Die "Stoagrättle" (vorne) erhalten Verstärkung von der neuen Gruppe der "Felsameggl". Foto: Sailer

Fasnet: "Stoa-grättle" in Bad Niedernau bekommen Gesellschaft. Angebot vor allem für junge Familien.

Rottenburg-Bad Niedernau - Zu der bekannten Niedernauer Narrenfigur, dem "Stoa-grättle" in Gestalt als Stoamale und Stoaweible, wird sich ab der kommenden Fasnet auch eine weitere Figur gesellen: der "Felsameggl" (Felsa-Fels/Meggl-Kopf).

Die Idee, eine neue Figur ins Leben zu rufen, kam einer kleinen Gruppe. Ganz vorne dabei: Anne Müller, die selbst schon seit Kindesbeinen ein Stoagrättle ist.

Der Grund war einfach: Steigerung der Attraktivität für junge Leute und junge Familien. Zwar hat die Narrenzunft eine tolle Jugend. Doch fehlt ihr der Altersbereich zwischen 20 und 30 Jahren.

So gibt es Gönner der Narrenzunft, die sich im Verein wohl fühlen, sich jedoch mit dem "Stoagrättle" nicht identifizieren konnten. So entstand die Idee, etwas Neues zu schaffen. Hexen gibt es weiß Gott schon genug, Teufel und Geister sind auch nicht wenig an der Fasnet unterwegs.

Anlehnend an den Ursprung des "Stoagrättles" entstand folgende Geschichte: Schon immer hatten es die Bewohner von Niedernau schwer mit der Pflege der Felder. Das Problem war der hohe Anteil an Steinen. Es war harte Arbeit für Männlein wie Weiblein, Tag für Tag die Steine aufzulesen und in Körben auf ihren Köpfen zu sammeln.

Doch woher kamen diese Steine? Einige Grättle beschlossen, der Sache bei Nacht und Nebel auf den Grund zu gehen. Was sie da erwartete, versetzte sie in Schrecken. Um Mitternacht im Schein des Vollmonds erhoben sich aus den tiefen Wäldern um Bad Niedernau Kreaturen mit Hörnern und steinernen Gesichtern und trieben ihr Unwesen auf den Feldern der Grättle. Gequält von steinerner Haut, warfen sie überflüssigen Ballast auf den Feldern ab.

Die Stoagrättle waren entschlossen, dem Schrecken ein Ende zu setzen, lauerten den Felsameggl auf und versuchten, sie mit dem Klang ihrer Klöppel zu verscheuchen.

Doch bis heute treiben die Felsameggl alljährlich zur Fasnetszeit ihr Unwesen und die Stoagrättle versuchen, sie noch immer los zu werden.

Mit dem hauseigenen Maskenschnitzer "Norbert Paul" entstand die erste Maske und mit dieser auch die ersten Entwürfe zum Häs. Fast zwei Jahre hat die Ausarbeitung der Figur gedauert.

Die Gesichtsoberfläche der Felsameggl ist unterschiedlich kantig und mit Steinen bedeckt. Aus den Schläfen ragen Hörner und zusätzlich können verschiedene Bestandsteile des Waldes wie Blätter oder Zapfen angeschnitzt sein, die jede Maske einzigartig macht. Der Gesichtsausdruck ist  erschrocken und scheu. Die Haare werden zu langen dicken Strähnen aus Schafswolle gefilzt und dringen durch die Maske heraus.

Als Kontrast zum farbenfrohen Stoagrättle ist der Felsa­meggl komplett in Erd- und Steintönen gehalten.