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Rauschgift-Kriminalität Ist Bisingen zum Drogensumpf verkommen?

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Die Delikte im Bereich Rauschgiftkriminalität steigen in Bisingen seit Anfang 2020. (Symbolfoto) Foto: DedMityay_adobe.stock.com

Im März hat die Polizei einen 25-Jährigen erwischt, der in großem Stil mit Drogen gehandelt hat. Der Richter schickte ihn ins Gefängnis. Am Montag startet der nächste Prozess: Der Tatverdächtige soll 80 Kilo Marihuana im Industriegebiet gebunkert haben. Ist Bisingen ein Drogen-Hotspot geworden?

Bisingen - Schon frühen Morgen des Donnerstags, 5. Dezember 2019, donnert ein Polizeihubschrauber über Hechingen und Bisingen. Die Polizei im Großeinsatz. Im Industriegebiet Hinter Stöck vereiteln Beamte die Übergabe einer größeren Menge Drogen. Ermittler haben im Laufe des Vormittags in einer Lagerhalle zudem rund 80 Kilogramm Marihuana sichergestellt – eine Menge von historischer Dimension: Es ist der bisher größte Drogenfund im Zollernalbkreis. Am Montag beginnt der Prozess am Landgericht wegen "Handeltreibens von Betäubungsmitteln". Angesetzt sind weitere drei Fortsetzungstermine.

Drogen auch an Minderjährige verkauft

Derweil ist bei einem anderen Prozess am Amtsgericht bereits im Oktober das Urteil gefallen: Ein Drogendealer muss sechs Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Er hat in Bisingen Drogen verkauft, an der Volksbank, beim Friedhof und Kindergarten. Als die Polizei seinen Drogenbunker aushob, entdeckte sie 16 Kilo Marihuana, 300 Gramm Kokain und 1000 Ecstasy-Pillen. Teils verkaufte er die Betäubungsmittel an Minderjährige. Auch das war ein Fall von vergleichsweise großem Ausmaß im Zollernalbkreis.

Ist Bisingen zum Drogensumpf verkommen? Manch ein Bisinger, der sich auskennen will, spricht schon vom "Drogenumschlagplatz". Und vielleicht ist da ja doch etwas dran? In Bezug auf das Jahr 2020 teilt ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen mit: "Wir verzeichnen in Bisingen für den Bereich Rauschgiftkriminalität eine steigende Tendenz."

Warum die Zahlen erst seit 2020 steigen? Dazu mutmaßt der Sprecher: "Die bislang festzustellende Steigerung bei der Rauschgiftkriminalität dürfte unter anderem auf die seit Beginn des Jahres in Balingen angesiedelte Rauschgift-Ermittlergruppe der Kriminalpolizei und damit auf eine verstärkte Aufhellung des Dunkelfelds zurückzuführen sein." Von einem "Drogen Hotspot in Bisingen" könne in der Gesamtbetrachtung jedoch nicht gesprochen werden – selbst wenn in jüngster Vergangenheit gleich zwei aufsehenerregende Fälle ans Licht gekommen sind.

32 Fälle im Jahr 2018

Auch die Zahlen der Straftaten für die Jahre 2015 bis 2019, die der Schwarzwälder Bote angefordert hat, ergeben kein klares Bild: Wenn es um den Erwerb, Besitz oder Handel von Drogen geht, lässt sich keine Tendenz ablesen, dass solche Straftaten zunehmen. Die Statistik fasst diese Delikte unter dem Begriff "Rauschgiftkriminalität" zusammen. Einen Höhepunkt erreichte diese Art der Kriminalität im Jahr 2018 mit 32 Fällen (die gesamte Zahl der Straftaten lag bei 279).

Zum Vergleich: 2015: 13 Fälle von Rauschgiftkriminalität (insgesamt: 368 Fälle), 2016: 21 (318); 2017: 16 (273); 2019: 20 (323). Bemerkenswert ist bei der Rauschgiftkriminalität die Aufklärungsquote, die zwischen 94 und 100 Prozent liegt. Zum Vergleich: Bei allen Straftaten liegt die Quote in Bisingen zwischen 60 und 75 Prozent.

Der Anteil der in Bisingen wohnhaften Tatverdächtigen, die in Zusammenhang mit Rauschgiftkriminalität aufgefallen sind, liegt von 2015 bis 2019 jeweils bei mehr als der Hälfte: So lebten im Jahr 2016 13 von insgesamt 19 Tatverdächtigen in Bisingen, 2018 waren es 23 von 30. Für das Jahr 2020 wurden die statistischen Daten jeweils noch nicht zusammengestellt.

Der Fall, der heute ab 9 Uhr im Saal 168 des Hechinger Landgerichts verhandelt wird, ist im Hinblick auf seine Dimensionen für Bisinger Verhältnisse dann doch ein Ausnahmefall.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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