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Ohne Betäubung geschlachtet? Bauer soll seine Tiere misshandelt haben

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Ausschnitte aus den Videoaufnahmen zeigen schreckliche Szenen. Foto: Tierrechtsorganisation Metzger gegen Tiermord e.V.

Kreis Waldshut - Unglaubliche Zustände bei einem "Metzger des Vertrauens" im Südschwarzwald: Eine kleine Landmetzgerei im Kreis Waldshut, die mit Fleisch vom eigenen Bauernhof wirbt und direkt vor Ort vermarktet, sorgt mit einem Tierschutz-Skandal für Schlagzeilen. Der Besitzer soll illegal Schusswaffen eingesetzt, Tiere ohne Betäubung geschlachtet und Puten lebendig ausbluten lassen haben.

Auf den Fall aufmerksam macht die Tierrechtsorganisation "Metzger gegen Tiermord e. V." (MGT). Laut einer Pressemitteilung wurden den "Metzgern gegen Tiermord" belastbare Hinweise auf schwere Verfehlungen des Betriebes zugespielt. Ein Rechercheteam des Vereins soll daraufhin die Stallungen sowie das Schlachthaus für insgesamt drei Wochen im August überwacht haben, berichten die MGT in ihrer Mitteilung.

Schreckliche Szenen festgehalten

Mit ihren versteckten Kameras haben die MGT festgehalten, wie katastrophal die Zustände auf dem Hof sind, heißt es weiter. Ausschnitte dieses Videomaterials wurden am 21. Oktober in der RTL-Sendung "SternTV" gezeigt. Zu sehen ist dort, wie der mutmaßliche Betriebsleiter mit einer Langwaffe im Gebäude auf Rinder schießt. Zwei von drei Tieren bleiben nach dem ersten Schuss auf den Beinen stehen. Ein Arbeiter befindet sich mehrfach im Schussfeld. Ein Kugelfang ist nicht vorhanden. Ein Veterinär - also ein Tierarzt - ist nicht vor Ort. Obwohl er das nach der deutschen Gesetzeslage eigentlich sein müsste.

Und die Liste der Mängel, die die MGT eigenen Angaben zufolge beanstandet haben, ist noch länger: Die Zeit von 60 Sekunden bis zum Blutentzug werde um mehrere Minuten überschritten. Auch seien starke Abwehrreaktionen - Lebenszeichen - bei der Schlachtung erkennbar. Mastschweine würden sich gegen einen unsachgemäßen Einsatz der Stromzange wehren. Ferkel kämpften im fehlbetäubten Zustand um ihr Leben. Hühnern werde der Kopf ohne vorherige Betäubung mit dem Beil abgeschlagen und Puten würde bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschnitten. Wie sich auch in den Videoaufnahmen zeigt, versinken die Rinder im Stall regelrecht in ihren eigenen Fäkalien. 

Veterinäramt hat bereits eingegriffen

Wie aus einer Mitteilung des Landratsamts in Waldshut hervorgeht, habe das Veterinäramt nach Bekanntwerden dieser Situation umgehend reagiert. Das Amt bestätigt, dass die Aufnahmen "gravierende Verstöße gegen den Tierschutz bei der Schlachtung" zeigen. Bereits am Tag, nachdem das Videomaterial bei der Behörde eingegangen sei, seien Mitarbeiter des Veterinäramtes mit den zuständigen Fachleuten des Regierungspräsidiums Freiburg und der Polizei vor Ort gewesen, um den Betrieb zu kontrollieren.

Auf dem Hof bei Wutöschingen sei ein Kleinkalibergewehr sichergestellt worden und dem Besitzer sei die Schlachtung mit sofortiger Wirkung untersagt worden. Außerdem habe die Behörde ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot sowie die sofortige Beseitigung der Mängel angeordnet.

Bislang war alles unauffällig

Wie das Landratsamt weiter mitteilt, hätten in den vergangenen Jahren regelmäßige, überwiegend unangekündigte, Kontrollen im Betrieb stattgefunden. Anhaltspunkte für gravierende Mängel bei der Schlachtung oder Haltung habe es dabei jedoch keine gegeben. Auch Wutöschingens Bürgermeister Georg Eble gibt sich gegenüber dem Schwarzwälder Boten überrascht. Er kenne den Hof - in einer "Gemeinde mit 7000 Einwohnern nichts besonderes" - und hätte einen solchen Skandal nicht erwartet, so Eble. Abgesehen von dieser Aussage möchte der Bürgermeister keine Stellungnahme abgeben.

Die Staatsanwaltschaft hat nun die Ermittlungen übernommen. Da die Auswertung des vorliegenden Datenmaterials, also hauptsächlich die Videoaufnahmen der MGT, noch aussteht, möchte Staatsanwalt Jürgen Schäfer derzeit keine Angaben zum Verfahren machen. Schäfer sei jedoch gerne bereit, zu einem späteren Zeitpunkt der Ermittlungen weitere Informationen zu veröffentlichen, erklärte er gegenüber dem Schwarzwälder Boten.

SternTV zeigte Ausschnitte des Videomaterials am Mittwochabend:

Doch was sagt der Besitzer des Familienbetriebs zu den Anschuldigungen? Und wie geht es mit den Tieren weiter? schwarzwaelder-bote.de hat den Landwirt zwar telefonisch erreicht, eine zugesagte Stellungnahme blieb bislang jedoch aus. 

Kein Einzelfall im Südwesten

Erst in den vergangenen Monaten hatten in Gärtringen (Kreis Böblingen) und Flözlingen (Kreis Rottweil) ein Schlachthof und ein weiterer Viehbetrieb für Schlagzeilen gesorgt. In beiden Fällen hatte der Verein Soko Tierschutz Videomaterial veröffentlicht, das gravierende Verstöße gegen die Tierschutzgesetze ans Licht brachte.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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