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Rottweil Prozess um mutmaßlichen Drogendealer

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Bei einer Kurierfahrt wurden mutmaßliche Drogendealer im Kreis Rottweil von der Polizei erwischt. (Symbolfoto) Foto: AdobeStock

Kreis Rottweil - Erst wurde er im Prozess wegen Handeltreibens mit drei Kilogramm Marihuana, die die Polizei bei einer Kontrolle auf der A 81 nahe der Raststätte Neckarburg gefunden hatte, freigesprochen. Nun muss sich ein 29-Jähriger aus Augsburg erneut wegen Drogenhandels verantworten.

Ein Bauernopfer beim Transport von Marihuana zu einem Kunden oder ein gewieftes Bandenmitglied in einem internationalen Drogen-Netzwerk? Am Schluss des ersten Verhandlungstags am Rottweiler Landgericht blieb die Rolle des 29-jährigen Angeklagten aus Augsburg unklar. Er selber machte zum Vorwurf, im Besitz von 20 Kilogramm Marihuana gewesen zu sein, keine Angaben, jedoch zu seinen persönlichen Verhältnissen.

Der Mann, griechischer Abstammung, ist in Deutschland aufgewachsen und eröffnete ein Geschäft, das ihm um die 15.000 Euro Umsatz pro Monat einbrachte. Dann kam der 4. November 2017, an dem er mit einem Bekannten, dem Hauptbelastungszeugen, und drei Kilogramm Marihuana von Augsburg nach Geisingen unterwegs war. Mittags gerieten sie in eine Polizeikontrolle und wurden festgenommen.

Die Zeit in Haft nimmt den Mann schwer mit

Auch wenn der 29-Jährige später freigesprochen wurde, so habe ihn die Zeit in Haft geprägt, wie er berichtete. In seiner Abwesenheit hatte sein Mitarbeiter den Laden durch Betrügereien zu Grunde gerichtet, weshalb der Angeklagte mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Aktuell lägen seine Steuerschulden bei 40.000 Euro. Außerdem schuldet er seiner Ex-Verlobten offenbar um die 20.000 Euro. Unerträglich für den Angeklagten, der von ihr als Mensch beschrieben wird, der "sich wertvoller fühlt, wenn er viel Geld dabei hat".

Nach der Entlassung aus der Haft habe er sich geradezu paranoid aufgeführt und sei verändert, viel aggressiver gewesen, schilderte die 28-Jährige. Dass der Angeklagte anfing, regelmäßig Crack zu konsumieren, davon habe sie nichts gewusst. "Ich habe die Festnahme als Unrecht empfunden. Ich war am Boden zerstört", beschrieb der Angeklagte seinen Gemütszustand.

Nun lautet der Vorwurf, die drei Kilogramm seien nur eine Teilmenge gewesen. Dem Hauptbelastungszeugen, einem 39-Jährigen, der mit dem Griechen zusammengearbeitet haben will und dessen Aussage letztlich zur Wiederaufnahme der Ermittlungen geführt hat, gegenüber soll der Angeklagte damals angegeben haben, über 20 Kilogramm zu verfügen. Diese Aussage führte dazu, dass der Angeklagte vor acht Monaten erneut verhaftet wurde und nun wieder in Rottweil vor Gericht steht.

Doch wie glaubhaft ist der Zeuge? Diese Frage stand am ersten Verhandlungstag im Fokus. Eine Verständigung, von der Kammer vorgeschlagen, lehnte der Angeklagte ab. Er sei unschuldig. Zwar habe man die restlichen Kilogramm Marihuana nicht gefunden, meinte Richter Wolfgang Heuer, jedoch gebe es signifikante Umstände, die den 29-Jährigen belasteten.

Zeugin: Falsche Freunde führten zum Abstieg

Die Ex-Verlobte des Angeklagten, die ihn seit zehn Jahren kennt, beschrieb ihren ehemaligen Partner als naiv und unreif. Ständig habe er ihr neue "Deppen", vermeintliche Freunde, vorgestellt. Der berufliche Abstieg, ein seltsamer Freundeskreis und seine psychische Beeinträchtigung durch die Haft hätten zu immer mehr Streit geführt.

"Ich bin bis heute davon überzeugt, dass er unschuldig ist", sagte die Ex-Verlobte vor Gericht. Der Angeklagte habe ihr immer wieder versichert, dass er mit Drogen nichts zu tun habe und reingelegt worden sei. So soll er bloß der "doofe Fahrer" gewesen sein.

Der Hauptbelastungszeuge, ein verurteilter Drogenhändler, zeichnete ein völlig anderes Bild vom 29-Jährigen. Der Grieche habe sich ihm damals als der Mann vorgestellt, über den künftig die Geschäfte laufen sollen. Er selbst habe das als Chance gesehen, den Angeklagten bei der Fahrt, die zur Verhaftung führte, mit einem Kontakt in Geisingen zusammenzubringen, um sich selbst dann zurückzuziehen.

Der 39-jährige Zeuge berichtete, er sei vom Angeklagten bedroht worden. Die Kammer wollte wissen, warum der Zeuge ausgerechnet jetzt auspacke. Er habe bisher aus Angst, dass seiner Familie etwas passiere, dicht gehalten, erwiderte dieser. "Da stecken viele dahinter", meinte er und sprach von "Albaner-Gras", Machtkämpfen und russischen Hintermännern.

Mehr wollte er zur Herkunft der Drogen nicht sagen. Mit seiner Aussage gefährde er seine Familie und sich selbst schon genug, so der 39-Jährige. Für sein Schweigen habe man ihm Geld angeboten, doch er wolle nicht länger den Lakaien spielen, sondern reinen Tisch machen. Seine Aussagebereitschaft hatte wohl auch dazu geführt, dass seine Haftstrafe verringert wurde, stellte sich nach einigem Nachhaken heraus.

Zu der Frage, zu welchem Zeitpunkt er entschieden habe, den Angeklagten zu belasten, gab der Zeuge verschiedene Antworten. Letztlich blieb die Frage nach dem Wahrheitsgehalt, welches Gewicht die Aussage des 39-Jährigen haben wird und ob die Beweislast ausreicht, um dem Angeklagten das Handeltreiben mit Marihuana nachzuweisen.

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