Pünktlich zum Beginn der neuen Saison ist das Römische Freilichtmuseum in Stein um eine Attraktion reicher. Was es ist und wie sie entstand, lesen Sie hier.
Das Römische Freilichtmuseum in Stein hat die Saison am Karfreitag eröffnet und wartet mit einer neuen Attraktion auf: dem rekonstruierten Nordtor. Es ist sozusagen Gerd Schollians neuste Errungenschaft. Er steht im 2,30 Meter breiten Durchgang und deutet mit dem Finger auf das Gelände vor ihm: „Da liegen die Steine bergeweise.“ Bei einem antiken Hangrutsch sind die Mauern des Gutshofs umgekippt und liegen noch flach in der Erde.
Was damals eine Katastrophe war, ermöglicht heute im Hinblick auf die Ausmaße eine nahezu exakte Rekonstruktion der Gebäude. Wissenschaftler des Landesamts für Denkmalpflege haben die umgefallenen Mauern mit modernster Technik untersucht und am Computer Stein für Stein wieder aufeinandergesetzt. Somit konnte Schollian auch wissen, dass die Mauer 2,60 Meter hoch und dass es vom Boden zur Dachspitze 4 Meter waren.
Mauer schützte vor wilden Tieren und Überfällen
Mit Daten wie diesen machte sich der unermüdlichste Unruheständler ans Werk: Im Herbst hat er begonnen, einen Stein auf den anderen zu setzen. Lediglich bei der Dachkonstruktion mit den Balken hat er sich Unterstützung von Dennis Danner und Bernd Brunner geholt. Schollian beim Vor-Ort-Termin: „Die ganzen Mauern, die Sie sehen, habe ich gemauert.“ Die echten Steine in der Erde durfte er übrigens nicht für die Rekonstruktion verwenden. Das sei eine denkmalschutzrechtliche Vorgabe. Nur Material, das lose herumliegt, hat er nutzen dürfen. Was die Funde archäologischen Untersuchungen übrigens nicht hergeben, ist die Farbgebung. Die Frage ist, ob die antike Mauer im Originalzustand komplett Weiß war oder teils einen roten Fugenstrich hatte. Ohnedies gibt die Rekonstruktion eine beeindruckende Ahnung, wie es in der Antike dort aussah.
Die Mauer war überlebensnotwendig, erklärt Schollian. Sie schützte die Bewohner nicht nur vor wilden Tieren des einstmaligen Urwalds, sondern auch vor räuberischen Überfällen. Auf der Außenseite des Tors zeigt Schollian auf Stellen im Wald. Dort waren antike Getreidespeicher. Das Material haben die Römer durch das Tor hindurch in Lager auf dem Gelände des heutigen Freilichtmuseums gekarrt.
Und ja, es gibt noch viel zu entdecken. Schollian ist sich sicher, dass unter der Erdoberfläche noch weitere sensationelle Funde schlummern. Vermutet werde eine deutlich ältere Umfassungsmauer, die deutlich weiter außerhalb liegt. „Sie müssen sich vorstellen, hier waren überall Gebäude“, sagt er vor Ort.
Tausende Schüler werden auch dieses Jahr erwartet
Auch künftig wird es deshalb Grabungen auf dem Gelände geben. Deshalb sucht das Freilichtmuseum ständig nach Personen, die beim Graben mithelfen. Fachkenntnisse sind nicht nötig, man braucht aber die Zeit und die Fitness. Schollian hat beides: Seit er 2001 in den Unruhestand wechselte, ist er „jeden Tag hier draußen“ (Schollian). Erst zwei Stunden im Büro, dann sechs Stunden auf der Anlage, außer er weilt im Urlaub. „Ja, was soll man machen, das hält mich jung“, meint er beiläufig.
Die Anlage ist nördlich der Alpen einmalig. Nicht umsonst kommen jedes Jahr 5000 bis 10 000 Schüler, die an einem originalen Schauplatz Geschichte sprichwörtlich erfahren dürfen. Tausende weitere Besucher werden zu den zahlreichen Veranstaltungen erwartet, etwa Römer im Fackelschein. Und nicht zu vergessen: Der Kiosk lädt mit Blick zur Burg zum Verweilen ein – der Kuchen dort soll besonders empfehlenswert sein.
Dienstags bis sonntags
Freiwillige gesucht
Wer bei den Ausgrabungen mitmachen will, kann sich an info@villa-rustica. de wenden.
Öffnungszeiten
Zu sehen ist der Gutshof bis 1. November dienstags bis sonntags jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr, sonntags bei guter Witterung bis 18 Uhr. Letzter Einlass: 16.15 Uhr. Montags ist Ruhetag.