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Rust Europa-Park: Naturschützer machen gegen Seilbahn mobil

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Das Naturschutzgebiet Taubergießen ist Heimat vieler seltener Tiere und Pflanzen. Foto: Braun

Rust - Gegen die Pläne, eine Seilbahn vom Europa-Park Rust (Ortenaukreis) über den Rhein bis ins benachbarte Elsass zu bauen, rührt sich massive Kritik von Naturschützern. Sie drohen rechtliche Klagen gegen das Großprojekt an, bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof.

Die Idee einer kilometerlangen Seilbahn-Verbindung vom Europa-Park bis hinüber nach Frankreich hat in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen. Noch ist das Millionenprojekt nicht mehr als ein kühner Plan der Park-Familie Mack, doch Unterstützer gibt es schon zuhauf: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ist von der Seilbahn völlig begeistert. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) nannte sie am Wochenende "eine großartige Idee". Der Ortenauer Landrat Frank Scherer signalisierte mit seiner Behörde klare Zustimmung, und nun soll sich bald auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für das Vorhaben erwärmen. Also überaus viele, mächtige Fürsprecher für die Seilbahn.

Doch der organisierte Naturschutz läuft bereits Sturm gegen die Bahn. Die Umweltschützer bangen um das einzigartige Naturschutzgebiet, das die Bahn auf Stelzen durchschneiden würde. Taubergießen heißt es und ist ein überregional bedeutende Ökozone. Dort leben vom Aussterben bedrohte Tiere wie der Eisvogel und wachsen seltene Pflanzen. Die Gießen, wie unterirdische Quellen heißen, spülen kristallklares Wasser in diese Zone und ermöglichen direkt am Rhein wertvolle Biotope.

Eine Seilbahn, die in diese Sumpflandschaft gepflanzt würde, hätte schlimme Folgen für Vegatation und Tierwelt, sagt Axel Mayer, der Geschäftsführer des BUND-Regionalverbands mit Sitz in Freiburg. Die größte Sorge der Umweltschützer sei es, dass die täglich vielen Tausend Gondel-Passagiere beim Schweben über das Naturjuwel Lust darauf bekommen könnten, später auch zu Fuß die geschützten Gebiete zu erkunden. Einen riesigen Besucheransturm befürchtet der BUND-Chef.

Mayer sieht ein "krebsartiges Wuchern des Europa-Parks". Er wachse seit Jahren kontinuierlich, ein Ende sei nicht in Sicht. "Bei Herrn Mack gibt es scheinbar keine Grenzen des Wachstums. Im Naturschutzgebiet Taubergießen sind sie teilweise schon überschritten", schimpft der BUND-Mann. Bisher habe es in dieser sehr speziellen Nachbarschaft von Park und Naturschutzzone eine "einigermaßen friedliche Koexistenz gegeben". Doch der "explodierende Flächenverbrauch und die massive Ausbreitung Richtung Autobahn", wo ein gigantischer Wasserpark derzeit schon in die Höhe wächst, schaffe große Probleme. Mayer sagt, er wisse um die "ungeheuer große politische Macht" der Parkfamilie Mack. "Und wir kennen die Kniefälle von Regionalpolitik und Behörden vor dieser Macht."

Das Argument der Bahn-Befürworter, die Seilbahn könne Autoverkehr in und um Rust vermeiden, weil Besucher durch die Luft aus Frankreich einschweben würden, lassen die Umweltschützer nicht gelten. Die Gondelbahn werde nach ihrer Einschätzung noch mehr Besucher anlocken und nur für wenig Verkehrsentlastung auf den Straßen sorgen.

Auch vom Landesnaturschutzverband LNV mit mehr als einer halben Million organisierter Mitglieder in 32 Verbänden gibt es für die Seilbahnidee die rote Karte. LNV-Vorsitzender Gerhard Bronner nannte den Taubergießen ein "4-Sterne-Schutzgebiet". Störungsempfindliche Vogelarten, die dort brüteten, würden durch Lärm, Beleuchtung und Bewegung gestört.

Der Europa-Park könne sich auf rechtliche Klagen gegen die Seilbahn gefasst machen, kündigt der Landesnaturschutzverband an. Die Umweltverbände BUND und Nabu stimmen aktuell das weitere Vorgehen zusammen mit französischen Umweltschützern ab. Notfalls, so drohen sie, werde bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof für den Taubergießen gefochten.

Ganz so schnell wird sich also keine Bahn über den Rhein spannen. Der Park selbst rechnet ohnehin mit mehreren Jahren Planung. Und nun wohl auch mit rechtlichen Auseinandersetzungen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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