Die Besucherzahl bei dem Auftritt der 187 Strassenbande nennt der Veranstalter enttäuschend. Foto: Janika Schäfer Foto: Schwarzwälder Bote

Sommer Open Air: Nach dem Auftritt der 187 Strassenbande: Veranstalter zieht enttäuscht Bilanz

Viel Lärm um nichts? Große Wellen schlug im Vorfeld der Auftritt der 187 Strassenbande beim Rottenburger Sommer Open Air. Die ebbten dann allerdings mit Blick auf die dürftige Besucherzahl schnell ab. Der Veranstalter ist enttäuscht, der Oberbürgermeister hingegen entspannt.

Rottenburg. Die Bilanz von Veranstalter Vaddi Concerts fällt ernüchternd aus. "Die Besucherzahl war enttäuschend", sagt Geschäftsführer Marc Oßwald ohne Umschweife. Große Lücken waren vor der Bühne des Rottenburger Sommer Open Airs beim Auftritt der 187 Strassenbande zu sehen. Doch nicht nur die Skandal-Rapper hatten mit mangelnden Publikumsinteresse zu kämpfen, sondern auch die Nu-Metal-Grande-Dame Limp Bizkit blieb bei den Zahlen hinter den Erwartungen zurück.

Zielgruppe zu jung?

Warum floppten beide Bands in Rottenburg? Auf der Facebook-Seite des Schwarzwälder Boten Horb ist man sich zumindest bei der 187 Strassenbande einig: Die Zielgruppe ist zu jung und damit zu klein. "Ich glaube, die wenigsten ihrer Fans sind über 18", mutmaßt Christof B. Und auch Nadine K. meint: "187 spricht halt mehr Pubertierende an, oder?"

Trotzig gibt sich indes Veranstalter Marc Oßwald. Obwohl die Besucherzahl enttäuschend war und zudem die Polizei bei Personen- und Fahrzeugkontrollen insgesamt 37 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz feststellte, sagt der Vaddi-Concerts-Geschäftsführer: "Es lief alles ohne Probleme ab." Ebenso mürrisch reagiert Oßwald auf die Frage, welche Schlüsse aufgrund der Diskussionen im Vorfeld über den Auftritt der 187 Strassenbande und der enttäuschenden Besucherzahl gezogen werden. Seine Antwort: "Es gibt aus meiner Sicht keine Schlüsse zu ziehen. Das Sommer Open Air in Rottenburg ist etabliert und eine sehr schöne Veranstaltung. Das hat sich auch in diesem Jahr gezeigt."

Mitspracherecht gefordert

In Rottenburg wurde der Auftritt der 187 Strassenbande zu einem Politikum hochgekocht. Alle Fraktionen des Gemeinderats meldeten im Vorfeld Bedenken an. Tenor: Aufgrund der teilweise sexistischen und gewaltverherrlichenden Textinhalte übe die Band einen schlechten Einfluss vor allem auf junge Menschen aus, weshalb man dem Auftritt der 187 Strassenbande ablehnend gegenüberstehe. Grüne und Linke forderten sogar ein Mitspracherecht des Gemeinderats bei der künftigen Auswahl der Künstler, die beim Sommer Open Air auftreten.

Bei dieser Forderung kann Oßwald allerdings nur müde lächeln. "Wenn der Gemeinderat Verantwortung tragen möchte, kann er dies gerne tun. Dies würde dann aber auch die finanzielle Verantwortung beinhalten, da ich nicht das wirtschaftliche Risiko für Entscheidungen Dritter tragen kann", sagt der Geschäftsführer von Vaddi Concerts und kritisiert: "Im Übrigen habe ich jede Mail zu diesem Thema beantwortet und jedes Telefonat geführt. Aus den Reihen des Gemeinderats kam jedoch keine Rückantwort."

OB ist entspannt

Einer, der schon im Vorfeld des Auftritts der 187 Strassenbande entspannt war, ist Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU). Auf die Frage, ob das alles nicht viel Lärm um nichts war, sagt er: "Scheint so." Das Stadtoberhaupt war selbst beim Sommer Open Air vor Ort, habe viele Leute gesehen, die unterwegs waren, und vor allem viele Autos mit Kennzeichen aus ganz Deutschland. Die 37 registrierten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz seien für Rottenburg zwar nicht alltäglich, dennoch sagt Neher: "Es hätte mich gewundert, wenn man gar nichts findet."

Von der Forderung, dem Gemeinderat ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Künstler einzuräumen, hält der Oberbürgermeister ebenfalls nichts. Er unterstreicht in Bezug auf die 187 Strassenbande: "Das ist nicht meine Musikrichtung und ich finde die Texte nicht gut, aber es ist nicht Aufgabe der Kommune, Kunstkritik oder gar Zensur zu üben. Das sieht die Gemeindeordnung auch gar nicht vor. Wir würden sonst den ganzen Tag nichts anderes machen."

Bleibt nur noch die Frage: Wird Vaddi Concerts bei der Auswahl der Künstler künftig wieder etwas konservativer vorgehen und auf Bands aus diesem Genre verzichten? "Für 2019 ja, da das Programm bereits steht", meint Geschäftsführer Oßwald – schiebt aber hinterher: "Generell möchte ich das jedoch nicht ausschließen."

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