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Parkour WM wegen Pandemie abgesagt

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Auch in den nächsten Wochen wird Andy Haug versuchen an der Luft zu trainieren. Foto: Haug

Als das "Raw Air" der Skispringer abgesagt wurde, schwante dem Parkour-Sportler Andy Haug aus Freudenstadt bereits Böses. "Tatsächlich hat’s dann keine halbe Stunde mehr gedauert, bis auch unsere Weltmeisterschaft abgesagt wurde", erzählt er am Montag.

Da sitzt er nun und muss sich – wie die meisten Sportler und sämtliche Mitbürger – vorerst in Geduld üben. In der vergangenen Woche gab der Weltturnverband Fig (Fédération Internationale de Gymnastique) bekannt, dass die erste Parkour-Weltmeisterschaft, die vom 3. bis 5. April in Hiroshima (Japan) hätte steigen sollen, verschoben wurde. Eigentlich wäre sie im Rahmen des "Fise Urban Sports Festivals" über die Bühne gegangen. Doch aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde das gesamte Event von der Präfektur Hiroshima unterbunden. "Natürlich finden wir das alle schade", sagt Andy Haug. "Aber auch in der WhatsApp-Gruppe, die ich mit den Weltcup-Sportlern habe, ist der Tenor: Es gibt derzeit wirklich Wichtigeres."

Nachholtermin geplant

Die Fig aber hat laut eigener Mitteilung bereits einen Nachholtermin im Blick, und zwar bereits im Mai. Ein mehr als ambitioniertes, wenn nich gar unrealisitsches Ziel, findet auch Haug: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Lage bis dahin wirklich entspannt hat", sagt er offen. "Deshalb gehe ich bisher nicht wirklich davon aus, dass an diesem Plan festgehalten werden kann." Ein genaues Datum im Mai hatte die Fig in ihrem ersten Statement noch nicht auserkoren – Konkretisierungen sollen erst im Laufe der nächsten Tage und Wochen folgen.

Fixpunkt fehlt vorerst

Derweil klafft für die Sportler, gerade in einer Randsportart wie Parkour, ein riesiges Loch. Und zwar in zweierlei Hinsicht: "Diese erste offizielle Weltmeisterschaft war das große Ziel, darauf hat jeder von uns in den vergangenen Monaten hingearbeitet", sagt Andy Haug. Im Oktober hatte er das City-Event in Stuttgart organisiert, kurz darauf war er noch in Japan bei einem Wettkampf am Start. "Von Weihnachten an war dann alles auf die WM ausgerichtet", sagt er. Zweimal täglich hat er trainiert, oft in den Parkour-Parks in Ötigheim bei Rastatt und in Baiersbronn, aber auch in seiner Wahl-Heimat Stuttgart.

Nun aber war die gesamte Trainingssteuerung umsonst. Das Pensum über einen weiteren Monat durchzuziehen, mache nicht viel Sinn. "Ich werde natürlich trotzdem weiterhin täglich trainieren, aber die Umfänge und Intensität etwas drosseln", sagt Andy Haug. "Ohne ein genaues Datum vor Augen ist es auch mit der Motivation nicht so einfach", es fehle der Fixpunkt. Immerhin könne er draußen trainieren, "in den Parkour-Parks ist nicht so viel los, dass man sich einer großen Ansteckungsgefahr aussetzen würde", sagt er. Zudem hat er sich Geräte angeschafft, mit denen er sein Krafttraining nun vorerst zuhause gestalten möchte.

Finanzielle Lücke klafft

Doch das rein Sportliche ist nicht das einzige Problem, mit dem sich der 29-Jährige nunmehr konfrontiert sieht. Auch finanziell tut sich eine Lücke auf – und zwar eine große. "Ich bleibe auf den Kosten der Flüge und des Hotels nach jetzigem Stand sitzen", sagt Haug. Weder der Verband noch die Sponsoren werden wohl in die Bresche springen. "Viele Menschen denken, nur weil man ein paar Mal im Fernsehen war und die eigene Sportart bekannter geworden ist, würde das schon alles irgendwie laufen", sagt er, "aber so ist das definitiv nicht."

Auch in die Sporthilfe wurde der gebürtige Freudenstädter nicht aufgenommen – und das, obwohl diese seit Jahresbeginn ein Action-Sport-Projekt gestartet hat. "Natürlich fühle ich mich da außen vor", sagt Haug, "das ist schon frustrierend. Da werden endlich Strukturen geschaffen, und dann fällt man doch durchs Raster". Mit diesem Schicksal sei er jedoch nicht alleine. "Wie’s aussieht, geht es den französischen Athleten da genau gleich. Sie haben erzählt, dass sie die Kosten auch selbst tragen müssen."

WM bleibt das große Ziel

Entsprechend wisse er bislang noch nicht, ob er – sobald die Fig einen Nachholtermin bekannt gibt – tatsächlich gleich Flüge und Hotels buchen wird. Er wolle nicht noch einmal das Risiko eingehen, auf den gesamten Kosten sitzenzubleiben. "Es ist nach wie vor mein großes Ziel, bei dieser WM dabei zu sein", sagt er. "Aber wenn ich das Gefühl habe, dieser Termin könnte noch einmal ins Wasser fallen, werde ich höchstens ›last-minute‹ buchen."

Bis dahin wird sich der Freudenstädter die Zeit vertreiben – jedoch mit etwas weniger Training als in den vorigen Wochen. "Dafür will ich endlich mal wieder ein Buch lesen und in Ruhe einen Film schauen", sagt er. Dinge, die aufgrund der intensiven Vorbereitung zuletzt zu kurz gekommen waren, für die nun aber die perfekte Zeit zu sein scheint.

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