Die scheidende Ortsvorsteherin Sieglinde Rohrer vor dem Plan zum Jubiläumsrundweg um Herzogsweiler Foto: Stadler

35 Jahre lang – und damit knapp mehr als die Hälfte ihres Lebens – hat sich Sieglinde Rohrer in der Kommunalpolitik engagiert. Jetzt verabschiedet sie sich aus ihren Ämtern als Ortsvorsteherin von Herzogsweiler und Gemeinderätin in Pfalzgrafenweiler.

1989 wurde Sieglinde Rohrer als erste Frau und jüngstes Mitglied in den Ortschaftsrat von Herzogsweiler gewählt. In den vergangenen 15 Jahren bekleidete sie das Ehrenamt der Ortsvorsteherin von Herzogsweiler, nachdem sie von 1999 bis 2009 bereits stellvertretende Ortsvorsteherin gewesen war. Zudem war sie in den vergangenen zehn Jahren Mitglied des Gemeinderats von Pfalzgrafenweiler.

 

Bei der Kommunalwahl am 9. Juni kandidiert die 69-Jährige nicht mehr und beendet damit ihr kommunalpolitisches Engagement. „Es ist Zeit, die Ämter in jüngere Hände zu übergeben“, sagt Rohrer.

Im Rückblick auf die lange Zeit in den kommunalen Gremien erinnert sie daran, dass in Herzogsweiler vor allem viel gebaut wurde. Bereits in der Amtszeit ihres Vorgängers entstanden drei Baugebiete, so auch Unteres Hanfland I, das mit Unteres Hanfland II unter Ortsvorsteherin Rohrer weiterentwickelt wurde. Während ihrer Amtszeit wurde die Wasserleitung in der Herzogstraße erneuert. Gut kam bei der Bevölkerung die Pflasterung dereinstigen Sandwege im Friedhof an, wie Rohrer erzählt. Zudem wurde umgestellt auf Rasen- und Baumgräber. Auch der Spielplatz Unteres Hanfland wurde in dieser Zeit angelegt.

Nahwärmeausbau dauert an

In den Jahren 2014/2015 wurde nach einer Nutzungsänderung das Hotel Sonnenschein zwei Jahre lang zur Unterbringung von 50 Asylbewerbern genutzt. Vor ein paar Jahren wurde der Hotelbetrieb wieder aufgenommen. In den vergangenen drei Jahren wurde in Herzogsweiler die Nahwärmeversorgung samt Heizhaus durch die Weiler Wärme so weit ausgebaut, dass bereits fast 80 Häuser angeschlossen sind. Der Ausbau der Nahwärmeleitung im Ort ist noch nicht beendet.

In die Amtszeit von Sieglinde Rohrer fielen auch die Sanierung der Alten Poststraße in zwei Bauabschnitten mit Einweihungsfeier, das Jubiläum 25 Jahre Kindergarten Krümelkiste, die Inbetriebnahme eines neuen Feuerwehrfahrzeugs und viele andere Feste.

Seit 2014 lädt Herzogsweiler zum kleinen, aber feinen Weihnachtsdorf ein. Seit 2020 findet ein gemeinsamer Sonntagsspaziergang auf dem „Schneeglöckchenweg“ mit Kaffee und Kuchen im Bürgerhaus statt. Mit den Erlösen daraus und vom Weihnachtsdorf wurden unter anderem Stehtische und neues Geschirr für das Bürgerhaus angeschafft, berichtet die scheidende Ortsvorsteherin.

Meilenstein 300-Jahr-Feier

Ein besonderer Höhepunkt war die 300-Jahr-Feier von Herzogsweiler im vergangenen Jahr. Der im Zuge dessen eingeweihte Jubiläumsrundweg zieht nun auch viele Gäste aus nah und fern an, die auf der zehn Kilometer langen Strecke rund ums Dorf wandern. „Toll und nachhaltig zugleich“, meint Sieglinde Rohrer. „Und der Jubiläumsrundweg hält die Erinnerungen an unsere 300-Jahr-Feier lebendig.“

Ihre letzte Amtshandlung, bevor sich Sieglinde Roher ins Privatleben zurückzieht, wird die Jubiläumsfeier zum 150-jährigen Bestehen der Feuerwehr am 22. und 23. Juni sein. Die ehemalige Beschäftigte im Personalbereich der Sparkasse, die seit Ende 2018 im Ruhestand ist, will nach ihrem kommunalpolitischen Engagement mehr Zeit zum Wandern, Lesen und für Kurzurlaube haben. Jeden Donnerstag besucht sie ihren Neffen in Balingen und alle vier Wochen hilft sie beim Café Lichtblick in der evangelisch-methodistischen Christuskirche mit. Außerdem ist sie Schriftführerin im örtlichen Tennisclub.

Die Kommunalpolitik verlässt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Es hat mir viel Freude bereitet, und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Ortschaftsrat war immer sehr gut“, lautet das Fazit von Sieglinde Rohrer.