Der Inspekteur der Polizei beschäftigt nicht nur den Untersuchungsausschuss, sondern auch den Landtag. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Im Untersuchungsausschuss des Landtags wird der Vorgänger des Inspekteurs der Polizei befragt. Der hat eine klare Meinung zu den Vorfällen.

Der Vorgänger des Inspekteurs der Polizei hat sich klar von dessen Verhalten distanziert. „Das ist für die Polizei aus meiner Sicht eine Katastrophe“, sagte Detlef Werner am Freitag im Untersuchungsausschuss des Landtags, der sich mit der Polizeiaffäre beschäftigt. Zu den Vorwürfen, die im Raum stehen, sagte er: „Das sind Dinge, die sich ein Inspekteur nicht leisten darf. Aber das darf sich auch eine andere Führungskraft nicht leisten.“ Weiter sagte Werner: „Man ist fassungslos, und man schämt sich für das, was da passiert ist.“

 

Thema im Gericht und im Landtag

Detlef Werner war bis 2020 oberster uniformierter Polizeibeamter im Land. Auf ihn folgte Andreas Renner, der sich aktuell wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung vor dem Landgericht Stuttgart verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft Renner vor, eine Polizeibeamtin bedrängt zu haben. Die Verteidigung bezichtigt die Anzeigeerstatterin der Lüge. Nach ihrer Darstellung gingen die Intimitäten in einer Kneipe, die vor Gericht in einem Video gezeigt wurden, von der Frau aus. Renner hatte die Frau, die ihn später angezeigt hatte, im Auswahlverfahren für den höheren Dienst beraten.

Der Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigt sich mit den konkreten Vorwürfen, aber auch mit sexueller Belästigung in der gesamten Landesverwaltung. Darüber hinaus nehmen die Abgeordneten die Beurteilungs-und Beförderungspraxis bei der Polizei unter die Lupe.

Denn der Inspekteur der Polizei hatte eine steile Karriere hingelegt. Werner, der als Inspekteur der Polizei nach eigenen Angaben für Hunderte Beurteilungen verantwortlich war, trat dem vor allem von der Opposition geäußerte Verdacht entgegen, im konkreten Fall sei ungerechtfertigt eine besonders gute Bewertung abgegeben worden.

Ein früherer Referatsleiter hatte im Ausschuss ausgesagt, Innenminister Thomas Strobl (CDU) habe Renner unbedingt auf dem Posten haben wollen. Auch Werner hatte den Eindruck, es gebe einen Wunschkandidaten. Er habe aber keine Notenvorgabe erhalten und hätte Renner nicht mit einer Spitzenbewertung versehen, wenn er nicht geglaubt hätte, dass er „ein herausragender Beamter des höheren Dienstes“ sei. Wären allerdings ähnliche Fälle früher angezeigt worden, „dann glaube ich, dass dieser Kollege nie und nimmer in so hohe Funktionen gekommen wäre“, sagte Werner.

Ein „angesehener Kollege“

Auch Werner beschrieb seinen Nachfolger als hochintelligent, ruhig und besonnen. Er habe den Eindruck gehabt, dass er während seiner Zeit im Innenministerium ein „angesehener Kollege war“. Allerdings machte er auch klar, dass er einzelne Verhaltensweisen nicht gutgeheißen hätte. So hätte er eine Kollegin nicht – wie Renner – in einem Auswahlverfahren für den höheren Dienst beraten. „In der Funktion als Inspekteur ist das aus meiner Sicht nicht in Ordnung.“