Theresa Hug war aktive Fußballerin – dann wechselte sie die Seiten. Als Schiedsrichterin ist die 28-jährige Aichhaldenerin eine echte Überfliegerin.
Theresa Hug aus Aichhalden, die lange Zeit beim SV Sulgen als Fußballerin aktiv war – zuerst bei den Mädchen und dann in der Frauenmannschaft –, ehe sie studienbedingt zum TSV Lustnau wechselte, hat inzwischen eine erfolgreiche Laufbahn als Schiedsrichterin eingeschlagen. Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt Theresa Hug Einblicke, was dieses Hobby für Verpflichtungen sowie Aufgaben mit sich bringt und was für sie der Reiz an diesem unverzichtbaren Amt ausmacht.
Seit wann sind Sie Schiedsrichterin, und was gab den Ausschlag, sich für diesen Weg zu entscheiden?
Ich habe meinen Schiedsrichter-Neulingskurs 2016 im März gemacht, weil ich mal die andere Seite auf dem Platz kennenlernen wollte, mit der ich als Spielerin nicht immer zufrieden war. Einige Zeit habe ich dann beides gemacht, bis ich 2019 das Kicken aufgehört habe und seither nur noch meinen Weg an der Pfeife mache. Der Weg, wie er inzwischen verlaufen ist, war nicht vorherzusehen und geht immer Schritt für Schritt von Liga zu Liga. In der Saison 2021/22 konnte ich in der Winterpause in die Landesliga aufsteigen. Im Sommer 2022 wurde ich vom Württembergischen Fußball-Verband für die B-Juniorinnen-Bundesliga nominiert, und nach nur einem Jahr konnte ich den Sprung auf die DFB-Liste machen, mit dem ich in die 2. Frauenfußball Bundesliga aufgestiegen bin. Dazu bin ich bei den Herren auch in die Verbandsliga aufgestiegen.
Regelmäßiges Training, um fit zu sein und zu bleiben, gehört sicher auch dazu, ebenso Lehrgänge, Schulungen oder Fortbildungen. Wie viel Freizeit investieren Sie in diese Aufgabe?
Viel Zeit, regelmäßiges Training lässt sich fast durch tägliches ersetzen. Neben Dauerläufen und hochintensiven Trainingseinheiten, die der körperlichen Fitness dienen, sind aber auch die Vor- und Nachbereitung von Spielen sehr zeitintensiv. Aber die Spielerinnen und Spieler trainieren auch viel, und da muss natürlich auch die Schiedsrichterin in allen Bereichen gut vorbereitet sein, wenn es auf den Platz geht. Trotzdem ist es bei allem Aufwand ein Hobby. Wenn es keinen Spaß machen würde, würde man auch den Aufwand nicht betreiben, da zählt man die eingebrachte Zeit dann nicht genau. Wichtig dabei ist natürlich, dass dieser Aufwand in Relation zur entsprechenden Liga steht. Je höher, desto fitter die Spielerinnen und Spieler – und entsprechend müssen auch Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter bereit sein für diese Aufgaben.
Wie gestaltet sich das Training – individuell oder trifft man sich auch mit anderen Kollegen für Übungseinheiten?
Leider sehr individuell, bis auf meinen Freund, der auch Schiedsrichter ist, der immer mitdarf, gibt es gemeinsame Trainings nur auf Lehrgängen. Das hat unterschiedliche Ursachen, vor allem aber, dass jede und jeder ihren oder seinen Job, Schule, Studium hat und entsprechend drumherum die Trainingseinheiten einplanen muss. Oft kann ich selbst nicht planen, wann ich genau das Training beginnen kann, und so ist es dann schwierig, sich zu verabreden. Zudem ist der Trainingsplan sehr individuell, da er natürlich an die Belastung angepasst sein muss und auch davon abhängt, wann das letzte und wann das nächste Spiel stattfindet.
Und wie sieht es in der Praxis mit der Spielleitung aus, läuft alles im fairen Rahmen ab?
In den meisten Fällen laufen meine Spielleitungen eigentlich ohne größere Probleme ab. Hin und wieder muss aber auch ein Feldverweis sein.
Schiedsrichter sind ja schnell Zielscheibe von Kritik. Haben Sie schon mal brenzlige Situationen gehabt?
Schiedsrichter sind von Minute Null bis zum Schlusspfiff und auch oft noch nach dem Spiel in der Kritik. Dies bringt die Aufgabe mit sich. Jede meiner Entscheidungen wird natürlich von zwei Mannschaften „bewertet“. Die eine Mannschaft findet es natürlich gut, die andere logischerweise nicht, egal, wie richtig oder falsch die Entscheidung an sich war. Damit muss man umgehen können, wichtig ist, sich davon nicht beeinflussen zu lassen.
Gibt es Spiele, für die man sich besonders motivieren muss, die Aufgabe anzunehmen, da man vorab schon weiß, dass eine gewisse Brisanz aufgrund der beteiligten Mannschaften besteht?
Da man sich die Spiele nicht aussuchen kann, wird das gepfiffen, was man bekommt. Besonders motivieren muss ich mich gerade bei brisanten Spielen nicht, da man dann gegebenenfalls schon weiß, dass es spannend werden kann. Und eine besondere Herausforderung ist für mich eher Ansporn, als keine Lust drauf zu haben.
Gab es Spiele, die ein besonderes Highlight waren, ob vom sportlichen Aspekt oder emotional, die in besonderer Erinnerung bleiben?
Sicherlich gibt es einige Spiele, die einem in besonderer Erinnerung bleiben. In der letzten Saison durfte ich das WFV-Pokal-Endspiel der Frauen pfeifen, zudem war ich auf dem U16-Juniorinnen-Länderpokal mit der Spielleitung im vorgezogenen Finale aktiv – und natürlich jedes erste Spiel in einer neuen Liga, weil dadurch der Aufstieg, den man durch die Leistungen in der Vorsaison geschafft hat, auch wirklich geschafft ist.
Was ist für Sie der Ansporn, auch weiterhin als Schiedsrichterin aktiv zu sein?
Ansporn ist für mich, jedes Mal ein „perfektes“ Spiel zu machen, aber vor allem, Spaß zu haben. Im Optimalfall ist man selbst nach dem Spiel nicht das Gesprächsthema auf und neben dem Platz, dann hat man schon einiges richtig gemacht. 90 Minuten sind natürlich sehr lang, und entsprechend schwierig ist es, keine Fehler zu machen, aber es ist immer wieder eine tolle Herausforderung.