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Schiltach Der Kampf ums tägliche Überleben

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Die Bäckerei Lehmann am Marktplatz um 1910, im Hintergrund das Gasthaus Adler. Foto: Stadtarchiv Foto: Schwarzwälder Bote

Die drückendste Sorge zu Kriegsende 1918 war die ungesicherte Versorgung der Schiltacher mit Lebensmitteln.

Schiltach. Im Krieg hatten die Männer zur Bestellung der Felder gefehlt, die chemische Industrie produzierte eher Kampfstoffe als Düngemittel und die Handelsblockade der Feindmächte verhinderte die Einfuhr dringend benötigter Nahrung. Diese Nöte herrschten auch in der "Provinz", gerade in einer Landstadt wie Schiltach.

Jenseits kleiner Gärtchen waren die Schiltacher auf die amtliche Versorgung angewiesen. Diese Rationen sollten im Verlauf des Kriegs aber immer knapper ausfallen. Besonders dramatisch zeigte sich das bei tierischen Fetten. Im September 1917 war für die Schiltacher mit 110 Gramm für eine Woche der offizielle Tiefpunkt erreicht. Wiederholte Hinweise der Stadtverwaltung, man müsse in den Geschäften nicht anstehen, da die Rationen für alle reichen würden, lassen eher das Gegenteil vermuten.

Mangel an Milch und tierischen Fetten

Mit Kriegsende verbesserte sich die Versorgung keineswegs – auch weil die landwirtschaftlichen Produzenten weniger Restriktionen bei der amtlichen Abgabe befürchten mussten. Die Stadtverwaltung beklagte daher, die Nahrung werde eher an die besser zahlenden Gastwirte als an die festgeschriebene Preise zahlende Zivilbevölkerung geliefert.

Ein besonderes Kapitel war die Versorgung mit Milch. Das städtische Schiltach war auf die Nachbargemeinden angewiesen. Doch waren die festen Abnahmepreise für die Bauern so unattraktiv, dass die Schiltach zustehenden Mengen kaum erzielt wurden.

Hinzu kam, dass Lieferungen über die Landesgrenze aus Württemberg ausblieben. Dies galt vor allem dann, wenn die Lebensmittelverteilung "von oben" staatlich geplant wurde und nicht mehr dem wirtschaftlichen Kreislauf vor Ort überlassen bleiben konnte. Die neue Republik musste da in der Wahrnehmung vieler Menschen nicht nur einen weniger glanzvollen, sondern auch schwächeren Staat als das alte Kaiserreich darstellen. Verbindet man mit Kriegsende und Revolution vor 100 Jahren gerade einen Kampf um die Zukunft, so brachte die Zeit für den Einzelnen meist einen Kampf ums tägliche Überleben.

Sterberate steigt durch "Spanische Grippe" nicht

Hier fällt eine Schiltacher Besonderheit auf: Auf das Sterben im Krieg schloss sich vielerorts das Sterben an der "Spanischen Grippe" ein – der besonders aggressive Grippevirus in diesem Jahr traf auf eine körperlich geschwächte Bevölkerung und schlug verheerend zu. Die Opferzahlen gingen weltweit in die Millionen. Zu ihnen gehörten unter anderem der Soziologe Max Weber und Frederick Trump, der in die USA ausgewanderte Großvater des heutigen US-Präsidenten. Die Sterbestatistiken für Schiltach zeigen für die Jahre 1918 bis 1920 aber keine erhöhten Sterberaten an – Erkrankungen mag es gegeben haben, aber eine Sterbewelle, wie sie beispielsweise für Villingen dokumentiert ist, blieb hier aus.

Lebensmittel blieben noch für viele Jahre knapp. Auch waren zahlreiche Menschen durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes oder die Kriegsfolgen verarmt und konnten die Preise nicht mehr zahlen. Hungerdemonstrationen fanden in Schiltach statt. Viele Waren blieben noch lange Zeit "bewirtschaftet". Dazu gehörten auch Festpreise und zeitweilige Verkaufseinschränkungen, die allerdings zugleich den wirtschaftlichen Fortschritt hemmten.

Erst nach dem Ende der Inflation 1923 zeigte sich auch in Schiltach eine langsame wirtschaftliche Erholung.

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