David Schumacher feiert am Wochenende seine DTM-Premiere im Mercedes AMG-GT3. Ohne üppige Sponsorengelder ist der Aufstieg in die Formel 2 nicht möglich, doch der 20-Jährige hat diesen Traum noch nicht zu den Akten gelegt.
Nein, seinen Cousin Mick Schumacher hat er nicht in Imola getroffen. „Er hat sein Ding gemacht und ich meines“, sagt David Schumacher, der im Rahmen des Großen Preises der Emilia Romagna am vergangenen Wochenende als Ersatzmann in der Formel 3 eingesprungen ist, während Mick in der Formel 1 im Haas die ersten WM-Punkte einfahren wollte. Punktlos sind beide geblieben. David, der Sohn von Ralf Schumacher, kämpfte sich von Startplatz 29 auf Rang 18 vor; Mick, Filius von Rekordweltmeister Michael Schumacher, landete im Grand Prix lediglich auf Platz 17. „Es war schon eine große Umstellung vom GT3- aufs Formel-Auto“, erzählt David Schumacher, „aber das hat mich von der DTM nicht abgelenkt.“
DTM statt Formel. Wenn die Serie an diesem Wochenende (Rennen am Samstag und Sonntag jeweils 13.30 Uhr/ProSieben) im portugiesischen Portimão in die Saison startet, ist der 20-Jährige mit von der Partie. Er pilotiert einen Mercedes AMG-GT3 des Winward-Racing-Teams aus Altendiez. Mit seinem neuen Dienstwagen hat er sich angefreundet, ganz unproblematisch war das jedoch nicht. Das GT3-Auto hat zwar mehr Motorleistung als der Formel-3-Renner, aber dafür weniger Abtrieb und ein viel höheres Gewicht. „Mit dem Fahrstil aus dem Formelauto kommt man da nicht weit. Am meisten Mühe bereitet mir das ABS“, berichtet der gebürtige Salzburger, „im Formelauto hatte ich immer die volle Kontrolle über den Bremsvorgang. Im DTM-Auto habe ich manchmal das Gefühl, das ABS kontrolliert mich.“
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Ganz freiwillig hat sich Schumacher nicht ins GT3-Segment begeben, der Nachwuchspilot wäre gerne hoch geklettert in die Formel 2. Aber dafür muss man entweder in der Formel 3 restlos überzeugen oder in einem Förderprogramm eines Rennstalles stecken. Oder man legt etwa 2,5 Millionen Euro für ein Cockpit hin. Für Schumacher galt nichts davon, wobei er kritisiert, dass Spitzenergebnisse allein keine Garantie für den Aufstieg darstellen. „Oscar Piastri hat die Formel 3 wie die Formel 2 im ersten Jahr gewonnen, er ist im Förderprogramm von Alpine – aber nicht er hat ein Stammcockpit in der Formel 1 ergattert, sondern Guanyu Zhou.“ Der Chinese kam bei Alfa Romeo unter. „Er ist ein sehr guter Rennfahrer“, betont Schumacher, der 2021 die Formel-3-Saison als Gesamt-Elfter abschloss, „aber er bringt etwas mit, dass die meisten anderen nicht haben: eine Sponsormitgift im achtstelligen Bereich.“ Es ist von mehr als 20 Millionen Euro die Rede, und dieser Trumpf sticht in der Formel 1
Aber auch Schumacher hat das Mercedes-Cockpit nicht erhalten, weil grüne Augen gut zum schwarzen Auto passen, auch er brachte Sponsoren mit an Bord, die die Saison finanzieren. Ein Plätzchen in der Serie mag günstiger als in der Formel 2 sein, mit 600 000 bis einer Million Euro muss man schon rechnen – Schumacher kann ein stattliches Portfolio mit den Firmen Dekra, Schaeffler-Paravan sowie der Ravensberger Schmierstoff-GmbH (Ravenol) vorweisen. Nun ist er ein Neuling, der lernen soll und das auch will, er möchte sich erst zurechtfinden, kontinuierlich steigern und „so schnell wie möglich den Anschluss zur Spitze herstellen“.
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Als PS-Paten dienen im Winward-Team die Tourenwagen-Routiniers Maximilian Götz (36), der den DTM-Titel im vergangenen Jahr gewann, sowie Lucas Auer (27), Neffe des DTM-Chefs Gerhard Berger. Es gibt weniger erfahrene Teamkollegen, aus dieser Sicht dürfte der Neuling gute Startvoraussetzungen besitzen, denn es gibt mindestens so viele Fragen wie sie Günter Jauch bei „Wer wird Millionär“ stellt – sie sind halt Motorsport-spezifisch. Wie gehe ich mit dem ABS um? Wie muss ich die Reifen aufwärmen? Wie verhalte ich mich im Pulk oder im Zweikampf? „Bei all diesen wichtigen Fragen bekomme ich von ihnen ehrliche Antworten“, sagt David Schumacher und schiebt mit einem Augenzwinkern nach: „Mal gucken, wie lange noch …“ Zur Not muss er seinen Vater Ralf fragen, der auch DTM-Erfahrung vorweisen kann und von 2008 bis 2012 bei 52 Rennen zweimal auf dem Podest stand.
Einmal DTM, immer DTM und nimmer Formel 1? Keiner, der in die Serie eingestiegen ist, hat sie in Richtung zum Formelsport je wieder verlassen. Für David Schumacher soll diese gefühlte Gesetzmäßigkeit nicht gelten. „Ich denke nicht über die bevorstehende Saison hinaus“, sagt der neue Mercedes-Mann, „was im nächsten oder übernächsten Jahr oder wann auch immer kommt, wird sich zeigen.“ Ganz abgehakt ist der süße Gedanke an die Formel 2 oder 1 noch nicht. Dann würde er Cousin Mick möglicherweise häufiger über den Weg laufen ...