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Oberndorf Heckler&Koch sieht sich "voll rehabilitiert"

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Firmensitz in Oberndorf am Neckar. Foto: dpa

Oberndorf - Mit Haushaltsmaschinen und Fahrrädern fängt es an, damals, 1949, als die Ingenieure Edmund Heckler, Theodor Koch und Alex Seidel Güter entwickeln, die nach dem Krieg dringend benötigt werden. Die Heckler&Koch GmbH (HK) mit Sitz in Oberndorf im Kreis Rottweil wird gegründet. Nur zehn Jahre später erhält das Unternehmen den Liefervertrag für das Infanteriegewehr G3 - und führt es bei der 1955 neu gegründeten deutschen Bundeswehr als Standardwaffe ein. Noch heute liefert HK Sturmgewehre, etwa das G36, und andere Waffen an die Bundeswehr.

Doch um das G36 wird erbittert gestritten. Seit 2011 steht die Treffsicherheit in Verruf. Die Waffe laufe heiß, im feuchten Zustand verringere sich die Treffgenauigkeit, heißt es. HK wehrt sich, die Krisenmanager und Presseleute der Firma präsentieren Gegenargumente, wittern eine Kampagne.

Im Mai 2013 verteidigt sogar der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Hans-Werner Fritz, die Waffe; das Bundesverteidigungsministerium nennt sie zuverlässig. Die Vorwürfe ebben trotzdem nicht ab.

Mal sollte die Sonneneinstrahlung mitschuldig sein, mal Feuchtigkeit. Der Waffenhersteller, der sonst häufig kurz und knapp auf Anfragen antwortet, wehrt sich gegen jedes Detail. "Langjährig eingesetzt wird das G36 sowohl in Gebieten mit intensiver Sonneneinstrahlung wie Afghanistan als auch von den maritimen Streitkräften in Gebieten mit hoher Feuchtigkeit", heißt es unter anderem.

Heckler&Koch spricht von einer Skandalisierung. Der Waffenhersteller greift den "Spiegel" und die SWR-Sendung "Report Mainz" an. "Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, dass eigen-motivierte ehemals interne wie auch externe Parteien bestrebt sind, Heckler&Koch in der negativen Medienberichterstattung zu halten", teilt das Unternehmen im vergangenen September mit. Das G36 zähle international zu den technologisch führenden und zuverlässigsten Sturmgewehren. Mehr als 40 Nationen hätten das G36 beschafft.

In einer eigenen Untersuchung versucht HK Ende 2013 auf über 100 Seiten die Vorwürfe zu entkräften. Fazit: Die "verbreiteten Behauptungen zu Streukreisvergrößerungen und Treffpunktverlagerungen" konnten "im vorgetragenen Ausmaß beim Wärmebeschuss von G36-Gewehren" nicht nachvollzogen werden.

Doch die Vorwürfe sind noch nicht aus der Welt. Bis jetzt der Bericht von Staatssekretär Markus Grübel (CDU) an den Verteidigungsausschuss auftaucht. Dieser zeigt: Die Schuld liegt bei fehlerhafter Munition. Die wiederum produziert HK nicht selbst. Die Reaktion der Rüstungsschmiede folgt prompt. HK sehe sich "voll rehabilitiert", sagt Geschäftsführer Martin Lemperle gestern unserer Zeitung. Die Sache sei damit für HK so gut wie erledigt, es würden allerdings noch Gespräche mit der Bundeswehr anstehen. Dass die Munition des Herstellers aus Rheinland-Pfalz für die fehlende Treffgenauigkeit bei Gefechten verantwortlich war, habe man im Unternehmen schon länger gewusst. Mit dem gleichen Hersteller habe es bereits vor einigen Jahren mit einer anderen Patrone Probleme gegeben, erinnert sich Lemperle.

Dies bestätigt der Oberndorfer Waffenexperte und Büchsenmacher Gregor Egeler. Werde eine neue Serie produziert, gebe es häufig Differenzen zur vorherigen. Dies liege oft an der Pulverladung. Im zivilen Bereich, erläutert der passionierte Jäger, werden deshalb auch Waffen eingeschossen, wenn neue Munition verwendet wird. "Wir können zwar auf den Mond fliegen, aber keine hundertprozentig gleiche Munition herstellen."

In Oberndorf am Neckar allerdings muss man sich mangelnde Präzision nun nicht mehr nachsagen lassen.

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