz geht in der Pandemie und mit 79 Jahren neue Wege

Schramberg. Der perfekte Start in den Tag beginnt für den Schramberger Peter Renz auf dem satten Grün in Königsfeld (Schwarzwald-Baar-Kreis). Dort auf dem Golfplatz zieht er um halb acht – am liebsten mutterseelenallein – seine Bahnen. Wie so oft im Leben kommt es auch beim Golfen auf den richtigen Schwung an – und das ist genau das Thema des 79-Jährigen. "Mich ärgert es, wenn die Menschen meinen, in diesem Alter habe man ausgedient." Denn obwohl er schon längst gemeinsam mit seiner Frau die Rente genießen könnte, steht er mitten im Berufsleben. Nicht weil er muss, sondern weil er will. Einmal Unternehmer, immer Unternehmer. Und er ist lebenserfahren genug, um dem Corona-Chaos den Beigeschmack der Katastrophe zu nehmen und mitten in der Pandemie beherzt neue Dinge anzupacken.

Einmalig in Deutschland

In einem Firmenpark in Schramberg (Kreis Rottweil) hat Renz eine rund 850 Quadratmeter große Halle gemietet, in der er seine Ware nun "als Lehrpfad durch die Teppichwelt des Orients" präsentiert. "In ganz Deutschland macht so etwas niemand", ist Renz sicher. Dementsprechend groß sei auch das Einzugsgebiet. Die Käufer reisen aus Düsseldorf, Augsburg, Frankfurt und vom Bodensee nach Schramberg – und schauen sich bei dieser Gelegenheit oft auch das Städtchen an, gehen essen, shoppen oder ins Museum. "So haben auch der örtliche Einzelhandel und die Gastronomie noch etwas von dieser Aktion", meint Renz und schränkt ein: "Trotzdem leben wir aber ganz klar von den Kunden aus der Region."

Orient-Teppiche hätten ihr angestaubtes Image längst wieder abgelegt und seien mittlerweile bei jeder Generation "up to date". So kombiniere seine junge Kundschaft die textile Kunst sowohl auf Fliesenboden im Passivhaus als auch auf knarrenden Holzdielen im Schwarzwaldhof. "Das Farbgefühl der Nomaden im Iran ist legendär, dadurch wirken die alten Muster in den Teppichen, die oft aus Natur und Tierreich stammen, hochmodern", meint Renz, der 2019 sein erfülltes Leben in einem Buch zusammengefasst hat.

Graue Eminenz der Branche

Die Menschen sehnten sich, vielleicht gerade jetzt in der Pandemie, immer mehr nach schönen Dingen, mit denen sie sich in den eigenen vier Wänden umgeben können, sagt der Teppich-Experte.

Ein halbes Jahrhundert lang handelt Renz bereits mit handgeknüpften Orientteppichen. Im Schwarzwald zuhause, ist sein Name in halb Deutschland zur Marke geworden. Als profunder Kenner der Szene, als seriöser Händler, als zuverlässiger Dienstleister, als vereidigter Sachverständiger, als großzügiger Unterstützer zahlreicher sozialer Einrichtungen. Darunter übrigens auch eine Mädchenschule im Iran, dem Land, an dem sein Herz hängt. In der Branche gilt er als graue Eminenz, ist so angesehen, dass unter seinem Namen oft auch Schindluder betrieben wird. Erst jüngst haben sich Teppichhändler im Ruhrgebiet seinen guten Namen "ausgeliehen" und wollten so Geschäfte machen. Aber auch diesen Stolperstein stieß er mit Schwung beiseite. Denn Handicaps gibt es für Peter Renz eigentlich nur auf dem Golfplatz.

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