Laut Unfallbilanz für den Kreis Freudenstadt kamen im vergangenen Jahr bei mehr als elf Prozent der Fälle Personen zu Schaden. Bei einem Unfall auf der B 294 zwischen Freudenstadt und Besenfeld sind im Mai 2023 drei Menschen verletzt worden. (Archivfoto) Foto: EinsatzReport24/Waldemar Gress

2712 Unfälle wurden im vergangenen Jahr im Kreis Freudenstadt registriert. Das geht aus der Jahresunfallbilanz des Polizeipräsidiums Pforzheim hervor. Eine Hauptursache der Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden, war überhöhte Geschwindigkeit.

Im vergangenen Jahr ist bei jedem zehnten Verkehrsunfall im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim, in dessen Zuständigkeitsbereich auch der Kreis Freudenstadt fällt, mindestens eine Person verletzt worden.

 

Das ist eine der Kernaussagen der Unfallbilanz für 2023, die die Polizei nun veröffentlichte. Das Präsidium ist neben dem Kreis Freudenstadt für die Stadt Pforzheim und zudem für den Kreis Calw und den Enzkreis zuständig.

Überblick für den Kreis Freudenstadt

Im Kreis Freudenstadt wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2712 Unfälle registriert. Bei 313 Unfällen wurden Menschen verletzt, davon 121 Betroffene schwer. Elf Menschen starben. Auch 32 Kinder waren unter den Verletzten. Damit kamen in mehr als elf Prozent aller Fälle im Kreis Freudenstadt Personen zu Schaden – also häufiger als bei jedem zehnten Unfall.

Bei drei Unfällen waren illegale Drogen, bei 53 weiteren Alkohol im Spiel.

Entwicklung des Unfallgeschehens im Allgemeinen

Insgesamt verzeichnete die Polizei vergangenes Jahr 16 984 Verkehrsunfälle in ihrem Zuständigkeitsbereich. 2022 waren es 16 261. Das bedeutet einen Anstieg von 4,4 Prozent zum Vorjahr. Verletzt wurden 2280 Menschen (2022: 2200), davon 427 schwer. 26 Todesopfer waren zu beklagen.

Knapp über die Hälfte der Getöteten waren Fußgänger, Rad- sowie Motorradfahrer. Erstmals verlor in Pforzheim auch der Fahrer eines Elektrotretrollers sein Leben.

Rund dreiviertel der Unfalltoten verursachten laut Polizei den Verkehrsunfall selbst, die Hälfte aller tödlichen Unfälle wurde dabei durch ältere Menschen (neun) oder junge Erwachsene (vier) verursacht. Mit einem Anteil von 24 Prozent war überhöhte Geschwindigkeit eine Hauptunfallursache.

Verkehrsunfälle nach Beteiligungen

Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fußgängern haben im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums durchschnittlich um 10,2 Prozent zugenommen (2023: 195 Unfälle, 2022: 177). Im Kreis Freudenstadt blieb die Zahl unverändert (2023: 30 Unfälle, 2022: 30).

Ebenfalls häufiger waren Fahrradfahrer an Unfällen beteiligt (Anstieg von 326 (2022) auf 357 Fälle (2023)). Im Kreis Freudenstadt war mit 68 ein Unfall weniger zu verzeichnen (2022: 69). Bei drei dieser Unfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim starb jeweils ein Fahrradfahrer, einer davon im Kreis Freudenstadt.

Bei den Motorradfahrern bewegen sich die Zahlen mit 302 Unfällen unterhalb des Durchschnitts im Dreijahresvergleich (2019 bis 2021, 306 Unfälle). Die Zahl im Kreis Freudenstadt sank im vergangenen Jahr von 70 auf 65.

Die Anzahl tödlich verunglückter Motorradfahrer stieg von fünf im Jahr 2022 auf sechs in 2023, drei Fälle ereigneten sich wiederum im Kreis Freudenstadt.

