In besonders prekärer Lage befinden sich derzeit viele Senioren- und Pflegeheime. Foto: dpa//Hauke-Christian Dittrich

Zum Text „Freie Plätze im Altersheim – trotz Warteliste“ vom 28. Februar schreibt unsere Leserin Karin Jahn-Walter.

Es gibt einige Lösungsansätze

 

Schon in den frühen 2000ern war es klar, dass die Alterspyramide zu einem Versorgungs- und Pflegeengpass spätestens bei den geburtenstarken Jahrgängen – den Babyboomern – führen wird.

Nun haben zusätzliche Faktoren und die leider fehlende Gegensteuerung die Zuspitzung beschleunigt.

Es gibt kein Wundermittel

Faktisch wird weder der Zuzug von noch mehr ausländischen Kräften noch eine nur minimale Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Pflegebereich ausreichen um die Katastrophe aufzuhalten. Es gibt auch nicht das eine Wundermittel gegen die Misere, aber es gibt etwas, was grundsätzlich verändert werden muss, um hoffentlich ein vielseitiges Programm zu aktivieren. Und dieses Grundsätzliche ist eine Veränderung des Denkens.

Über mehrere Generationen erzogen und prägten wir unsere Kinder zum Individualismus im Persönlichen und zur Selbstverwirklichung im Beruf. Berufe im sozialen Bereich (Dienst an Menschen), die psychisch und körperlich anstrengend und eine zu hohe Anpassung des Privatlebens verlangen, sind dadurch abgewertet worden, während alles was eher nach Kreativität und flexibler Gestaltung (Work-Life-Balance) aussieht, gepuscht wurde. Wir werden das Ruder nur herumreißen können, wenn wir alle miteinander soziale Verantwortung lehren und vorleben.

Soziales Pflichtjahr

Ich bin für ein soziales Pflichtjahr oder um genauer zu sein, damit es nicht nur die Jungen trifft dafür, dass jeder im Laufe seines Lebens einen gewissen Anteil in einem der Gesellschaft dienenden Bereich arbeiten/helfen muss. Dazu gehört aber auch, da gemäß Artikel 14 (2) GG „Eigentum verpflichtet“, dass Haus- und Grundbesitz, Erspartes zur Finanzierung von Pflege, falls notwendig, dienen muss, anstatt diese frühzeitig an die Erben zu verteilen.

Wenn die Kinder die Eltern pflegen okay, aber wenn sie es nicht tun können oder wollen, sollte es selbstverständlich sein das Eigene zu verwenden, bevor man öffentliche Gelder dafür in Anspruch nimmt. Ich bin für konsequente Förderung von systemrelevanten Bereichen und Streichung von Geldern in allen anderen. Auch mein Lieblingsrestaurant musste wegen des den Coronaausfällen folgenden Personalmangels schließen. So leid mir das tut, aber mir sind mehr Pflegende lieber als mehr Restaurantfachkräfte um ein Beispiel zu nennen. Und letztendlich sollte gerade das Gesundheitswesen aus dem gewinnorientierten Markt zurück in den öffentlichen.

Karin Jahn-Walter, St. Georgen

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