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Österreich Gemäuer und Genüsse

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Die 850 Jahre alte Festung Riegersburg thront hoch über der Landschaft der Steiermark - ein majestätischer Anblick. Foto: Weithofer

Was bringt einen gestandenen Mann dazu, den Kopf in dunkle, flüssige Schokolade zu tauchen und dann wie ein Clown in die Kamera zu lachen? Bei Josef Zotter, da kann man sicher sein, ist es kein von Werbestrategen empfohlener Gag, sondern Ausdruck echter Begeisterung für sein Produkt. Der 55-Jährige ist der Schokoladenkönig von Österreich, ein Selfmademan mit 170 Mitarbeitern. Charisma hat er und ein bisschen schräg ist er auch. Seine Schuhe trägt er in verschiedenen Farben, der eine ist schwarz, der andere rot. 220 000 Besucher jährlich strömen in sein „Schoko-Laden-Theater“ im steirischen Bergl. „Schokolade mag fast jeder“, sagt seine Pressedame Susanne Luef. „Wer mehr darüber wissen will, der ist bei Zotter an der richtigen Adresse.“ Die Ideen gehen dem gelernten Koch nie aus, und die Entwicklung neuer Geschmacksrichtungen - 365 bietet er an - lässt er sich nicht aus der Hand nehmen. Der Chocolatier freut sich wie ein Kind über seine Schöpfungen - Kürbis-Marzipan, das ist einer meiner ersten Aufreger gewesen“, sagt Zotter. Im neuen Sortiment stehen so extravagante Variationen wie „Basmati-Reis mit Safran“, „Blauer Krachmohn“, „Apfel-Karotten mit Ingwer“ oder „Arabische Dattel-Minze“. Natürlich ist auch Traditionelles im Angebot - Haselnuss, Trauben-Nuss, Mandel. „Ich hab’ überall mein Herzblut drin“, sagt Zotter.

Die Naschereien aus Bergl, natürlich alle bio und Fair Trade, sind edel, die Herstellung ist aufwendig - nach Zotters Bekenntnis ziemlich ineffizient. Das macht ihm nichts aus, Massenproduktion, oh nein. Er kann es sich leisten, auch Aldi abblitzen zu lassen. „Die wollten meinen Namen. Aber da hab’ ich nicht mitgemacht. Wir setzen auf Exklusivität.“ Auf jeden Fall hat er die Marke Steiermark aufpoliert - die Hersteller manch anderer Spezialitäten profitieren von seinem Erfolg. Liane Berghofer zum Beispiel, die ein Produkt vertreibt, das noch mehr als Schokolade symbolhaft für das Land steht: Kürbiskernöl, das „schwarze Gold“. In der familieneigenen Mühle in der Ortschaft Fehring wird der begehrte Saft gepresst. Verwendet werden ausschließlich die Kerne aus dem steirischen Ölkürbis. Wegen der großen Nachfrage darf der inzwischen auch in Niederösterreich wachsen. Und wie bei der Schokolade, so wird auch bei den Kürbiskernen geschmacklich experimentiert. Es gibt sie in Zartbitter-Schokolade oder karamellisiert mit Vanille, mit Wasabi oder Knoblauch. Der Steirer ist eben erfinderisch - und geschäftstüchtig.

Weitere Spezialitäten der Steiermark

Für die Steiermark sind Spezialitäten aber kein Kraftakt, sondern ein Selbstläufer. Das ist auch bei „Vulcano“ in Auersbach zu beobachten. Dort präsentiert sich die „neue Schinkenwelt“, wo Franz und Bettina Habel regieren. Vorbehalte gegen Schweinefleisch schmelzen bei ihrer „Verkostungsexpedition“ wie das Fett in der Pfanne. Ja, die Chefin isst schon mal Kalb, „aber Schwein schmeckt mir einfach besser“. Hormone werden den steirischen Edelschweinen natürlich nicht verabreicht. Ohnehin gibt es strenge Auflagen für die Züchter, etwa beim Einsatz von Medikamenten. „Wir füttern selber, mit ganz viel Getreide“, sagt Bettina Habel. Auf langsames Wachstum wird Wert gelegt, damit die Fettfasern schön fein bleiben. Die Gipfel des Geschmacks erkundet auch Alois Gölles in Riegersburg. Er hat sich auf Schnäpse spezialisiert - und auf Essig, gerne mit Himbeeren oder Tomaten. Den sauren Saft verwandelt Gölles mit Hingabe in eine wahre Delikatesse. Wer von der Kulinarik genug hat, kann seine Sinne auf die Natur richten, sie von oben betrachten, am besten von einer der vielen Burgen. Eine der schönsten ist die 850 Jahre alte Festung Riegersburg, die hoch über der Landschaft thront. Wenn der Gast Glück hat, trifft er auf die frühere Burgherrin Annemarie Prinzessin von und zu Liechtenstein, die ihm erzählt, wie froh sie ist, dass sich nun einer ihrer Söhne um das historische Erbe kümmert. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, was da alles so dranhängt - drei Museen, Gastronomie, Greifvogelwarte und Ritterspiele. Ein vom Staat finanzierter Lift hievt die Besucher auf den 482 Meter hohen Vulkanfelsen. Der Blick schweift genüsslich übers Land. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

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