Baustellen über Baustellen in der Hechinger Innenstadt – auch für mehr Wohnraum. Das Projekt „Am Rain“ soll neue Wohn- und Geschäftsräume entstehen lassen. Auf der Rückseite davon baut die Stiftung Lebenshilfe Zollernalb derzeit neue Wohnungen. Foto: Benjamin Roth

Die Mietpreise steigen und steigen. Für die Teilnehmer unserer Orts-Check-Umfrage bildet Hechingen in Sachen Immobilienmarkt das Schlusslicht im Zollernalbkreis. Wilhelm Stiefet, Geschäftsführer der Kreisbau Hechingen, erklärt im Interview die Hintergründe.

Kann man sich die Mieten in Hechingen nicht mehr leisten? Ja, sagt zumindest ein Teil unserer Orts-Check-Umfrage. Hechingen liegt in der Kategorie „Immobilienmarkt“ mit 4,51 Punkten auf dem letzten Rang im Zollernalbkreis. Wilhelm Stiefet, Geschäftsführer der Kreisbau Hechingen, ordnet die Ergebnisse der Orts-Check-Umfrage unserer Redaktion ein.

 

Herr Stiefet, hat Hechingen wirklich die höchsten Mieten im gesamten Zollernalbkreis?

Da muss ich der Umfrage widersprechen. Unsere Nachbarn in Balingen haben noch mit höheren Durchschnittsmieten zu kämpfen. Wie hoch die Durchschnittsmieten in Albstadt, im weiteren Mittelzentrum des Zollernalbkreises liegen, kann ich aktuell nicht bewerten. Da sind wir in Hechingen etwas zu weit weg.

Trotzdem, die Mieten steigen immer weiter, während die Kaufpreise eher sinken: Worin sehen Sie für diesen Trend die Hauptursache?

Die Baukosten sind weiterhin hoch. Gleiches gilt für das Zinsniveau auf Baukredite. Mit den von Seiten der Politik geforderten Umweltauflagen für Neubauten sind die damit verbundenen Investitionssummen nur für einen kleinen Personenkreis erschwinglich. Die Folge: Wer nicht kauft, sucht Mietobjekte. Der klassische Marktmechanismus lässt aufgrund der höheren Nachfrage und des geringen Angebots die Mieten steigen.

Ist ein Ende steigender Mietpreise in Sicht?

Die Mieten steigen auch in Hechingen seit mindestens zehn Jahren konstant. Mit Blick in die Zukunft sehe ich hier vorerst keine Trendwende. Seitens der Politik müsste hinsichtlich Entbürokratisierung und Förderprogrammen mehr getan werden. Es fehlt aber schlicht das Geld.

Wilhelm Stiefet, Geschäftsführer der Kreisbau Hechingen, sieht kein Ende steigender Mietpreise. Foto: Boll

In Hechingen sind die Mieten laut dem Portal „Immoscout 24“ im Zollernalbkreis dennoch mit am höchsten. Warum?

Entscheidend für die Mietpreise sind die Rahmenbedingungen, die die Kommunen bieten, sprich die Infrastruktur. Dort, wo es viele Arbeitsplätze gibt, ist auch der Bedarf an Wohnraum höher. Oder nehmen wir den zentralen Aspekt Verkehr. Entlang der Hauptverkehrsachsen sind beispielsweise Mieten tendenziell höher.

Gesprochen wird in Hechingen auch oft von Leerstand. Wie sieht es diesbezüglich bei den Wohnobjekten der Kreisbau aus?

Wir bei der Kreisbau Hechingen haben praktisch keinen Leerstand. Und wenn Wohnungen tatsächlich leer stehen, dann weil wir diese sanieren. Die Wohnungen werden nun mal älter, um Renovierungen kommen wir nicht umher.

Wie oft musste die Kreisbau Hechingen die Mietpreise in den vergangenen Jahren erhöhen?

Hierzu darf ich feststellen, dass wir im Vergleich sehr moderate Mietpreise für unsere Mieter und Kunden bieten. Im Durchschnitt liegen wir da derzeit bei 6,70 bis 6,80 Euro pro Quadratmeter kalt. Damit liegen wir deutlich unter dem privaten Mietermarkt. Aber auch wir müssen angesichts steigender Kosten die Mieten moderat erhöhen. Dabei gehen wir umsichtig vor: Wir schöpfen nicht die vom Gesetzgeber erlaubte Erhöhungen aus, sondern bleiben deutlich darunter. Im Regelfall finden Erhöhungen nur alle drei bis fünf Jahre statt.

Für welche Zielgruppe ist die Wohnungssuche derzeit besonders schwer?

Für berufstätige Niedrigverdiener und Senioren mit kleinen Renten. Dieser Trend wird sich in Zukunft leider noch verschärfen.

Zum Abschluss: Ein Teilnehmer der Orts-Check-Umfrage aus Hechingen hat in einem Kommentar erklärt, dass er aus Hechingen wegen der hohen Mietpreise wegziehen musste. Kennen Sie einen solchen Fall?

Nein, aber bei Kündigungen von Mietverhältnissen erfahren wir bei der Kreisbau auch nicht immer den Grund der Kündigung.

Wie „Immoscout 24“ seinen kostenlos einsehbaren Mietspiegel berechnet

„Immoscout 24“
  Das Onlineportal „Immoscout 24“ hat auf seiner Internetseite einen Mietspiegel für alle Städte und Gemeinden in ganz Deutschland aufgestellt. Der Blick in den Zollernalbkreis zeigt, dass Hechingen bezüglich der Wohnungsmieten mit 9,36 Euro Nettokaltmiete nur knapp hinter Balingen liegt, wo mit 9,39 Euro pro Quadratmeter die höchsten Mietpreise verlangt werden. Zum Vergleich: In Meßstetten sind durchschnittlich nur 6,85 Euro pro Quadratmeter fällig. Das Onlineportal bestätigt auch die Aussage von Kreisbau-Geschäftsführer Stiefet, dass die Wohnungsmieten steigen, die Kaufpreise jedoch sinken.

Datengrundlage
 Doch auf welche Quellen bezieht sich „Immoscout 24“? Für die Berechnung werden laut Arne Hartweg, Sprecher von „Immoscout 24“, viele unterschiedliche Datenquellen kombiniert. Besonders wichtig seien dabei zwei Aspekte: Zum einen basiere die Berechnung auf den Angebotsdaten auf Online-Portalen, zum anderen werden tatsächlich erzielte Kaufpreise herangezogen. In der zugrunde gelegten Datenbank seien mehrere Millionen Kauf- und Mietpreise sowie detaillierte Angaben zu Vergleichsobjekten gespeichert