Wegen einer Bagatelle im Straßenverkehr kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Foto: Stopper

Wegen einer Bagatelle haben zwei junge Männer eine Rangendinger Familie in Todesangst versetzt, ohne das wohl so gewollt zu haben. Vor dem Amtsgericht sahen sie nun, was ihre Tat bei ihren Opfern bis zum heutigen Tag anrichtet. Sichtlich betroffen entschuldigten sie sich.

Rangendingen - Es ist eine unbestimmte Angst vor Rache, die ihre Opfer bis heute verfolgt. Ihr Sicherheits-Vertrauen ist zerbrochen. Die Mutter kann nicht mehr einschlafen, bevor der 21-jährige Sohn abends zu Hause ist. Alle haben noch Angst. Zu tief sitzt der Schock jenes Abends im November vorigen Jahres, als die beiden Eltern entspannt auf dem Sofa saßen, bis ein Anruf vom Sohn einging. Er sei kurz vor zu Hause, werde verfolgt, habe Angst, sagte er seiner Mutter. Ob die Eltern auf den Hof runter kommen könnten. Wenn diese vor dem Haus stehen, würde dies die Verfolger wohl abdrehen lassen, so seine Hoffnung. Ein Trugschluss.

Kurz darauf rollte er mit dem Auto auf den Hof des elterlichen Hauses, hinter ihm ein zweites Fahrzeug. Dessen Fahrer steigt aus, brüllt mehrfach so etwas wie "ich schlag dich tot", irgendwann schreit er, er wolle alle umbringen. Er bedrängt die Mutter, die sich ohne Rücksicht auf sich selbst schützend vor den Sohn stellt. Sie wird weggeschubst, der Vater sieht Anzeichen, dass der Angreifer ein Messer ziehen könnte und bereitet sich darauf vor, sich in diesem Fall todesmutig auf den Angreifer zu stürzen. Bis ins Haus werden Sohn und Mutter vom völlig ausgerasteten Angreifer verfolgt.

Auslöser für Wutanfall war eine Bagatelle

Erstaunlich: Der Auslöser für diesen Wutanfall war eine Bagatelle. Es ging darum, wer in einer engen Rangendinger Straße mit seinem Auto ausweichen muss. Ob Lichthupen betätigt wurden, ob ein Stinkefinger gezeigt wurde – da gehen die Aussagen auseinander. Sicher ist: Der eine junge Mann gibt nach, dreht um, fährt eine andere Strecke nach Hause.

Bis dahin fällt das Verhalten des Angeklagten wohl noch unter typisches Jungmänner-Gegockel im Straßenverkehr. Aber auf die schiefe Bahn in Richtung Anklagebank rutscht er, als er dem anderen Auto hinterherfährt, dicht aufschließt, immer hinter ihm bleibt. Der junge Mann vor ihm kriegt Angst, ruft seine Eltern an.

Was spielte sich auf Hof vor dem Elternhaus ab?

Der Angeklagte räumte vor Gericht diese Vorgänge ein. Als ihm erst die Vorfahrt genommen und dann der Stinkefinger gezeigt worden sei, sei er ausgerastet, so seine Erklärung. Dabei hatte er wohl gar keine Vorfahrt, und der andere bestreitet auch den Stinkefinger.

Was sich dann genau auf dem Hof vor dem Elternhaus abspielte, da gingen die Aussagen vor Gericht etwas auseinander. Ob die Angst des Vaters vor einem Messer in der Tasche des Angreifers berechtigt war, ob der Sohn mit dem Autoschlüssel zunächst den Angreifer in die Brust gepiekst und damit weiter eskaliert hat, ober der Beifahrer des Angreifers schlichten wollte, wie er selber sagt, oder ob er aggressiv war, ob mit "umbringen" oder mit jemanden "kaputt schlagen" gedroht wurde. Wer wen wie beleidigte.

Vor dem Haus kommt es zum Konflikt

Offenbar stimmten nicht mehr alle Erinnerungen des Ehepaares und ihres Sohns im Detail überein. Kein Wunder, wenn man innerhalb einer Minute vom friedlichen Feierabend auf dem Sofa in eine als lebensbedrohend empfundene Kampfhandlung direkt vor dem eigenen Zuhause verwickelt wird, ohne überhaupt zu verstehen, um was es geht. Da mag Gefühl und Realität verschwimmen. Eindeutig aber war der Eindruck: Alle drei hatten eine Höllenangst bekommen an diesem Abend.

Was in dem Angreifer am Tatabend vor sich ging? Er sei zutiefst beschämt, entschuldigte er sich bei seinen Opfern, denen er im Gerichtsraum gegenübersaß. Zuvor hatte er schon der Richterin mit rotem Kopf und immer wieder von Gefühlsregungen übermannt, erklärt, wie sehr er sich schämt. "Eigentlich bin ich ein ruhiger Typ, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist", sagte er. Er sei in psychologischer Behandlung, "damit mir so etwas nie wieder passiert". Er und sein Kompagnon versicherten eindringlich, die Familie müsse vor ihnen ganz sicher keine Angst mehr haben.

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