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Schiltach Vom Kampf

Von
Vom Kampf ums Überleben berichtet der Roman von Helga Harter. Foto: Schwarzwälder-Bote

Ein neuer Roman beschreibt das Leben im Lehengericht der 1920er-Jahre.

Schiltach. Heimatromane sind im Trend. In einer Zeit beschleunigter Globalisierung besinnt sich das Lesepublikum auf die eigene lokale Geschichte. Nun beleuchtet der Roman "Hausierer-Sophie" der Alpirsbacherin Helga Harter ein trauriges Kapitel Lehengerichter Vergangenheit.

Harter bezieht sich dabei auf eine Geschichte aus der eigenen Familienchronik des Jahres 1924. Wenn auch im Roman frei erzählt wird und manches geändert oder erfunden ist, das Schicksal der Urgroßmutter der Verfasserin, der Kampf ums Überleben von Sophie Bossert aus dem Rohrbach und ihrer Familie wurde von Generation zu Generation weitergetragen.

Rückkehr aus dem Krieg

Nun erinnert das Buch an sie alle. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Schicksal der Bosserts berührt, bringt den Leser aber auch hin und wieder zum Staunen. Helga Harter erzählt von der Zeit nach dem Erstem Weltkrieg und der Inflation. Not allerorten. Mancher Mann kehrte körperlich unversehrt, aber doch in der Seele zerstört und bar jeder Hoffnung auf eine bessere Zukunft heim. Hierzu gehört auch Sophies Ehemann Mathias. Einst stolzer Fabrikarbeiter in Lahr, muss er sich nun als Gelegenheitsverkäufer in der Region durchschlagen. Dabei ist er zwar gewitzt, doch beschreibt die Autorin ungeschminkt die Herablassung, mit der einem wie Bossert, noch dazu ein Fremder, begegnet wird. Das wird ihm schließlich auch zum Verhängnis. Eine seiner Töchter wird schwanger, mit 16 und unverheiratet. Eine Schande zu jener Zeit. Der tatsächliche Vater des Kindes bekennt sich nicht. Gerüchte in Schiltach und Lehengericht sprechen stattdessen von einer inzestuösen Vater-Tochter-Beziehung. Dem "Rumtreiber" wird die Tat von den Bauern und Honoratioren zugetraut, das "einfache Volk" folgt ihnen. Für die Familie Bossert nimmt das Schicksal nun unerbittlich seinen Weg.

Helga Harter hat so einen Entwicklungsroman verfasst. Sophie Bossert, jetzt allein mit der schwangeren Tochter, ohne Geld und gemieden von ihrem Umfeld, nimmt ihr Leben selbst in die Hand. Aus einer verängstigten Frau wird eine Kämpferin für das Überleben ihrer Familie. Neben der detailreichen und auch weitgehend stimmigen Beschreibung der damaligen Lebenswelt ist ihr Wachsen mit den Herausforderungen der Kern der Handlung.

Gerade Frauen auch späterer Generationen können sicherlich manche hier beschriebene Herabwürdigung der Art "eine Frau kann das nicht" nachspüren. Doch Sophie hält durch, sie tritt in die Rolle ihres Mannes und wird die "Hausierer-Sophie".

Autorin kennt Region genau

Wieviel Lokalkolorit steckt in dem Buch und macht es zu einem Lehengerichter Heimatroman? Seite für Seite wird deutlich: Die Autorin kennt die Region genau. Sie kennt die Landschaft und die Tücken der Natur, gerade in einem harten Schwarzwaldwinter. Sie beschreibt auch die Menschen jener Zeit. Helga Harter beweist Gespür für Stimmungen. Gerüchte, auch Tratschereien, dürfen nicht fehlen. Sie erzählt von einem harten und einfachen, auch einem durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Zwänge und Erwartungen begrenzten Leben damals. Da passt auch die bewusst einfache Schreibweise Harters, die die enge Beziehung zwischen Autorin und beschriebenen Personen noch verstärkt.

Den angesehenen Bürgern wird noch vielfach unhinterfragte Ehrfurcht entgegengebracht. So ersteht eine Welt, die uns in vielem bekannt und zugleich oft fremd erscheint.

das buch: Helga Harter: Hausierer-Sophie. Verlag Tredition, Hamburg 2017. Paperback-Ausgabe: 15,00 EUR

 
 

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Karin Zeger

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