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Rottenburg Pur-Frontmann: "Musik als Konkurrenz ist mir fremd"

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Hartmut Engler (Zweiter von links), Sänger der Band Pur, kündigt im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten "tolle Gäste" für den Auftritt beim Rottenburger Sommer Open Air an. Foto: Carsten Klick

Rottenburg - Die Band Pur aus Bietigheim-Bissingen steht für Pop und Rock, der Hallen füllt – und das seit Jahrzehnten. Was Frontmann Hartmut Engler von Casting-Shows hält und ob sich Fans beim Konzert der Band am Sonntag, 18. August, beim Rottenburger Sommer Open Air auf die großen Hits wie "Abenteuerland" und "Lena" freuen dürfen, verrät der Sänger im Interview mit dem Schwarzwälder Boten.

Verbinden Sie denn persönlich Erlebnisse mit Rottenburg? 

Wir hatten schon Konzerte in Rottenburg. Ich kann mich erinnern: sogar bei einer Fasnetsveranstaltung. Das liegt aber Jahrzehnte zurück. Aber eigentlich war das ein Negativerlebnis, denn dort hat jemand einen Bierkrug nach mir geworfen (Engler schmunzelt). Ich möchte niemanden animieren, das beim nächsten Mal auch zu tun. Trotz dieses Erlebnisses: Es ist eine wunderbare Region.

Was kann man für das Konzert in Rottenburg erwarten?

Wir haben tolle Gäste mit dabei: den schwäbischen Kabarettisten Klaus Birk und unsere Lieblings-A-Cappella-Band "Die Fünf" wird ebenfalls mit von der Partie sein. Und das nicht nur im Vorprogramm, sondern auch bei den Zugaben mit uns zusammen.

Wie bereiten Sie sich auf das Konzert vor?

Wir haben uns vor dieser Open-Air-Tour alle Locations vorher angeschaut. Denn wir haben uns gesagt: Wir spielen nur da, wo es schön aussieht. Und deshalb denke ich, dass es wahnsinnig schön wird.

Zuletzt haben Sie Ihr 16. Studioalbum herausgebracht. Wenn Sie es mit dem Allerersten vergleichen würden – was hat sich verändert? Spiegelt sich das auch im Album wider, wie sich Pur verändert hat?

Verglichen mit dem Allerersten ist natürlich eine technische Revolution eingetreten. Das war 1983, man hat auf einem 16-Spur-Tonband aufgenommen. Heute ist Computertechnik angesagt. Was gleich geblieben ist, ist das Herzblut und der Spirit der Band. Dass man mitteilt, was man gerne tut und was einen gerade am meisten beschäftigt – was man den Leuten mitteilen möchte.

Welche Botschaft hat das neue Album und auch die neue Tour?

Das Ding heißt "Zwischen den Welten". Wir springen zwischen alten und neuen Songs immer hin und her. "Zwischen den Welten" ist ein ganz tolles Thema, denn es bedeutet Perspektivwechsel, über den Tellerrand rauszuschauen. Und Fremdes kennenlernen. Denn indem man es kennenlernt, ist es nicht ganz fremd.

Wenn Sie sagen: für Fremdes offen sein – wie politisch sollte eine Band heutzutage sein?

Wir haben kein Konzept darüber gestülpt, dass wir multikulti sind. Pur ist immer eine Band, die eine ganz eigene Linie verfolgt. Ironisch gesagt: Wir sind superlangweilig, weil wir einfach immer in den Charts auf Platz eins sind und immer ausverkaufte Tourneen haben. Aber ich möchte da nicht um den heißen Brei rumreden: Alles, was wir machen, macht Sinn. Wir sind keine Politiker. Wir wollen Musik machen. Aber wir sind Künstler mit Haltung.

Wie finden Sie den Stellenwert der deutschen Musik heutzutage? Sie waren ja sozusagen Pioniere und sangen deutsch, als deutsche Musik noch nicht so "in" war.

Es gab bei uns nie die Überlegung, ob etwas marktwirtschaftlich sinnvoll ist. Wir haben als Band mit 15 Musik gemacht, ich habe englisch gesungen. Und ich habe gemerkt: Die Leute verstehen mich nicht. (Engler schmunzelt). Da habe ich zu meinen Bandkollegen gesagt: "Jungs, darf ich mal ein paar deutsche Texte anbieten?" Natürlich war da deutsch nicht "in". Aber wir waren eine Schülerband, da war nicht unser Ziel: Wir wollen Popstars werden.

Gibt es etwas, was Ihnen an der deutschen Musik nicht gefällt?

Es gab irgendwann die "Neue Deutsche Welle". Da gab es ein paar gute Lieder, aber es war auch wirklich viel Schwachsinn dabei. Im Moment würde ich mir wünschen, dass die neue deutsche Rap-Welle abnimmt, da wo sie auch schwachsinnig ist. Wo Kindern Zeugs erzählt wird, was man nicht erzählen sollte. Es gibt natürlich auch gute Rapper. Wir haben es möglich gemacht, dass Sido in der Arena auf Schalke vor 66 000 Zuschauern "Astronaut" singt. Es gibt Auswüchse, aber ich denke und hoffe, sie wachsen sich aus.

Und was sagen Sie zur großen Casting-Welle auf allen Kanälen?

Es wurde schon oft gesagt: "Sollte beim Eurovision Song Contest nicht eine Band wie Pur mitmachen?" Wir wurden bereits von jeder möglichen Fernsehpräsenz angefragt, und wir haben alles abgesagt, weil wir den Sinn dahinter nicht sehen.

Was stört Sie daran?

Musik als Konkurrenz, also jemanden zu beurteilen, ist mir so was von fremd. Wir machen gerne Musik. Es gibt Musik, die uns gefällt, auch von anderen Bands. Aber wir wollen bei einem Wettbewerb nicht der Vertreter von Deutschland sein. Und ich setze mich nicht mal vier Stühle weiter neben Herrn Bohlen und sage: "Du gefällst mir, du gefällst mir nicht." Ich kann auch nicht sagen: "Ich bin jung, ich brauche das Geld." Ich bin 57 Jahre und habe ein ziemlich gut gefülltes Bankkonto, das gebe ich zu.

Es gibt ja zum Glück auch junge, aufstrebende Künstler, die es auf eigene Faust schaffen – so wie Wincent Weiss, der ebenfalls in Rottenburg auftritt...

Das freut mich. Ich kenne ihn persönlich noch nicht. Er ist ein junger Musiker. Er hat wirklich ein paar schöne Titel. Ich freue mich auf den Austausch mit ihm.

Noch einmal zu Ihren Konzerten: Können die Rottenburger viele Ihrer Klassiker erwarten?

Natürlich geht keiner nach Hause ohne seine Lieblingslieder wie "Abenteuerland", "Lena" oder viele andere.

Sie sind es also noch nicht leid, einzelne Lieder singen zu "müssen"?

Nein, wir basteln die ja auch oft um und wir machen Medleys. Das sind einfach wir und das ist unsere Musikgeschichte. Wir können ja nicht nur unser neues Album spielen. Wir wollen mit den Leuten unsere Partys feiern. Das ist Pur!  

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