Verkehrsunfälle nach Risikogruppen

Bei Schulwegunfällen im gesamten Präsidiumsbereich ist eine Zunahme von elf im Jahr 2022 auf 18 Unfälle in 2023 zu verzeichnen. Die betroffenen Schüler waren zu einem Drittel mit dem Fahrrad und zu zwei Dritteln zu Fuß unterwegs und wurden in der Mehrzahl leicht verletzt. Es kam kein Kind zu Tode – weder auf dem Schulweg noch jenseits davon.

Junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren waren 2023 häufiger in Unfälle verwickelt. Die Zahlen stiegen von 1185 im Jahr 2022 auf 1254, was 5,8 Prozent entspricht. Im Kreis Freudenstadt gab es hier, entgegen des Trends, eine Abnahme der Unfälle (von 234 auf 221 Fälle).

Auch bei Unfällen mit älteren Menschen (ab 65 Jahren) ist mit zehn Prozent Zunahme ein Anstieg zu verzeichnen (2022: 1217 Unfälle, 2023: 1339). Hier liegt der Kreis Freudenstadt mit einer Zunahme von 17,7 Prozent deutlich über dem Durchschnitt (2022: 231 Unfälle, 2023: 272).

Alkohol und Drogen

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss hat sich – mit exakt 269 Unfällen sowohl im Jahr 2022 als auch in 2023 – nicht verändert, allerdings ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden in diesem Zusammenhang um 14,1 Prozent gestiegen (von 99 auf 113 Unfälle). Die Anzahl der dabei Schwerverletzten (von 44 auf 30) oder Getöteten (von vier auf eins) ist hingegen rückläufig.

Im Kreis Freudenstadt ist der Trend auch rückläufig: 53 Menschen wurden bei solchen Unfällen verletzt (2022: 54), davon elf schwer (2022: zwölf). Ums Leben kam niemand (2022: drei).

Ein Anstieg von 12,5 Prozent im Präsidiumsbereich ist bei Unfällen unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss festzustellen. In der Mehrzahl der insgesamt 36 Unfälle war eine Cannabisbeeinflussung mit gleichzeitigem Konsum von Alkohol (Mischkonsum) festzustellen.

Aktionen der Polizei

„Die Verkehrssicherheitsarbeit stellt einen wichtigen Schwerpunkt unserer polizeilichen Tätigkeit dar“, bekräftigt Oliver Hiller, stellvertretender Leiter des Führungs- und Einsatzstabs.

Daher sei es wichtig, gerade hier aktiv zu bleiben – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngst beschlossenen Teillegalisierung des Cannabiskonsums. Denn: „Bekifft ein Kraftfahrzeug oder ein Fahrzeug führen, bleibt weiterhin verboten; also Hände weg vom Steuer oder Lenker!“, so Hiller weiter.

Das Polizeipräsidium Pforzheim setzt auf eine Kombination aus Aufklärung, Prävention und Kontrollen. 2023 beispielsweise gab es 51 Motorradkontrollaktionen (2022: 28) – ein Plus von 82 Prozent.

Verkehrsprävention fange aber bereits bei Kindern an. In der praktischen Radfahrausbildung seien innerhalb des Präsidiumsbereichs insgesamt 269 Schulklassen (5057 Kinder) unterrichtet worden.

In Sachen Schulwegsicherheit absolvierte die Polizei im vergangenen Jahr 496 Trainingseinheiten (2022: 385) für Vor- und Grundschüler.

Gefahren durch Elterntaxis

Eine klare Haltung vertritt die Polizei indes zum Thema Elterntaxis. Der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion, Kriminaldirektor Udo Buchholz, warnt: „Der zusätzliche Verkehr vor der Schule durch Elterntaxis stellt insbesondere für zu Fuß gehende Kinder eine Gefahr dar.“

Außerdem bestehe die Gefahr, dass Kinder im Elterntaxi nicht das selbstständige Verhalten im Straßenverkehr sowie die Verkehrsregeln lernen.