Die ersten Konzepte für die Neubebauung des Maute-Areals in Bisingen stehen. Das Architekturbüro agsn aus Tübingen plant auf dem Gelände des ehemaligen Kesselhauses das Projekt „Tinyhaus kompakt“. Besonders: Das Treppenhaus soll begrünt werden.
Die Abrissarbeiten auf dem Maute-Areal sind auf der Zielgeraden. Höchste Zeit, dass die Neubebauung konkret wird. Die ersten Konzepte aus den Vergaberunden eins und zwei hat die STEG dem Gemeinderat in einer nichtöffentlichen Sondersitzung Anfang März vorgestellt – nun sind die von den Gemeinderäten favorisierten Pläne für das ehemalige Kesselhaus und den Quartierstreff im nördlichen Teil des Areals von Lena Seyboldt von der STEG auch in öffentlicher Sitzung vorgestellt worden.
Fest steht: Die beplanten Flächen sind für die Projekte reserviert, aber noch nicht verkauft. „Das Feintuning der Konzepte folgt im nächsten halben Jahr“, macht Bürgermeister Roman Waizenegger in der Sitzung am Dienstagabend deutlich. Doch: Kommt es so, wie die Konzepte es vorsehen, dann erfahren die künftigen Bewohner des Maute-Areals den Genuss der neuesten Wohnbautrends. Denn: Für das ehemalige Kesselhaus im Zentrum des Areals ist ein Gebäude mit zehn Maisonettewohnungen im Stile von Tiny-Häusern vorgesehen. Das Konzept hat das Architekturbüro agsn aus Tübingen entwickelt.
Lichtdurchflutete Büroräume im Erdgeschoss
Dabei werde die Kubatur des Kesselhauses erhalten – und doch wird man es von innen nicht wiedererkennen. Das Treppenhaus des dreigeschossigen Gebäudes soll begrünt werden. Auch für die Fassade ist eine Begrünung vorgesehen. Seyboldt vergleicht es mit einer „grünen Hülle“ für das Gebäude. Und auf dem Dach soll ein Garten den Bewohnern zur Verfügung stehen.
Im Ober- und Dachgeschoss werden laut Plan die Wohnungen untergebracht, im Erdgeschoss lichtdurchflutete Büroräume. Bezüglich der tinyhaus-ähnlichen Wohnungen könne alternativ mit vier barrierefreien Geschosswohnungen geplant werden. Auch Autofahrer wurden in den Plänen berücksichtigt: Direkt am ehemaligen Kesselhaus sieht das Konzept eine Tiefgarage mit 65 Stellplätzen mit Zufahrt von der Raichbergstraße vor. Der Stellplatzschlüssel liegt bei durchschnittlich 1,5 – für Wohnungen ab 66 Quadratmeter sind zwei Stellplätze einkalkuliert. Die Planung des Tübinger Architekturbüros lässt auch Car-Sharing zu. Übrigens: Verbunden mit der Konzeption des Kesselhauses war im Rahmen der sogenannten Ankerkonzeption auch die Tiefgarage – daher zeichnet die agsn Planungsgruppe für beide Bauprojekte verantwortlich.
Wie Waizenegger bereits zu Beginn betont: „Die Feinarbeit folgt. Grundsätzlich sind wir aber von den Projekten positiv überrascht.“ Und er fügt an: „agsn aus Tübingen hat Erfahrungen mit solchen Projekten von anderen Orten. Das funktioniert“, so der Bürgermeister.
Doch Teil der abgeschlossenen Vergaberunden war nicht nur das Kesselhaus, sondern auch der Quartierstreff im nordöstlichen Teil des Maute-Areals. Dort hat das Konzept von Holzbau Fuss aus Hechingen die Gemeinderäte überzeugt. Und auch dort sind Tiny-Häuser – sieben Stück an der Zahl – in Holzmassivbauweise in Form zweigeschossiger Doppel- und Reihenhäuser angedacht.
Nachhaltigkeit spielt wichtige Rolle
Nachhaltigkeit hat dabei oberste Priorität: Unter anderem kommt das Material der Fassaden aus regionaler Holzwirtschaft mit FSC-Zertifizierung. Jedes Haus verfügt über ein Carport und Abstellflächen für E-Bikes und Co. Auch an Wallboxen für E-Autos wurde gedacht. Angedacht ist dazu ein Gemeinschaftsraum – nutzbar laut Lena Seyboldt als Co-Working-Space oder auch als Café.
Wie es auf dem Maute-Areal weitergeht
Bewerbungen willkommen Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die dritte Vergaberunde für das Maute-Areal eingeläutet. Bis zum 2. September, 12 Uhr, können sich Investoren für zwölf Teilgrundstücke des Maute-Areals im nördlichen Bereich (Abgrenzung Bahnhofstraße/Schillerstraße/Goethestraße/Zollerstraße) mit einer Gesamtfläche von rund 5115 Quadratmetern bewerben und Konzepte bei der STEG einreichen. Der Preis für die vorstehend beschriebenen voll erschlossenen Baugrundstücke samt Projektentwicklung beträgt je nach Lage 170, 200 beziehungsweise 230 Euro pro Quadratmeter. Das Verfahren verläuft laut Bürgermeister Waizenegger analog zu den nun abgeschlossen ersten beiden Vergaberunden. Am 12. September sollen die Konzepte im Gestaltungsbeirat vorgestellt werden, im Gemeinderat werden diese dann gegen Ende September diskutiert. Ein möglicher Baubeginn laut STEG – wie für die Konzepte der ersten Vergaberunden – ist der September 2025.
Rückbau Bis es soweit ist, muss aber erstmal der Rückbau des Maute-Areals noch vollends abgewickelt werden. Bauamtsleiter Holger Maier erklärte in der Sitzung: „Die Rückbaumaßnahme der Gebäude auf dem Maute-Areal steht kurz vor dem Abschluss.“ Bis auf das Gebäude in der Bahnhofstraße 22 seien alle Gebäude zurückgebaut worden. Aber es wird nochmals etwas teurer: Für die Entsorgung von belastetem Material fallen 110 000 Euro an Mehrkosten an. Diese hat der Gemeinderat nun einstimmig gebilligt. Unter anderem wurden 20 000 Tonnen salzähnliches mit PCB belastetes Material gefunden. Insgesamt kostet der Rückbau nun 2,6 Millionen Euro. Der Betrag liegt aber immer noch unter den ursprünglichen Schätzungen der Verwaltung mit drei Millionen Euro.