Wie sexy kann die Arbeit bei der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen sein? Genau darüber macht man sich dort derzeit Gedanken – und kommt so sexy daher wie noch nie.
Es tobt der reinste Wettkampf um Personal, das war schnell klar, als Personalchef Joachim Wöhrle von der Stadtverwaltung am Mittwoch die Situation in Sachen Personalentwicklung schilderte.
Die Stadt muss schnell sein, digital, unkompliziert – und eben ein möglichst lukrativer Arbeitgeber. Anders lässt sich in Zeiten des Fachkräftemangels kein Blumentopf gewinnen – und erst recht kein neuer Mitarbeiter.
„Freitag ab Eins macht jeder Seins“
„Wir haben den Bereich Personalentwicklung stark ausgebaut“, lobte Wöhrle den Arbeitgeber Stadtverwaltung VS. Auch Unternehmens- und Führungskultur seien strategisch vorangekommen. Verantwortlich für Personalentwicklung zeichnet unter anderen ein eigens damit betrautes Team. „Es ist ein junges Team, ein engagiertes Team, das auch kreative und andere Wege geht“ – kein Wunder also, dass man jetzt sogar als Kinobesucher über einen Werbespot der Stadtverwaltung stolpert, und zwar einen der witzigen Art: „Freitag ab Eins, macht jeder Seins“ – wird einer der Vorzüge der Tätigkeit bei der Stadt auf der Kinoleinwand angepriesen. Man muss sich offenbar etwas einfallen lassen, um Personal in die Amtsstuben zu locken.
Werbung auf dem Klo
Da geht man auch ungewöhnliche Wege – etwa Klo-Werbung. So kann man auf dem stillen Örtchen der Helios Arena freche Werbe-Plakate der Stadt studieren. Zielgruppen spezifisches Marketing heißt das Zauberwort. Wenn die greift, könnten Bewerbungen in den städtischen Briefkasten flattern.
Aber: Die Ausgangssituation dort ist nicht rosig – zu langsam, zu schwerfällig sei die Verwaltung in der Mitarbeitergewinnung, so die gnadenlose Analyse. Von der Ausschreibung bis zur Einstellung vergehe zuviel wertvolle Zeit. Obendrein gebe sich die Verwaltung bei den Vorstellungsgesprächen unnahbar – „da sitzen zu viele Personen“, ein 16-jähriges Mädel sei da schnell heillos überfordert, sagt Lucas Averbeck aus dem Team.
Und auch am Praktikantenwesen will man arbeiten – zehn Praktikanten habe der 1700-Mann-Betrieb Stadtverwaltung bislang übers Jahr durchgeschleust. „Das ist schon sehr überschaubar“, fand Lucas Averbeck.
Die Rückfrage bei den Ämtern brachte mehrere Gründe ans Licht: Keine Zeit, kein Personal, „und wir wissen nicht so recht, was wir mit denen machen sollen“. Kurzum: Die für die Personalentwicklung Verantwortlichen nehmen das jetzt unter ihre Fittiche.
Apropos eigen: Wo keine Fachkräfte vorhanden sind, muss man selbst welche heranziehen. Man müsse den „Fokus auf unser internes HR-Potenzial legen, wenn wir extern schon niemanden kriegen“, das steht für Lucas Averbeck fest. Fortbildungen und strategische Personalentwicklungen bereits vorhandener Mitarbeiter und Auszubildenden sowie das Kompetenz-Entwicklungsprogramm genießen hohe Priorität. Ebenso die Nachbearbeitung der Kündiger.
Eine Marke wird aufpoliert
Und nicht zuletzt: Die Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen soll als Marke mächtig aufpoliert werden. Man wagte sich auf Social Media im Internet vor – allerdings offenbar mit noch verhaltenem Erfolg, wie eine Spontan-Umfrage im Verwaltungsausschuss eindrucksvoll zeigte. „Wer folgt uns auf Instagram?“ – ernüchternd, nur ein einziger Arm schnellte in der Neckarhalle in die Höhe. „Das erklärt, warum wir noch nicht genügend Follower haben“, denn auch aus einem User im Internet kann ein potenzieller neuer Mitarbeiter werden. Und wenn die Follower dort so jung, dynamisch und unterhaltsam sind, wie Instagram es als Plattform für Lucas Averbeck ist, umso besser.